Ehemaliger Putschoberst
Gutiérrez gewinnt Präsidentenwahl in Ecuador

Der linksnationalistische frühere Putschoberst Lucio Gutiérrez hat die Präsidentenwahl in Ecuador am Sonntag nach ersten offiziellen Angaben klar gewonnen. Für den 45-Jährigen hätten 58,22 % der Wähler gestimmt, teilte die zentrale Wahlkommission in der Hauptstadt Quito mit.

HB/dpa QUITO. Sein Rivale, der Bananen-Unternehmer und reichste Mann des Andenstaates, Alvaro Noboa kam nach diesen Angaben auf 41,78 %. Damit zeichnete sich bereits in dem vierten Land des krisengeschüttelten Südamerika eine linksgerichtete Regierung ab, die den neoliberalen Wirtschaftsreformen der vergangenen Jahre eine erhebliche Mitschuld an der zunehmenden Verarmung der Bevölkerung anlasten.

Ebenso wie der konservative Noboa stammt der frühere Militär Gutiérrez nicht aus dem traditionellen und als abgewirtschaftet geltenden Parteienapparat. Der frühere Oberst kam im Januar 2000 in die Politik, als er zusammen mit der Indio-Bewegung den damaligen gewählten Präsidenten Jamil Mahuad stürzte. Die Militärführung sorgte jedoch dafür, dass der Politiker Gustavo Noboa zum Interimspräsidenten ernannt wurde. Er ist nicht mit dem Kandidaten Noboa verwandt.

Gutiérrez, der am Wahltag eine olivgrüne Uniform trug, gab seine Stimme in einer Schule im Norden Quitos ab. Er werde die Präsidentenwahl gewinnen, sagte er zuversichtlich. Noboa wählte in seiner Heimatstadt Guayaquil, der größten Stadt des Landes. Er fühle sich Ecuador und Gott verpflichtet, sagte er bei der Stimmabgabe.

Auf den Wahlsieger kommt auf jeden Fall eine äußerst schwere Amtszeit zu, die im kommenden Januar mit der Amtsübernahme beginnt und bis 2007 dauert. Die beiden letzten gewählten Präsidenten wurden vor dem Ende ihrer Amtszeit gestürzt.

Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) sind mittlerweile fast 80 % der Bevölkerung unter die Armutsgrenze gerutscht. Die Einführung des $ als einziges Zahlungsmittel im Jahre 2000 hat die Produktionskosten des Landes verteuert.

Politologen in Quito warnten, dass die Wähler dem jeweiligen Sieger keine längere Schonzeit zugestehen würden. Wenn der neue Präsident nicht schnell Erfolge bei der Bekämpfung der Armut aufweisen und der Wirtschaft neuen Schwung geben könne, seien Unruhen und neue Putschversuche nicht auszuschließen.

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