Ehemaliger Mehrheitsgesellschafter Bertelsmann verzichtet auf sämtliche Forderungen
Pixelpark kämpft erbittert ums Überleben

Der einstige Star am Neuen Markt Pixelpark ist dem Aus knapp entronnen. Mit einer letzten Finanzspritze des früheren Mehrheitsgesellschafters Bertelsmann und geringeren Mietkosten hofft das auf rund 230 Mitarbeiter geschrumpfte Unternehmen weiter auf schwarze Zahlen.

va BERLIN. Der einstige Star am Neuen Markt kämpft erbittert ums Überleben: "Wir standen kurz vor dem Aus", sagte Paulus Neef, Vorstandschef des Berliner IT-Dienstleisters Pixelpark am Donnerstag. Aber mit dem am Freitag unterschriebenen Sanierungskonzept "haben wir in letzter Sekunde den Turnaround geschafft", verkündete der Gründer und mittlerweile einzige Vorstandschef des Unternehmens. Wie berichtet, hatte der Medienkonzern Bertelsmann Pixelpark eine Finanzspritze von 3,2 Mill. Euro zugesagt. Zudem haben die Gütersloher Neef zufolge auf sämtliche Forderungen verzichtet, die schwer auf der Bilanz lasteten. Auch konnte sich Pixelpark mit dem Vermieter der Berliner Büroräume, der HVB Immobilien AG, über die Senkung von teuren Mietkosten einigen.

Nach den neuesten Plänen will Pixelpark, die vor zwei Jahren noch 1 200 Mitarbeiter beschäftigten, zukünftig mit rund 230 "Pixels" zurück in die Gewinnzone finden. Wann das sein soll, dazu wollte sich Neef nicht äußern. Im August hatte die Multimedia-Agentur gemeldet, sie werde voraussichtlich vor 2003 keine schwarzen Zahlen schreiben.

Die Aussichten bleiben trübe. Im ersten Halbjahr 2002 erwirtschaftete Pixelpark einen Umsatz von 31,4 Mill. Euro bei einem Ebit von minus 12,3 Mill. Euro. Nach Worten des Finanzchefs Henning Rönneberg sei der Umsatz im dritten Quartal gesunken: Er läge um etwa 30 % unter den 12 Mill. Euro des zweiten Quartals.

Das einstige Flaggschiff der Multimedia-Branche erlebt schwere Zeiten, nachdem es sich mit einem riskanten Expansionskurs übernommen hatte. Heute konkurriert Pixelpark, die Unternehmen bei Internet-Auftritten berät und betreut, mit großen Werbeagenturen wie der BBDO einerseits und mit Softwareberatern wie Accenture, IBM oder T-Systems andererseits. Obendrein sind die Ansprüche größer geworden als in der Hype-Phase der Internet-Dienstleister: Die Kunden wünschen oft konkrete technische Lösungen, und zwar solche bei denen sie Strich Geld sparen. Der 42jährige Neef, der heute das das ZDF und die Barmer Ersatzkasse als Kunden bezeichnet, will künftig standardisierte Internet-Auftritte anbieten.

Zentraler Produktionsstandort sei künftig Köln mit 50 Mitarbeitern, der Standort Hamburg werde bis auf einen Vertriebsmann geschlossen. Damit bleiben Berlin als Firmensitz mit insgesamt 85 Mitarbeitern übrig, sowie die Schweiz und Österreich. Trotz der kleinen Mitarbeiterzahl will sich Pixelpark damit in Deutschland auf zwei Standorte aufteilen. Neef sagte aber, ein Teil der Berliner IT-Aktivitäten solle in einer Gesellschaft ausgegründet werden. "Wir führen auch über ein Management-Buy-Out Gespräche" .

Schon seit zwei Jahren doktort Pixelpark an Restrukturierungskonzepten herum, die bis vor kurzem zu 60,3 % der Bertelsmann AG gehörten. Vergeblich versuchte Bertelsmann, diesen Anteil zu verkaufen. Wie Neef sagte, waren "Altlasten" wie die Mietgarantien in Berlin ein Problem bei den Verkaufsgesprächen. Erst vor zwei Jahren waren dort 500 "Pixels" in fünf Etagen der so genannten Treptow-Towers eingezogen, damals das Wahrzeichen von aufstrebenden IT-Firmen.

Mit der Bertelsmann-Finanzspritze sei die Liquidität des Unternehmens "auf jeden Fall bis Ende 2003 gesichert". Der Gütersloher Medienkonzern, mit der Finanzspritze über 40 Mill. Euro in Pixelpark investiert haben dürfte, hat seinen Anteil an dem Unternehmen von 60,3 % auf 20 % reduziert. Für die übrigen 40 % soll Neef jetzt selbst nach einem Käufer suchen.

Quelle: Handelsblatt

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