Ehemalige Kontrahenten suchen den Schulterschluss
BFS vor Verschmelzung mit dem HDE

Deutschlands Handelsverbände stehen vor einem historischem Augenblick. Am 22. Mai sollen die Mitglieder des Bundesverbandes der Filialbetriebe und SB-Warenhäuser (BFS) in ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung über die Auflösung des Verbands und die Integration in den Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) abstimmen.

rv DÜSSELDORF. Wie das Handelsblatt aus gut informierten Kreisen erfahren hat, zeichnet sich die Tendenz der Abstimmung bereits ab: Es werde zu einer Verschmelzung mit dem HDE kommen, berichtet ein Kenner der Szene: "Der BFS wird in den HDE integriert." Allerdings forderten die BFS-Mitglieder, dass für die Großbetriebe im HDE eine neue Plattform geschaffen werde.

Damit soll der unterschiedlichen Struktur der Verbände Rechnung getragen werden. Denn im BFS sind sämtliche Unternehmen direkt Mitglied und in die Entscheidungsprozesse unmittelbar einbezogen. Der mittelständisch geprägte HDE ist dagegen ein Verband der Verbände: Das heißt, die meisten Unternehmen sind Mitglied der Regionalverbände, deren Delegierte in ihren Jahresversammlungen über die Position des Verbandes entscheiden.

Befürworter der Fusion, darunter vor allem das größte BFS-Mitglied Metro, wollen primär eins: Der Einzelhandel müsse gegenüber der Politik mit einer Stimme sprechen. Die drei unabhängig arbeitenden Spitzenverbände des Handels - neben HDE und BFS noch die BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels) - hatten häufig konträre Positionen vertreten und waren deshalb bei Anhörungen der Verbände im Zuge von Gesetzgebungsverfahren nicht immer eingeladen worden.

Der BFS, dem Unternehmen wie Metro, Aldi, AVA, Lidl, Rewe, Tengelmann, Wal-Mart, Norma, Tegut und Ikea angehören, vertritt die Interessen der großen Filialbetriebe des Lebensmitteleinzelhandels - darunter Discounter, Supermärkte und SB-Warenhäuser. Von den Verbänden forderte der BFS bisher die weitestgehende Liberalisierung des Marktes. Der mittelständisch geprägte HDE gab sich dagegen eher restriktiv. Doch beim Hauptverband habe sich in den vergangenen drei Jahren viel bewegt, resümiert Verbandssprecher Hubertus Pellengahr. Diese liberalere Haltung mache ein Zusammenrücken der früheren Kontrahenten nun möglich.

"Wir sehen in der Integration eine sehr wichtige Etappe für die Entwicklung der Verbandslandschaft und die Bündelung der Kräfte gegenüber der Politik", urteilt Holger Wenzel, Hauptgeschäftsführer des HDE, und verweist darauf, dass die Mehrheit der BFS-Firmen ohnehin bereits HDE-Mitglied sind. Ohne der Entscheidung der Mitgliederversammlung vorgreifen zu wollen, stellt er klar: Die Schaffung einer gesonderten Plattform für BFS-Mitglieder, als eine Art Fachgruppe für Filialisten des Lebensmittelhandels im HDE, sei kein Problem.

Die BAG, der Karstadt-Quelle, Otto Versand, Peek & Cloppenburg oder C & A angehören, hält an ihrer Eigenständigkeit fest: Nur so könne der Verband die Interessen des Standorts Stadt am besten vertreten.

Quelle: Handelsblatt

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