Ehemals 75 000 DM als Brikett
Die D-Mark wird nun verheizt

Der Abschied von der D-Mark fällt schwer. War sie doch seit ihrer Einführung am 20. Juni 1948 nicht nur Zahlungsmittel, sondern auch Symbol für den Neuanfang - wirtschaftlich nach dem Zweiten Weltkrieg und für die Ostdeutschen nach dem Fall der Mauer vor mehr als zehn Jahren.

dpa FRANKFURT/M. Für die enge emotionale Bindung, die die Bundesbürger nach Ansicht von Bundesbankpräsident Ernst Welteke auch mangels anderer nationaler Symbole zu ihrem Geld entwickelten, fällt das Ende der D-Mark unspektakulär aus: als "Feuerbestattung".

Mit der Einführung des Euro-Bargelds haben vom 1. Januar 2002 an mehr als 2,6 Milliarden DM-Banknoten und 28,5 Milliarden DM-Münzen ausgedient. Das Finale der D-Mark ist lange vorbereitet worden. Schließlich soll das liebe Geld nicht schlicht entsorgt, sondern verwertet werden, sagt Bundesbankdirektor Ulrich Brüggemann. Einfach ist das beim Kleingeld. Die Münzen landen im Hochofen. Vor allem die Rohstoffe Kupfer und Nickel aus den 0,50 bis 5-Mark-Stücken lassen sich auf dem Weltmarkt zu einem guten Preis verkaufen.

Nach Verwertungsmöglichkeiten für die aus Baumwollfasern hergestellten, mit Sicherheitsstreifen aus Metall versehenen bunten Geldscheinen mussten die Bundesbanker länger suchen. Bisher landeten aussortierte Banknoten, die beschädigt, beschmiert oder einfach nur schmutzig waren, oft in winzige Streifen zerschnitten zwischen dem Hausmüll auf Deponien. Nun wurden Varianten von der Kompostierung bis zum Einsatz bei der Papierherstellung im Auftrag der Bundesbank in Bayern geprüft, aus ökologischen, technischen oder Kostengründen aber verworfen.

Damit steht fest: Das Gros der Scheine, deren Wert sich nach Schätzungen von Fachleuten auf 280 Milliarden DM beläuft, wird verheizt. "Das Geld wird aber nicht einfach durch den Schornstein gejagt. Es wird noch einen guten Zweck erfüllen", versichert Brüggemann. Die D-Mark soll, wenn sie in Flammen aufgehen, die Deutschen wenigstens wärmen. Schließlich entstehe beim Verbrennen ein Zusatznutzen durch die Energie- und Fernwärmeerzeugung, heißt es in der Untersuchung der bayerischen Landeszentralbank (LZB).

Die Banker in München setzen bei der "energetischen Verwertung" der Geldschnipsel vor allem auf die Zementindustrie. Die Scheine, deren Brennwert dem von Kohle nicht nachstehen soll, werden unter anderem Öl als Heizmaterial ersetzen. "Kapazitäten im Zementwerk Rohrdorf bei Rosenheim wurden bereits reserviert", sagt LZB-Sprecher Anton Hörhager. Fast exotisch sind dagegen Verwertungsideen der LZB Sachsen und Thüringen. In Leipzig wird über einen Einsatz des ausrangierten Papiergelds bei der Herstellung von einfachem Alkohol (Methanol) in der Chemieindustrie nachgedacht. "Eine Entscheidung fällt aber erst Ende Juli", sagt ein LZB-Sprecher. In anderen Bundesländern soll der Geldmüll in begrenztem Maße beispielsweise bei der Produktion von Dämmstoffen Verwendung finden.

Bis zum großen Finale ist jedoch noch einiges zu erledigen. Bevor bundesweit die Geldschredder angeworfen werden, müssen 2800 Tonnen Banknoten auf Echtheit geprüft und akribisch gezählt werden. "Wir lassen uns kein Falschgeld unterjubeln", heißt es bei der Bundesbank und ihren Länderdependancen. Erst nach der aufwendigen Prozedur wird jeder Schein in exakt 800 Teile zerschnitten.

D-Mark-Nostalgiker können die Reste im Frankfurter Geldmuseum als Erinnerung kaufen. Ehemals 75 000 DM sind dort in Brikettform gepresst für gerade mal 5 DM (2,56 Euro) zu haben.

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