Eigenkapitalrendite wird niedriger ausfallen
Hypo-Vereinsbank: "Richtiges Geld erst 2003"

Die Hypo-Vereinsbank hat im zweiten Quartal unter Ertragsrückgängen gelitten und nur dank eines Einmalgewinns aus dem Verkauf von Allianz-Aktien schwarze Zahlen geschrieben.

Reuters MÜNCHEN. Vorstandssprecher Albrecht Schmidt deutete an, dass Deutschlands zweitgrößte Bank vor allem wegen höherer Risiken im Kreditgeschäft ihr Ergebnisziel für das Gesamtjahr nicht erreichen wird.

Bereinigt um das Finanzanlagergebnis von 457 Millionen Euro, erlitt Deutschlands zweitgrößte Bank im zweiten Quartal einen Verlust vor Steuern von 179 Millionen Euro und lag damit deutlich unter den Analystenerwartungen. Wie aus dem am Donnerstag vorgelegten Halbjahresbericht weiter hervorgeht, wird die HVB wegen der noch zu erwartenden Kreditgefährdungen ihre Risikovorsorge für das Gesamtjahr deutlich erhöhen auf 2,5 Milliarden Euro statt der bislang geplanten 2,1 Milliarden Euro.

HVB-Vorstandssprecher Albrecht Schmidt bezeichnete das Ergebnis als "herausfordernd" und deutete an, dass die Bank wohl ihre Prognose für das Gesamtjahr nach unten revidieren werde. Es werde zunehmend unwahrscheinlicher für 2002 noch eine Eigenkapitalrentabilität nach Steuern von sieben bis neun Prozent zu erreichen. "Aus heutiger Sicht werden wir dieses Ziel voraussichtlich nicht erreichen", sagte Schmidt auf der Analystenkonferenz. Eine bessere Ergebnisentwicklung erwartet Schmidt offenbar erst im nächsten Jahr.

"Richtig Geld verdienen werden wir erst wieder 2003. Dennoch werden wir 2002 in diesem rauhen Umfeld relativ ordentlich abschneiden." Insgesamt rechne er nicht damit, dass in diesem Jahr eine konjunkturelle Besserung eintreten werde. Zuvor wollte sich Finanzvorstand Wolfgang Sprißler nicht auf eine Aussage zur Dividende für das Gesamtjahr festlegen. "Bei diesen unsicheren Märkten kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts zur Dividende für 2002 sagen." Die HVB habe sich noch nie zu einem so frühen Zeitpunkt zu diesem Thema geäußert, fügte er hinzu. Für 2001 hatte Deutschlands zweitgrößte Bank ihren Aktionären 0,85 Euro pro Aktie ausgezahlt.

Das Vorsteuerergebnis inklusive Finanzanlageergebnis und anderer nicht operativer Posten lag mit 278 (Vorjahreszeitraum 229) Millionen Euro deutlich unter den von Analysten erwarteten 426 Millionen Euro. Nach Steuern verblieb ein Gewinn von 185 (131) Millionen Euro.

Im Finanzanlageergebnis sind allein 411 Millionen Euro Einmalgewinn aus der Anteilsreduzierung an der Allianz auf 4,6 von 6,2 Prozent enthalten. Reuters hatte bereits am Dienstag aus Finanzkreisen erfahren, dass die HVB ohne den Allianz-Gewinn im Quartal einen Verlust vor Steuern von rund 200 Millionen Euro geschrieben hatte. Analysten bezeichneten die Zahlen als schlecht. "Der Markt hatte ohne die Einmaleffekte den Breakeven erwartet und stattdessen sind sie mit einem Verlust von 179 Millionen Euro gekommen", sagte Metehan Sen von Sal Oppenheim. "Die Messlatte hatte sich nach der Reuters-Meldung verschoben, von daher könnte man auch argumentieren, dass sie etwas besser abgeschlossen haben." Die Bank habe Probleme auf der Kostenseite und es bestehe Unsicherheit über das dritte und vierte Quartal.

Die Erträge brächen schneller weg, als die Kosten sinken würden, sagte Konrad Becker, Analyst bei der Privatbank Merck Finck & Co in München. Dennoch habe die Bank seiner Meinung nach beim Verwaltungsaufwand ihre Ziele erreicht. "Eine kleine negative Überraschung ist für mich der Zinsüberschuss", sagte Becker weiter. Dass er im zweiten Quartal im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres zurückgehen würde, sei erwartet worden, doch sei der Rückgang deutlicher ausgefallen als angenommen.

Im zweiten Quartal sank der Verwaltungsaufwand im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 1,843 (1,914) Milliarden Euro. Schmidt kündigte an, sein Haus werde weiter an den Sachkosten sparen. Das betreffe, Telekommunikation und Büroausstattungen oder etwa Reisekosten: "Die Zeiten des Schöner Wohnen sind vorbei."

Gegen Mittag notierten die HVB-Aktien, die in den vergangenen Tagen massiv unter Druck gestanden hatten, in einem behaupteten Gesamtmarkt mit 2,68 Prozent im Plus bei 21,09 Euro.

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