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Eigener Sohn war Mörder der Taxifahrerin

Bei der Beerdigung der ermordeten Taxifahrerin kam die Polizei auf die richtige Spur: Der eigene, 20 Jahre alte Sohn habe die Frau im niedersächsischen Quakenbrück mit einem Küchenmesser erstochen, sagte Staatsanwalt Alexander Retemeyer am Freitag in Bersenbrück.

dpa BERSENBRÜCK. Bei der Beerdigung der ermordeten Taxifahrerin kam die Polizei auf die richtige Spur: Der eigene, 20 Jahre alte Sohn habe die Frau im niedersächsischen Quakenbrück mit einem Küchenmesser erstochen, sagte Staatsanwalt Alexander Retemeyer am Freitag in Bersenbrück.

Bei der Trauerfeier am Vortag sei die Ähnlichkeit des Mannes mit dem Phantombild des letzten Fahrgasts der Frau aufgefallen. "Unter dem Eindruck der Beerdigung hat er die Tat eingeräumt", sagte der Leiter der Mordkommission, Thomas Schnorfeil. Noch am Freitag sollte der 20-Jährige dem Haftrichter vorgeführt werden.

"Der Fall hat sich für uns sehr spektakulär entwickelt: Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, dass es sich um eine Beziehungstat handeln könnte", sagte Retemeyer. Doch noch während die "frappante Ähnlichkeit" des 20-Jährigen mit der Phantomzeichnung für Erstaunen sorgte - der Mann hatte sich die Haare abrasiert und sein Aussehen so unwissentlich dem Phantombild angenähert - bekam die Mordkommission Hinweise auf Verdächtiges in seiner Wohnung, sagte Schnorfeil. Um 17.25 Uhr am Donnerstag nahmen die Beamten ihn fest. In der Nacht zum Freitag hätten die Ermittler den 20-Jährigen fünf Stunden lang vernommen. Er habe detailliert ausgesagt.

Das Motiv für den Mord: Der Verdächtige solle Geld eines Dart- Vereins unterschlagen haben, in dem er und seine Mutter Mitglieder waren, sagte Retemeyer. Offenbar habe es Absprachen zwischen Mutter und Sohn gegeben - die Mutter habe in dem Verfahren zunächst günstig für ihren Sohn aussagen wollen. Doch dann änderte sie ihre Meinung.

In der Nacht zum vergangenen Donnerstag habe der 20-Jährige seine Mutter dazu bewegen wollen, doch zu seinen Gunsten auszusagen, schilderte Schnorfeil. Von einer Telefonzelle rief er das Taxi seiner Mutter und gab vor, zu einem Freund zu wollen. An dem See täuschte er Magenprobleme vor. Der Wagen hielt, beide stiegen aus. Unmittelbar am Ufer des Sees stieß der junge Mann nach bisherigen Ermittlungen seiner Mutter das Messer immer wieder in den Bauch. Er hatte den Mord für den Fall, dass sie nicht zu seinem Gunsten aussagen wolle, vermutlich schon vorher beschlossen: "Es ist auffällig, dass er zu der Aussprache das Küchenmesser mitgenommen hatte", betonte der Staatsanwalt.

Dann durchwühlte er das Taxi, um einen Raub vorzutäuschen. Dabei sah ihn der 13-Jährige, der mit Freunden an dem See angeln wollte. Der Mann stach auf den möglichen Tatzeugen ein, bis er mit lebensgefährlichen Verletzungen am Boden lag. "Wir wissen noch nicht, was er gesehen hat", sagte Retemeyer. Der Zustand des Jungen sei weiter ernst. Eine Spaziergängerin hatte wenig später das leere Taxi mit laufendem Motor und brennendem Licht gefunden. Dann hörte sie die Hilferufe des Jungen.

Es wurden 60 Zeugen vernommen, 120 Hinweisen gingen die Ermittler nach. Bei der Beerdigung hatten sich rund 150 Taxifahrer mit einem Autokorso von ihrer Kollegin verabschiedet. Taxi-Unternehmer Hans- Jürgen Heisig: "Wir sind alle noch sehr mitgenommen." Ermittler Schnorfeil betonte, er sei froh über die Aufklärung des Falles: "Wir wissen, solche Straftaten haben gerade im ländlichen Raum erheblichen Einfluss auf das Sicherheitsgefühl der Menschen."

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