Eigene Investoren wurden bislang vernachlässigt
Euronext geht aus Krisenjahr gestärkt hervor

Die paneuropäische Börse Euronext will nach 18 Monaten Expansion nun den Blick nach innen richten. 2002 und 2003 würden Jahre der Konsolidierung, in denen die Realisierung der Synergien im Vordergrund stehe, kündigte Vorstandschef Jean-François Théodore bei der Bilanzvorlage an. "Wir werden aus unseren Investitionen richtig Geld herausholen", sagte er.

PARIS. Die Voraussetzungen hierzu hat Euronext nach Meinung von Analysten durch die Bewältigung des Krisenjahres 2001 schon geschaffen. Aus Erlösen von 698 (Vorjahr: 692) Mill. Euro erwirtschaftete die Börse 118 (161) Mill. Euro betriebliche Erträge. Die Differenz kommt vor allem durch stark gestiegene Ausgaben für Datentechnik zu Stande. Unter dem Strich verbleibt ein Jahresüberschuss von 127 Mill. Euro - ebenso viel wie pro forma für das Rumpfgeschäftsjahr 2000.

Für 2001 rechnet Théodore mit mehr Neuemissionen im Zuge eines wirtschaftlichen Aufschwungs, vor allem nach den Wahlen in Frankreich. Bei den Derivaten rechnet Euronext mit einer leichten Belebung des Geschäfts. Schon vor der Integration des alten Euronext-Derivatehandels in die Liffe-Plattform Anfang 2003 soll sich dessen Rohertrag verdreifachen. Die von Euronext auf bis zu 25 Mill. Euro bezifferten Synergien mit der Liffe hält Schroder Salomon Smith Barney für enttäuschend. Doch gehen die britischen Analysten davon aus, dass die Schätzung konservativ ist und sich zusätzlich hohe, aber schwer quantifizierbare Vorteile für Euronext ergeben.

Die Verbesserung des Ertragsniveaus scheint dringend geboten. Denn im Kursvergleich schneidet die Euronext-Aktie bisher schlecht ab. Die Erstemission stand unter einem schlechten Stern. Bis September verlor die Aktie kräftig an Wert. Erst der Zukauf in London beflügelte den Kurs wieder. Insgesamt jedoch hinkt die Euronext-Aktie dem Papier des Frankfurter Konkurrenten hinterher.

Das muss nicht so bleiben, meint etwa ein Analystenteam bei JP Morgan, das unlängst mit einer Kaufempfehlung die Beobachtung der Aktie aufgenommen hat. Eine Belebung des Aktienhandels könne schnell auf die Euronext-Gewinne durchschlagen. Die Bank glaubt an eine "kreuzweise Befruchtung" der einzelnen Sparten Kassageschäft, Derivate und Abwicklung.

Durch ihre jüngsten Verbindungen zu anderen Börsen hat Euronext geradezu einen Ring um den Wettbewerber aus Frankfurt gelegt, wie ein Analyst am Rande der Bilanzvorlage äußerte. Mit dem Zukauf der Liffe ist Euronext jetzt größter Aktienoptionplatz in Europa. Das Abkommen mit der Börse Warschau erschließt Euronext Osteuropa. Die polnische Börse ist den Handelsplätzen der anderen Reformländern voraus. Weitere Pakte im Osten stehen laut Théodore nicht an: "Warschau ist der Partner unser Wahl."

Das gilt einstweilen wohl auch für die iberische Halbinsel, wo sich die portugiesische Börse Euronext angeschlossen hat. Gerüchte über Gespräche mit Madrid kommentierte Théodore in der Sache nicht. Doch hat er dort einen Fuß in der Tür. Denn vor einem Jahr haben die panischen und portugiesischen Börsen sich gegenseitig ihren Derivatehandel geöffnet. Wird der portugiesische Derivatehandel in absehbarer Zeit auf die Euronext-Plattform der Liffe gehoben, können die Spanier für eine Fortsetzung der Kooperation optieren.

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