Eifelturm-Lizenzen
Mehr Wettbewerb über den Wolken

Kate aus Los Angeles ruft begeistert: "So lovely and so delicious". Claude aus Marseille sieht das anders. "Die Küche ist wirklich nicht grandios", ärgert sich der Franzose, "die glauben wohl, dass sie sich auf ihrer großartigen Aussicht ausruhen können."

PARIS. Kate und Claude haben gerade in schwindelerregenden Höhen gespeist - auf dem Eiffelturm. Beide dürfen ab Januar kommenden Jahr auf neue kulinarische Erlebnisse hoffen. Denn die "eiserne Dame", wie die Pariser das architektonische Aushängeschild ihrer Stadt liebevoll nennen, wechselt womöglich bald den Restaurant-Betreiber.

Der Wettbewerb hält Einzug im meistbesuchten Bauwerk der Welt - und zwar auf allen Etagen. Erstmals können sich interessierte Gastronomen in einer freien Ausschreibung bewerben um die begehrte Lizenz für die fünf Restaurants im Eiffelturm: Die Selbstbedienungsgaststätten und Brasserien im Erdgeschoss (Hotdog plus Kaltgetränk: sieben Euro), das Mittelklasse-Restaurant "Altitude 95" in der ersten Etage (Zweigänge-Menu: ab 22,50 Euro) und das vom Guide Michelin mit einem Stern dekorierte Luxuslokal "Jules Vernes" im zweiten Stock (Menu à la carte: 95 bis 120 Euro).

Mehr Konkurrenz gibt es auch auf der Spitze des 324 Meter hohen Gebäudes: Erstmals in der Geschichte des Eiffelturms wird per Ausschreibung ein Betreiber gesucht für die Antennen, die Fernseh- und Radioprogramme für zehn Millionen Franzosen ausstrahlen. Der bisherige Lizenzinhaber Télédiffusion de France (TDF) könnte seinen Vertrag verlieren an Mitbewerber Towercast, Tochtergesellschaft des Medienunternehmens NRJ 12.

Während die Kandidaten für die Antennen-Lizenz offiziell bekannt sind, schweigt sich die Société d?Exploitation de la Tour Eiffel, über die Namen der interessierten Gastronomen aus. In der französischen Hauptstadt ist es aber ein offenes Geheimnis, dass die großen Caterer Schlange stehen. Das ist kein Wunder, denn der luftige Standort garantiert gute Geschäfte: Rund 6,5 Millionen Besucher klettern oder fahren dieses Jahr auf das Eisenkonstruktion des französischen Ingenieurs Gustave Eiffel. Nächstes Jahr sollen es schon sieben Millionen sein.

Das ist es nur logisch, dass der bisherige Betreiber, die französische Restaurantkette Elior, seinen Vertrag unbedingt verteidigen will. Elior ist einer der ganz Großen im Pariser Tourismus-Geschäft. Das Unternehmen betreibt Restaurants und Cafés in der Tour Montparnasse, im Louvre, im Musée d?Orsay und auch im neuen Museum der primitiven Künste am Quai Branly.

Gegen Elior tritt die Catering-Gesellschaft Sodhexo an - und holte sich dafür angeblich prominente Unterstützung. Alain Ducasse, derzeit wohl der erfolgreichste Starkoch Frankreichs, fühlt sich mit seinen Drei-Sterne-Restaurants in Paris und an der Cote d?Azur offenbar nicht mehr ausgelastet und sucht neue Betätigungsfelder. Ducasse sei an dem Standort hoch über den Dächern von Paris interessiert, kolportiert die französische Presse, was der Gastronom selber weder bestätigt noch dementiert. Als dritter Bieter für die Restaurants im Turm wird neben Elior und Sodhexo der Hotelkonzern Accor genannt.

Gute Beziehungen zum Pariser Bürgermeister - früher ein entscheidender Vorteil bei der Vergabe von Aufträgen in der französischen Hauptstadt - bedeuten beim Kampf um die Restaurantlizenzen jetzt wohl nicht mehr viel. Heute geht es schlicht um Geld, denn das fehlt der Eigentümerin des Eiffeltums: Die Stadt Paris, einst eine der wohlhabendsten Kommunen der Welt, steckt in beträchtlichen Finanznöten. Einerseits verliert die französische Metropole seit Jahren Einwohner und damit Steuereinnahmen an die Vorstädte in der Umgebung. Andererseits ist der ebenfalls klamme Zentralstaat heute weniger als früher bereit, die Kulturstätten in der Hauptstadt zu fördern. "Es ist ganz normal", sagt Tourismus-Experte Didier Arino, "dass das Rathaus die Lizenzgebühr im Eiffelturm deutlich erhöht."

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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