Ehemals jüngster US-Verteidigungsminister kehrt zurück in Pentagon
Donald Rumsfeld wird nach 25 Jahren erneut US-Verteidigungsminister

ap WASHINGTON. Ein Vierteljahrhundert nach seiner letzten Amtszeit kehrt der ehemals jüngste US-Verteidigungsminister an seinen Schreibtisch im Pentagon zurück. Überraschend gab der künftige US-Präsident George W. Bush die Ernennung des Republikaners Donald Rumsfeld für das Amt bekannt. Militärexperten reagierten einstimmig positiv auf die Nominierung des 68-Jährigen, der den Ministerposten bereits kurz nach Ende des Vietnamkriegs vor 25 Jahren inne hatte.

"Mit Don Rumsfeld hat der designierte Präsident einen Mann mit großer Erfahrung und Begabung nominiert, der seinem Land viele Jahre lang in ausgezeichneter Weise gedient hat", sagte der frühere Senator von Indiana, Dan Coats, der zunächst als Favorit für das Amt galt. Auch der frühere Verteidigungsminister Frank Carlucci lobte Bushs Wahl. "Talent ist Talent, und dieser Mann (Rumsfeld) hat es", sagte er nach der Ernennung am Donnerstag.

Rumsfelds militärische Karriere begann 1954, als er nach dem Ende seines Studiums an der Princeton University in die Kriegsmarine eintrat. Acht Jahre später saß der Republikaner im Alter von 30 Jahren erstmals im Kongress. 1969 legte er sein Mandat nieder, um in der Regierung von Präsident Richard Nixon mitzuarbeiten. Bei seinem Amtsantritt als Verteidigungsminister 1975 stand er unter Präsident Gerald Ford als bis dato Jüngster an der Spitze des Pentagons. Der damalige Außenminister Henry Kissinger lobte ihn als hervorragenden und anpassungsfähigen Strategen.

Klarer Befürworter des Raketenabwehrsystems

Außerdem fungierte er in der Regierung Ford als Stabschef, und Ronald Reagan nutzte seine Dienste als Nahost-Gesandter. Während der Amtszeit von George Bush senior war Rumsfeld Mitglied der Nationalen Wirtschaftskommission. Seit 1985 ist der Vater dreier Kinder Vorstandsvorsitzender des Biotech-Konzerns Gilead Sciences Inc. Zuvor arbeitete er unter anderem für die Firma G.D. Searle.

Politisch war Rumsfeld zuletzt vor zwei Jahren als Leiter einer Kommission zur Prüfung eines nationalen Abwehrsystems gegen Atomraketen (NMD) in Erscheinung getreten. Die Kommission kam 1998 in ihrem Bericht zu dem Ergebnis, dass die Bedrohung für die USA durch Länder wie Nordkorea, Iran und Irak unterschätzt worden sei. Er gilt als klarer Befürworter des Abwehrsystems, das von Russland und einem Großteil Westeuropas abgelehnt wird.

Rumsfeld werde für George W. Bush im Hinblick auf NMD ein verlässlicher Partner sein, vermutete der Politwissenschaftler Jonathan Clarke vom Washingtoner Cato Institute: "Er wird die Weisungen des Kabinetts ausführen." Dabei droht dem künftigen Verteidigungsminister nach Einschätzung der Fachleute allenfalls eine Gefahr: Der alte politische Haudegen könnte in der an Militärexperten reichen Bush-Regierung untergehen. Dem Kabinett gehören unter anderem der frühere Generalstabschef Colin Powell als Außenminister und der ehemalige Verteidigungsminister Dick Cheney als Vizepräsident an. "Wie viel Gewicht wird Rumsfeld in der Pentagon-Politik haben?", fragte Daniel Smith vom Zentrum für Verteidigungsinformation in Washington.

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