Archiv
Ein Albtraum wird wahr

Ein idyllischer Bauernhof in Westfrankreich verkörpert das Ende aller Hoffnungen, dass sich die gefürchtete Maul- und Klauenseuche in Großbritannien austobt.

dpa PARIS. Der unsichtbare Feind "MKS" hat das europäische Festland erreicht, ungeachtet aller drakonischen Sicherheitsmaßnahmen. "Die Seuche ist in Frankreich", lautet die Schreckensbotschaft in den Mittagsnachrichten.

Seit drei Wochen flimmerten die lodernden Kadaverhalden jenseits des Ärmelkanals via TV wie ein Menetekel in die Wohnzimmer der Franzosen. Nun steht das Land selbst vor einer möglichen Epidemie - und mit ihm ganz Europa.

Nach dem Schock des Rinderwahnsinns BSE hatten hunderte Bauern und Schafzüchter seit Ende Februar zähneknirschend mit ansehen müssen, wie ihre Tiere beim leisesten Verdacht auf eine mögliche Infektion mit MKS vernichtet wurden - insgesamt etwa 50 000. Aufhalten ließ sich die Seuche davon nicht. Es half auch nicht, dass die Grenzen für Viehtransporte aus Großbritannien, Irland und Belgien dicht gemacht wurden, dass alle Viehmärkte und-ausstellungen verboten, Pferderennen abgesagt und Zoos geschlossen wurden.

Gesundheitsminister Bernard Kouchner hat Recht behalten. Es wäre ein wahres Wunder, wenn die Seuche Frankreich verschonen würde, hatte er vor zwei Wochen gesagt - und war dafür als Schwarzseher beschimpft worden. Landwirtschaftsminister Jean Glavany hatte seit dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche im Februar in Großbritannien nahezu täglich betont, dass es keinen Fall in Frankreich gebe, dafür aber Chancen, dass MKS dort nicht auftritt. Sechs Kühe im Departement Mayenne haben ihn widerlegt.

Glavany musste einräumen, dass weitere Fälle wahrscheinlich sind. "Wir haben alles getan, was wir konnten", sagt er resigniert. Auch den Viehzüchtern sei kein Vorwurf zu machen. Es werde Entschädigungen geben.

Bislang war Frankreich mit einem blauen Auge davongekommen: In den vergangenen Tagen traten immer wieder Verdachtsfälle auf MKS auf, immer wieder erwiesen sie sich als falscher Alarm. Bis Tierärzte der Präfektur am Montagnachmittag Alarm schlugen, als sie in einem Hof in der kleinen Gemeinde La Barouche-Gondouin sechs Kühe mit eindeutigen Symptomen entdeckten. Am Abend war von einem "schweren Verdacht" die Rede, am nächsten Tage wurde er bestätigt.

Nun geht es darum, möglichst zu verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet und noch andere Landesgrenzen überspringt. Ein von der Regierung vorbereiteter Krisenplan ist in Kraft, in der Präfektur von Mayenne wurde ein Notfallstab eingerichtet. Der kleine Bauernhof wurde abgeriegelt, die Herde getötet und verbrannt. Nun bleibt nur noch Warten und Hoffen.

Maul- und Klauenseuche erreicht europäisches Festland
Klauenseuche: Alarmzustand nach Ausbruch in Frankreich

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%