Eigene Marken: Asiens neue Giganten drängen auf den Weltmarkt

Eigene Marken
Asiens neue Giganten drängen auf den Weltmarkt

Noch sind nur wenige Konzerne oder Marken bekannt - doch die neuen Giganten aus China und Indien drängt es mit Macht hinaus in die Welt. Der chinesische Computerhersteller Lenovo und der indische IT-Konzern Infosys sind die Speerspitze eines Trends, der die Märkte weltweit aufwirbeln wird.

HB PEKING/NEU DELHI. Die aufstrebenden Unternehmen in China legen ihr Zulieferer-Image ab und stellen eigene Marken ins Rampenlicht. Allen voran Lenovo: Der Computerhersteller erschütterte die Firmenwelt 2004 mit der Übernahme der PC-Sparte von IBM. Ein unbekanntes Unternehmen schluckte eine amerikanische Industrie-Ikone und stieg aus dem Stand zum Branchendritten auf. Klaus Zimmer, China-Chef des deutschen Software-Unternehmens SAP, nannte den Kauf einen genialen Schachzug: "Damit ist Lenovo von einem reinen China-Unternehmen über Nacht zu einem Global Player geworden." Lenovo macht einen Umsatz von knapp drei Mrd. Dollar und hat rund 11 500 Beschäftigte. Gestern nannte Lenovo die Zahlen für das abgelaufene Quartal: Getrieben von der IBM-Übernahme stieg der Reingewinn um 12 Prozent auf 38,4 Mill. Euro. Der Umsatz vervierfachte sich.

Ein anderes Beispiel ist der TCL-Konzern, der das deutsche Unternehmen Schneider und dann die französische Thomson-Gruppe kaufte. Heute ist TCL der größte Fernsehhersteller der Welt. Der chinesische Ölkonzern CNOOC scheiterte am Ende mit dem Kauf der US-Ölgesellschaft Unocal wie auch die Haushaltsgerätegruppe Haier bei der Übernahme von Maytag (Marke Hoover). Doch beide Gebote zeigen: Chinas Unternehmen schielen über die Grenzen. Die Konzerne bräuchten Zugang zu neuen Absatzmärkten, erklärt der Unternehmensberater Song Xinyu den Trend. "Vor allem geht es um Technologie, um neue Vertriebswege und um die Etablierung des Markennamens." Dabei haben die chinesischen Eroberer gegenüber indischen Konkurrenten einen Vorteil. Ob Lenovo, Haier oder Saic - sie wurden von der Regierung in Peking zu "nationalen Champions" gekürt, die bis 2010 "international wettbewerbsfähig" sein sollen. Auch das gehört zu Chinas Erfolg: Neben Marktwirtschaft zählt der politische Wille.

Darauf müssen indische Konzerne verzichten, aber das kann ein Vorteil sein: Ihre Entwicklung ist rein marktgetrieben. Auch Indien weist immer mehr Unternehmen von internationaler Bedeutung vor. Vorreiter sind IT-Firmen. Für westliche Kunden entwickeln sie Software, warten IT-Systeme oder wickeln Geschäftsprozesse wie Buchhaltung ab. Zum Beispiel Infosys: "Die IT-Branche ist durch Offshoring in einen fundamentalen Umbruch geraten," sagt CEO Nandan Nilekani, "daraus erwachsen neue Marktführer, und wir wollen dazuzählen." Anders als IBM oder Accenture hat Infosys Offshoring von Anfang an ins Zentrum des globalen Produktangebots gestellt. Das verhilft ihr zu einem atemberaubenden Wachstum. 1999 belief sich der Umsatz auf 129 Mill. Dollar. In diesem Finanzjahr werden zwei Mrd. Dollar locker übertroffen. Von der Nettogewinnmarge - 26 Prozent - können andere nur träumen.

Auf dem Weg zu globaler Größe bauen die Konzerne Büros im Ausland auf, eröffnen Outsourcing-Zentren in aller Welt und kaufen westliche Firmen. Ein Coup gelang der IT-Schmiede TCS im Oktober mit der Übernahme der Backoffice-Funktionen des britischen Fondshauses Pearl Group für 836 Mill. Dollar. CEO S. Ramadorai prophezeit: "Bald werden viel mehr Europäer für indische IT-Konzerne arbeiten, weil ihre Bereiche an diese ausgelagert werden."

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