Eigener Pay-TV-Kanal angedacht
Bundesliga droht Halbierung des TV-Geldes

Die akuten Liquiditätsprobleme vieler Proficlubs wegen der ausbleibenden Fernsehgelder haben die Deutsche Fußball-Liga (DFL) alarmiert. Die DFL-Spitze sucht seit Wochenanfang in Gesprächen mit der insolventen KirchMedia nach Lösungen.

dpa HANNOVER. Das Unternehmen hat die fehlenden 79 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer für die laufende Saison nicht gezahlt und ist damit erstmals den vertraglichen Pflichten nicht nachgekommen. Für die Zukunft droht die Halbierung des vereinbarten TV-Honorars. "Es wird an mehreren Modellen gearbeitet", sagte DFL - Geschäftsführer Wilfried Straub. Zumindest einen Teilerfolg verbuchte der Dachverband. Die nach Boykott-Androhung zugesagte Extrazahlung von 24 Millionen Euro für die Spieltage 33 und 34 ist bei der DFL eingegangen. Die ausführliche TV-Berichterstattung über das Saisonfinale am Samstag ist damit gesichert.

Trotz des offensichtlichen Vertragsbruches hält die DFL vorläufig am bisherigen TV-Partner fest. Allerdings ging Straub auf Distanz zum zahlungsunfähigen Medienunternehmen: "Es gibt unterschiedliche Auffassungen über die Bewertung der zurückbehaltenen Beträge." Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" hat Kirch Media der DFL 80 Millionen Euro als Anzahlung für die nächste Saison angeboten. Außerdem sollen neue Konditionen für den bis 2004 laufenden Vertrag ausgehandelt werden. "Wir wollen das nicht kommentieren", sagte DFL - Sprecher Tom Bender.

Der Dachverband will am (morgigen) Freitag auf dem DFB-Bundestag die 36 Proficlubs über den Stand der Dinge informieren. Für den 17./18. Mai ist eine Extra-Tagung zum TV-Thema angesetzt. Aus den Reihen der Vereine wächst der Druck auf DFL-Chef Werner Hackmann, den Vertrag mit Kirch Media zu kündigen und die TV-Rechte selbst zu vermarkten. Die vereinbarten Beträge von 360 Millionen Euro für die Spielzeit 2002/03 sowie 460 Millionen Euro für die Saison 2003/04 kann KirchMedia nach dem derzeitigen Stand nicht zahlen.

Als Alternative existieren inzwischen zahlreiche Denkmodelle. So schlägt Gerd Niebaum, Präsident von Borussia Dortmund, einen eigenen Pay-TV-Kanal für die Bundesliga vor. Die Idee ist nicht neu, kann aber kaum in wenigen Monaten umgesetzt werden. In TV-Kreisen wird vielmehr darüber spekuliert, dass die Bundesliga-Rechte bereits nächste Saison an mehrere TV-Sender und Unternehmen aufgesplittet werden.

Die Erstsenderechte im Free-TV würden danach bei ARD oder SAT.1 für die Zusammenfassungen landen. Erste Kontakte zwischen dem ARD - Vorsitzenden Fritz Pleitgen und der DFL hat es bereits gegeben. Durch die Ausstrahlung eines Live-Spiels pro Woche in einem frei empfangbaren Sender könnte zusätzliches Geld eingenommen werden. Dafür bietet sich RTL an. Das ZDF würde wie bisher die Zweitrechte für das Sportstudio am Samstag kaufen. Außerdem könnte die DFL die Bundesliga noch an das Pay-TV (Premiere) und an ausländische Sender verkaufen. Als weitere Einnahmequelle kämen die Internet- und UMTS-Rechte in Frage. Erster Anwärter für die UMTS-Rechte scheint die Telekom zu sein. Das Unternehmen hat Milliarden in die neue Technik investiert und benötigt Inhalt.

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