Ehepaar wurde vor sieben Jahren ermordet
Bin Laden möglicherweise in Mord an Deutschen in Libyen verwickelt

Französische Geheimdienst-Experten gehen davon aus, dass der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden in die Ermordung eines deutschen Agenten-Ehepaares in Libyen verwickelt war. Das geht aus dem Buch "La vérité interdite" ("Die verbotene Wahrheit") hervor, das am Mittwoch in Frankreich veröffentlicht wird.

PARIS/KÖLN. Die beiden Autoren Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié berichten darin, dass auf Antrag Libyens bereits im April 1998 von Interpol ein internationaler Haftbefehl gegen Osama bin Laden ausgestellt wurde. Die libysche Justiz sah demnach in bin Laden den Drahtzieher des Mordanschlags auf den Deutschen Silvan Becker und dessen Frau am 10. März 1994 in Libyen. Beide seien für das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) tätig und mit Anti-Terror-Missionen in Nordafrika beauftragt gewesen.

Ein Sprecher des BfV in Köln bestätigte auf Anfrage, dass das Ehepaar für den Verfassungsschutz tätig war. Allerdings seien sie "gegen die Vorgabe des Amtes" zu einer privaten Urlaubsreise nach Libyen gereist und dort "nach den vorliegenden Informationen" einem Raubmord zum Opfer gefallen. "Niemals wurden die Namen ihrer Mörder enthüllt", heißt es in dem Buch von Brisard und Dasquié. "Und das, obwohl seit April 1998 Interpol und alle westlichen Justizbehörden wussten, dass Osama Bin Laden verantwortlich war, und sie theoretisch alles in Bewegung setzen mussten, um ihn zu verhaften." Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass die USA zu diesem Zeitpunkt nicht offen nach bin Laden fahndeten, obwohl er als Hauptverdächtiger des Anschlags auf die US-Militärbasis 1996 im saudiarabischen Dharan galt.

Als Erklärung für das Zögern des Westens wird die Rolle des britischen Geheimdienstes angeführt. Der MI6 habe bis 1996 eng mit den wichtigsten Verbündeten bin Ladens in Libyen zusammengearbeitet. Diese agierten gegen den libyschen Staatschef Muammar el Ghaddafi, der von den USA lange Zeit als "Staatsfeind Nummer eins" angesehen wurde. So sei es zu erklären, dass die Interpol-Dokumente "lange Zeit in Archiven blieben, zu denen keiner Zugang hatte".

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