Ehemalige Bayern-Coach wirkt wie ein Trainer auf Abruf
Italien stempelt „Pater Trap“ zum Sündenbock

Nach der enttäuschenden Nullnummer gegen Dänemark legt Italiens Nationalcoach Giovanni Trapattoni statt seine berühmt-berüchtigten Temperamentsausbrüche ungewohnte Geduld mit seinen Stars an den Tag - und sorgt damit für jede Menge Unverständnis bei der heimischen Presse, die sich mehr und mehr auf den "Maestro" einschießt.

HB LISSABON. Priester, Vater und Nationaltrainer - Trapattoni ist alles für die Italiener. Vor allem aber ist "Trap" weichgespült und nach dem schwachen EM-Auftakt der große Sündenbock. "Von wegen Teamchef, nennt ihn Pater Trap!", spottete die "La Gazzetta dello Sport". Ein Donnerwetter hatte Italien nach dem müden EM-Start von Trappatoni erwartet. Aber der sonst so temperamentvolle "Maestro" zeigt sich ungewohnt zaudernd. Statt eines Machtworts, gab's Streicheleinheiten. "Und dabei läuft nichts!", schimpfte der "Corriere della Sera" am Mittwoch über den zu laschen Trainer.

"Die Spieler stehen auf dem Platz, nicht der Trainer", nahm AC Mailands Gennaro Gattuso den 65-Jährigen vor dem kleinen Gruppenfinale am Freitag gegen die fulminanten Schweden in Schutz. Italiens Presse aber schießt weiter gegen den Coach. "Taktische und personelle Fehler" kreidet sie ihm an, weil er stur an seinem 4-2-3- 1-System mit Totti in der Spielmacher-Rolle festhalte, statt den zum Retter des Vaterlands auserkorenen Regisseur Andrea Pirlo ins Mittelfeld zu stellen. "Ich lasse mir nicht durch ein Unentschieden mein erfolgreiches System ausreden", beharrt Trapattoni. "Nicht mal Politiker nach Wahlniederlagen sind so uneinsichtig", kontert der "Corriere della Sera".

Der ehemalige Bayern-Coach, dessen Vertrag nach der EM ausläuft, wirkt wie ein Trainer auf Abruf, der es eigentlich schon seit der Pleite im WM-Achtelfinale 2002 gegen Südkorea niemandem in der Heimat mehr recht machen kann. Schon vor der Abreise wurden seine Nominierungen als "Wahnsinn" kritisiert, weil er den 21 Jahre alten Shooting-Star Alberto Gilardino vom AC Parma zu Hause ließ. Immerhin ist er der beste italienische Stürmer der letzten Serie-A-Saison.

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