Eigene Münzprägung für Zwergstaaten
Der Euro: Eine Frage des Glaubens?

Die Euro-Einführung trifft auch vier europäische Zwergstaaten außerhalb der eigentlichen Währungsunion: den Vatikan, Monaco, San Marino und Andorra. Zu den kniffligen Problemen, die vor der Umstellung noch gelöst werden müssen, zählt die Frage, ob auf Euro-Münzen der Papst zu sehen sein soll.

afp ROM/PARIS. Im Vatikan gilt noch immer der 1929 zwischen Papst Pius XI. und dem faschistischen Staatschef Benito Mussolini geschlossene Lateran-Vertrag, mit dem die italienische Lira zum einzigen Zahlungsmittel des Kirchenstaates wurde. Zugleich erhielt der kleinste Staat der Welt in Rom aber die Möglichkeit, eigene Lira-Münzen, die so genannten Vatikan-Lira, herzustellen. Das Privileg wird in die Euro-Ära gerettet: Schon im Dezember 1998 erteilte die Europäische Union dem Vatikan das grundsätzliche Recht, nach der Währungsumstellung eigene Münzen prägen zu lassen.

Ungewissheit herrscht noch über die Gestaltung der vatikanischen Euro-Münzen. Soll ihnen das Antlitz von Papst Johannes Paul II. eingeprägt sein? Diese Vorstellung des Kirchenstaates und der italienischen Regierung rief in einigen EU-Staaten Entrüstung hervor, vor allem bei den protestantischen Skandinaviern. Der Streit ist noch nicht entschieden. Ein Vatikan-Sprecher teilte mit, dass entweder der Petersdom oder tatsächlich der Papst auf den Vatikan-Münzen zu sehen sein werde. Die Gesamtmenge der Vatikan-Münzen wurde auf begrenzt. Allerdings gibt es eine Ausnahmeregelung: Stirbt ein Papst, können weitere 210 000 Vatikan-Euro geprägt werden - wegen der in einem solchen Fall vermuteten starken Nachfrage der Sammler.

Der Zwergstaat San Marino in Mittelitalien, die älteste Republik der Welt, büßt mit der Einführung des Euro ein altes Hoheitsrecht ein. Seit sieben Jahrhunderten hat San Marino eigenes Geld, noch heute sind neben italienischen Lira Geldscheine und Münzen in der San-Marino-Währung "Libertas" in Umlauf. Anfang 2002 verlieren die Libertas ihre Gültigkeit und werden gegen Euro eingetauscht. Der Zwergstaat nahe der Adria-Küste mit seinen knapp 5000 Einwohnern hat das Recht, Münzen im Wert von zwei Mill. Euroin Umlauf zu bringen.

Das Fürstentum Andorra ist ein eigenartiger Fall: In dem Kleinstaat in den Pyrenäen, an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien, hat es nie eine eigene Währung gegeben. Den 63 000 Einwohnern werden mit der Einführung des Euro ihre bisherigen Zahlungsmittel sozusagen ungefragt aus der Hand genommen. Denn in Andorra kann sich bislang jeder aussuchen, ob er mit spanischen Peseten oder französischen Franc zahlt. Eindeutig geregelt ist die Währungsumstellung nicht: Das Fürstentum hat keinen Vertrag mit der Europäischen Zentralbank (EZB) abgeschlossen. Das wäre für die Währungshüter allerdings wünschenswert, um Falschmünzern und Schmugglern die Arbeit zu erschweren.

Auch in Monaco an der Côte d'Azur wird der Euro zum Jahreswechsel eingeführt. Es gab gar keine andere Wahl - der französische Franc ist in Monaco seit 1925 einziges Zahlungsmittel. Das Fürstentum der Grimaldi-Familie hat das Recht, 15 Mill. eigene Euro-Münzen zu prägen. Sie sollen das Konterfei des 78-jährigen Fürsten Rainier III. tragen. Noch steht allerdings das abschließende rechtliche Siegel aus, das durch ein Abkommen zwischen der EU und Monaco herbeigeführt werden soll. Die Zeit drängt: Im Oktober soll die Prägung der Monaco-Euro im südwestfranzösischen Pessac anlaufen, wo auch Frankreichs Euro-Münzen hergestellt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%