Eigentumsfrage ungeklärt
Streit um "Babymeteorit"

Die Eigentumsfrage nach dem Meteoriten "Neuschwanstein" ist ungeklärt: Rund drei Wochen nach seinem Fund nahe Füssen im Ostallgäu hat die Gemeinde Schwangau Ansprüche auf den "Babymeteoriten" angekündigt.

HB SCHWANGAU/BERLIN. Das Himmelsgestein sei auf dem Gebiet der Gemeinde gefunden worden, begründete Bürgermeister Reinhold Sontheimer seine Ansprüche. Der 1750 Gramm schwere magnetische Stein soll nach Willen Sontheimers Touristen anziehen.

Auch die Stadt Füssen will prüfen lassen, ob sie Anspruch auf den Meteoriten hat. Wem der Fund gehört, ist allerdings unklar. "Alles, was auf die Erde aus einer Höhe von mehr als 180 Kilometer fällt, gehört rein rechtlich eigentlich niemandem", berichtete Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Freitag in Berlin. Das Bürgerliche Gesetzbuch greife in diesem Fall nicht, möglicherweise aber das Völkerrecht: "Danach gehört der Meteorit demjenigen, der ihn in den Händen hält, also dem Finder", sagte Schütz.

"Vergleichbares kommt in Deutschland nur alle zehn Jahre vor"

Auch das DLR möchte den Meteoriten gerne behalten. Durch die Auswertung von Fotos und Filmen über den Eintritt in die Erdatmosphäre habe die DLR maßgeblich zu dem Fund beigetragen, berichtete die Behörde. Die Einschlagstelle der Hauptmasse des Meteoriten konnte auf ein Gebiet östlich von Hohenschwangau in der Nähe von Füssen in gebirgigem und schwer zugänglichem Gelände eingegrenzt werden. Nach mehreren systematischen Suchaktionen hatte am 14. Juli ein 25 Jahre alter Mann aus Berlin den Himmelskörper gefunden. Er soll - wie in solchen Fällen üblich - eine Entschädigung bekommen. Möglicherweise könnte der begehrte Gesteinsbrocken nach Angaben des DLR auch einen Platz im Rieskrater-Museum in Nördlingen finden.

Den Fund des Gesteinsbrocken nannte der Augsburger DLR- Meteoritenforscher Dieter Heinlein sensationell. Vergleichbares komme in Deutschland nur alle zehn Jahre vor. Weltweit gebe es nur vier Fälle, bei denen der Eintritt eines gefundenen Meteoriten so genau dokumentiert worden sei. Zum Verkaufswert des Brockens wollte Heinlein keinerlei Angaben machen. Das sei der Wissenschaft nicht nützlich und fördere nur den Schwarzmarkt.

Forscher: noch weitere Brocken im Umkreis

Für alle, die beim Kampf um "Neuschwanstein" leer ausgehen, gibt es eine gute Nachricht: Der "Babymeteorit" ist nur ein Teil des ursprünglich 600 Kilogramm schweren Meteors, der am 6. April in dem Gebiet niedergegangen ist. Die Forscher vermuten im Umkreis von mehreren Kilometern weitere Brocken, die den Absturz überstanden und den Boden erreicht haben müssen.

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