Ehemaliger Mannesmann-Manager will Telekom- und Internetwelt verschmelzen
Einsteinet startet mit Datendiensten aus der Telefondose

Auf der Systems wurde viel über neue Datendienste und die so genannten Application Service Provider gesprochen. Unternehmen sollen ihre Software nicht mehr auf ihren Netzrechnern betreiben, sondern bei einem Serviceanbieter. Einer der ersten, die diesen Dienst in Deutschland anbieten, ist Einsteinet.

HB MÜNCHEN. Kurt Kinzius betreibt ein Unternehmen, dessen Branche es noch gar nicht gibt. Der frühere Mannesmann-Manager, der für Klaus Esser die Abwehrschlacht gegen Vodafone organisierte, ist seit August Vorstandsvorsitzender der Einsteinet AG, München. Mit dem 1999 von dem argentinischen Investor Martin Varsavsky (Jazztel) gegründeten Startup will Kinzius in kleinerem Maßstab die alte Mannesmann-Vision umsetzen: die Welten Telekommunikation und Informationstechnologie (IT) zusammenzuführen. Einsteinet ist gleichzeitig ein Telekomunternehmen, das ein Glasfasernetz betreibt, und ein so genannter Application Service Provider (ASP), der in eigenen Rechenzentren Softwareanwendungen für Unternehmen betreibt."Viele reden darüber als ASP tätig zu werden, aber außer uns und demnächst der Deutschen Telekom ist eigentlich noch keiner am Markt", sagt Kinzius. Er freue sich aber auf den entstehenden Wettbewerb. "Niemand würde Formel-1 gucken, wenn Schumacher alleine im Kreis herumfahren würde", meint der 43-Jährige.

Kinzius will seine künftigen Kunden - Unternehmen mit mehr als 50 PC-Arbeitsplätzen - überzeugen, ihren Server wegzuwerfen, und sich stattdessen an eines der Rechenzentren von Einsteinet anschließen zu lassen: Sämtliche Softwareprogramme, Mailsysteme und das Intranet würden fortan die Spezialisten von Einsteinet managen. "Das ist sicherer und spart Kosten", meint Kinzius. Denn IT-Fachleute sind knapp, und die Sicherheitschecks die Einsteinet unter Einsatz von "professionellen Hackern" macht, würde sich kaum ein branchenfremdes Unternehmen leisten.

Das Unternehmen, in das Mehrheitseigner Varsavsky und mehrere Banken (darunter Goldman Sachs, JP Morgan, Dresdner Kleinwort Benson) 600 Mill. DM investieren, beginnt jetzt, Kunden zu werben. Kinzius erwartet nicht, dass die mittelgroßen Unternehmen sofort ihre gesamte Software an Einsteinet ausgliedern. Dies werde nach und nach geschehen, wenn die Kunden sehen, dass der Service funktioniert und ausbaufähig ist.

Der Umsatz dieses Jahres von 100 Mill. DM kommt aus Beratertätigkeiten und dem Bau von Unternehmensnetzen der im April übernommenen Computer Partner AG, München. In drei Jahren, so Kinzius, werde Einsteinet vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebitda) den Break-even erreichen. Einen späteren Börsengang will Kinzius "nicht ausschließen". Zuvor will er aber Referenzen vorzeigen können. "Wir reden dann über reale Kunden, eine reale Infrastruktur und reale Investitionen", so Kinzius. Ziel ist die langfristige Kundenbindung mit Verträgen, die etwa über 36 Monate laufen. In der Anfangsphase will Einsteinet seine Services per monatlicher Pauschalbeträge abrechnen, später seien Rechnungen nach Volumen oder nach Verkehrsmenge im Netz vorstellbar.

Das Glasfasernetz besteht aus gemieteten Leitungen (dark fibre). Auf der letzten Meile arbeitet Einsteinet mit Stadtnetzbetreibern und Anbietern von DSL-Technik zusammen. Erheblich ausweiten will Kinzius nach und nach die Dienste (Applications). Vorstellbar seien auch UMTS-Dienste oder Anwendungen für Palm-Tops der Mitarbeiter in den Kundenunternehmen. Wenn das Geschäft in Deutschland läuft, will Kinzius es europaweit ausdehnen. Erstes Ziel seien die andren deutschsprachigen Länder und Nordeuropa.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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