Eigentümerfamilie sichert ihre Rolle bei Güterloher Medienriesen Bertelsmann
Schulte-Hillen verliert den Machtpoker

Im Streit um die Zukunft der Gütersloher Bertelsmann AG hat der Aufsichtsratsvorsitzende Gerd Schulte-Hillen den Kürzeren gezogen. Danach hat sich die Hausherrin Liz Mohn mit ihrem Ziel durchgesetzt, die Rolle der Familie in Europas größtem Konzern festzuschreiben. So kann gegen den Willen der Mohns der Gütersloher Medienriese weder verkauft werden noch neue Gesellschafter erhalten. Dies geht aus der am Freitag einstimmig beschlossenen neuen Satzung der 1999 gegründeten Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft m.b.H. (BVG) hervor, die 75 % der Stimmrechte hält. In der BVG sind die Anteile der Familie Mohn an dem Medienkonzern gebündelt.

DÜSSELDORF. Damit gerät der Bertelsmann-Aufsichtsratsvorsitzende weiter ins Abseits. "Wenn Schulte-Hillen vorhatte, den Einfluss der Familie so zu reduzieren, dass Satzungsänderungen gegen die Interessen der Familie durchgesetzt werden können, dann hat er dieses Ziel nicht erreicht", sagte ein hochrangiger Bertelsmann-Manager dem Handelsblatt. Schulte-Hillen steht seit Wochen in der Kritik, nachdem er den Führungsstil der Eigentümerfamilie Mohn öffentlich gerügt hat. Er verliert möglicherweise demnächst seinen Posten als Aufsichtsratschef bei der Verlagstochter Gruner+Jahr. Schulte-Hillen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Mit der neuen Satzung hat nun die Eigentümerfamilie die Oberhand gewonnen. Danach bedürfen in der BVG Beschlüsse von zentraler Bedeutung wie die Aufnahme neuer Bertelsmann-Gesellschafter künftig einer Dreiviertel-Mehrheit. Dies gilt vor allem für den Fall, dass Anteile der BVG an die Börse gebracht werden sollen, heißt es.

Damit läuft nichts gegen die Zustimmung der Familie, deren Sprecherin Liz Mohn ist. "Es handelt sich um die Festschreibung: Die Familie sichert langfristig und dauerhaft ihren Einfluss", erläutert ein Bertelsmann-Mitarbeiter.

Zudem wurde die Wahl des Aufsichtsrats neu geregelt. Dem Aufsichtsgremium gehören 15 Mitglieder an. Mitglieder sind drei Arbeitnehmervertreter und ein Vertreter der Führungskräfte sowie zwei Vertreter des Mit-Gesellschafters Groupe Bruxelles Lambert. Die restlichen neun Aufsichtsräte müssen einvernehmlich gewählt werden. Gelingt eine solche Einigung nicht, benennen abwechselnd die Familienvertreter und die übrigen Gesellschafter den neuen Aufsichtsrat. Mit der neuen Satzung wurden auch die Amtszeiten der Aufsichtsratsmitglieder auf drei Jahre verkürzt. Zudem ist eine zweimalige Wiederwahl möglich.

Die Mohn-Familie wird künftig in dem achtköpfigen GesellschafterGremium der BVG neben dem 81-jährigen Reinhard Mohn mit drei Mitgliedern repräsentiert. Zur Zeit ist die Familie mit Reinhard Mohn, Liz Mohn und ihre beiden Kinder Brigitte Mohn (Bertelsmann Stiftung und Christoph Mohn (Lycos Europe) vertreten, teilt Bertelsmann mit. Die 63-jährige Liz Mohn ist zugleich auch Geschäftsführerin der BVG. Weitere Mitglieder des BVG-Gesellschaftergremiums sind Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen, der Aufsichtsratschef, ein weiteres Aufsichtsratsmitglied, ein Mitglied des Vorstandes oder der Geschäftsführung eines Bertelsmann - Beteiligungsunternehmens (derzeit der Lycos-Vorstandschef Christoph Mohn) oder ein Mitglied des Kuratoriums der Stiftung sowie ein Mitarbeiter-Vertreter.

Insider bewerten die Beschlüsse dahingehend, dass Klarheit über die Machtverhältnisse zwischen Familie und Management geschaffen werden soll. Dies deutete sich bereits in einer verbreiteten BVG-Erklärung der vergangenen Woche an: "Nach seiner (Reinhard Mohns) Auffassung kann eine Familie nicht über mehrere Generationen hinweg eine kompetente, operative Unternehmensführung gewährleisten. Hingegen kann die Familie in ihrer Rolle als Gesellschafter langfristig die Unternehmenskultur sichern."

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