Ehepaar soll 70 Millionen Euro zahlen
Schmid hält noch 32 Prozent an Mobilcom

Mobilcom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid hat erstmals bestätigt, sein Aktienpaket an dem Mobilfunkanbieter reduziert zu haben. Bei den Verhandlungen über eine Treuhänderschaft für seine Anteile zeichnete sich weiterhin keine Bewegung ab.

rtr/dpa HAMBURG. Schmid habe nach seiner Entlassung als Vorstandschef im vergangenen Juni über die Börse Anteile verkauft und halte aktuell noch rund 32 Prozent an Mobilcom, sagte eine Sprecherin Schmids der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Damit dürfte sich Schmid von fast acht Prozent getrennt haben, denn nach letzten offiziellen Angaben vom April hatte er 39,7 Prozent an Mobilcom gehalten.

Wichtiger als die Höhe der Anteile ist die Finanzlage der Eheleute Schmid, über die öffentlich spekuliert wird. Ein Großteil der Aktien soll als Sicherheit bei Banken verpfändet sein. Schmid selbst hatte eingeräumt, dass er Aktien verpfändet hat, die Stückzahl jedoch offen gelassen. Die Bundesregierung und France Télécom fordern von den Schmids einen Betrag von mehr als 70 Millionen Euro zurück, die im Zuge eines umstrittenen Aktien-Optionsgeschäfts von Mobilcom zu Millennium geflossen sind. Dazu ist Schmid bislang nicht bereit.

Als in der vergangenen Woche Medien erstmals über eine angebliche Reduzierung von Schmids Mobilcom-Anteilen berichtet hatten, hatte der Großaktionär dies noch als "Blödsinn" zurückgewiesen, weil ihm dabei unterstellt wurde, er habe Anteile verkauft, um den Treuhändervertrag zu unterlaufen. Inzwischen wird in Finanzkreisen vermutet, dass Schmid aus akutem Geldbedarf Anteile verkauft hat, weil er Anwälte und Berater bezahlen muss. Die Schmid-Sprecherin sagte, sie erwarte durch den Anteilsverkauf keine negativen Auswirkungen auf die Verhandlungen mit der Bundesregierung. Der verringerte Anteilsbestand sei bereits Grundlage der Verhandlungen gewesen.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) erklärte hierzu, es gebe keinen Ansatz für weitergehende Untersuchungen in Sachen Mobilcom. Die Behörde hatte kürzlich wegen Verdachts auf illegalen Insiderhandel mit Mobilcom-Aktien und wegen Verdachts auf Kursmanipulation förmliche Ermittlungen aufgenommen. Ein Anteilsverkauf von Schmid in der genannten Größenordnung habe keine meldepflichtigen Schwellen berührt, hieß es. Eine Meldepflicht nach den seit 1. Juli geltenden allgemeinen Directors-Dealings-Bestimmungen hatte damals noch nicht bestanden.

Schmid dürfte zusammen mit seiner Ehefrau nun noch rund 40 Prozent an Mobilcom halten. Vor den Aktienverkäufen hatten die Eheleute Schmid zusammen knapp 50 Prozent an Mobilcom besessen. Weitere 28,5 Prozent liegen bei dem französischen Telefonkonzern France Telecom, mit dem sich Schmid in seiner Amtszeit als Unternehmenschef über den Kurs beim Ausbau des UMTS-Mobilfunks überworfen hatte und der jetzt vor einer weitgehenden Entschuldung von Mobilcom Schmids Rückzug aus dem Unternehmen verlangt.

Die Kieler Staatsanwaltschaft bestätigte derweil Untersuchungen im Zusammenhang mit dem drohenden Zusammenbruch des Mobilfunkanbieters. Oberstaatsanwalt Uwe Wick sagte, man habe den Anfangsverdacht einer Straftat und ermittle in alle Richtungen. Um welche Straftat es sich dabei handelt, wollte Wick nicht sagen. Medienberichten zufolge soll es sich um den Anfangsverdacht einer Konkursverschleppung bei Mobilcom handeln.

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