Eichel deutet weitere Prognosekorrektur an
Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator sinkt

Die Hoffnungen auf eine rasche Erholung der Konjunktur haben sich vorerst zerschlagen. Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator hat im Juni seine seit neun Monaten anhaltende Talfahrt beschleunigt fortgesetzt.

bbl/uhl/wmu/HB DÜSSELDORF. Er liegt nun um 1,6 Prozentpunkte unter seinem Höchststand im August 2000. Ähnlich hat sich im ersten Quartal der Klimaindikator des Münchener Ifo-Instituts für die Weltwirtschaft entwickelt. Der Index sank von Januar bis April von 94,0 auf 87,7 Punkte (1995: 100). Er ging damit zum vierten Mal in Folge zurück.

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Gleichzeitig wurde aus Kreisen der Bundesregierung bekannt, dass Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) eine nochmalige Korrektur seiner Wachstumsprognose nach unten nicht mehr ausschließt. Bislang liegen Eichels Erwartungen für das laufende Jahr bei 2,1 %. In den kommenden Wochen werden die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre neuen Prognosen vorlegen. Auch sie dürften ihre Prognosen für die Euro-Zone und die Weltwirtschaft nach unten korrigieren.

Inflationsschub in Deutschland und Frankreich

Angesichts der gestern veröffentlichten Inflationszahlen droht die Europäische Zentralbank mehr und mehr in die Zwickmühle zwischen nachlassender Konjunktur und zunehmenden Inflationsgefahren zu geraten. Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich, die zusammen über die Hälfte der Wirtschaftskraft der Euro-Zone ausmachen, kam es im Mai zu einem weiteren Inflationsschub.

Der Handelsblatt-Indikator, der die Wirtschaftsentwicklung in der Euro-Zone etwa ein Quartal im Voraus abbildet, fiel im Juni von 2,5 % auf 2,2 %. Für den weiteren Jahresverlauf lässt der Indikator eine weitere Wachstumsverlangsamung auf 2,9 % im zweiten und auf 2,5 % im dritten Quartal erwarten. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, ist im Gesamtjahr mit einer Wachstumsrate von weniger als 2,5 % zu rechnen. Bislang lässt sich aber aus der Indikatorentwicklung keine Wachstumsrate von unter 2 % ablesen, die von einigen Bankvolkswirten prognostiziert wird.

Schlechte deutsche Exportzahlen

Die schwache Weltkonjunktur schlägt sich auch weiter in schlechten deutschen Exportzahlen nieder. Der Wert der deutschen Ausfuhren ging von 109,4 Mrd. DM im März auf 103,3 Mrd. DM im April zurück. Dies ist die dritte Abnahme in Folge. Im Vergleich zum Vorjahr zeigten sich die Exporte indes robust: Sie lagen um 16,7 % höher als im April 2000.

In den beiden größten Ländern der Euro-Zone ist die Inflation unterdessen weiter auf dem Vormarsch. Höhere Preise für Sprit, Energie und Lebensmittel haben die Teuerungsrate in Deutschland auf 3,5 % und damit auf den höchsten Stand seit über sieben Jahren klettern lassen. In Frankreich stieg der Preisindex (nach europäischer Berechnung) um 2,5 %. Dies war die höchste Rate seit Juli 1996.

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