Ein Angestellter wurde leicht verletzt
Bombenanschlag auf BBC-Gebäude

Die Zentrale des britischen Rundfunk-und Fernsehsenders BBC in London ist in der Nacht zum Sonntag erstmals Ziel eines Bombenanschlages nordirischer Terroristen geworden. Ein Angestellter der U-Bahn, die dem BBC-Gebäude gegenüber liegt, wurde durch Glassplitter leicht verletzt. Die Glasfront am Eingang der BBC- Zentrale wurde durch die Autobombe völlig zerstört.

dpa LONDON. Am Sonntagmittag gab es am Londoner Großbahnhof Victoria einen weiteren Sicherheitsalarm. Die Polizei führte dort an einem "verdächtigen" Fahrzeug eine kontrollierte Explosion aus. Weitere Angaben wurden zunächst nicht gemacht.

Die vor dem BBC-Gebäude in einem roten Taxi abgestellte Bombe enthielt zwischen fünf und zehn Kilogramm "hochexplosiven Sprengstoffs", teilte Scotland Yard mit. Das Fahrzeug sei am Samstag in Nord-London von einem Mann mit nordirischem Akzent gekauft worden. "Wir sind einer Kampagne rücksichtloser Terroristen ausgesetzt", sagte Anti-Terror-Chef Alan Fry auf einer Pressekonferenz. Für ihn bestehe kein Zweifel daran, dass die nordirische Splittergruppe "Wahre IRA" (Real IRA) hinter dem Anschlag steht.

Sprengsatz ging kurz nach Mitternacht hoch

Der Sprengsatz ging kurz nach Mitternacht hoch, bevor die Anti- Terroreinheit von Scotland Yard die Bombe entschärfen konnte. Die Detonation erschütterte Gebäude im Umkreis von 200 Metern, ein orangefarbener Feuerball stieg über dem Medienkomplex im Westen Londons auf. Die Londoner Regierung verurteilte den Anschlag am Sonntag, deren Urherberschaft auf die "Gegner des Friedensprozesses" zurück gehe.

Die Terroristen hatten der BBC mit einem codierten Warnanruf gerade noch genug Zeit gegeben, die gewaltige Explosion von einem hauseigenen Kameramann aus dem 16. Stock eines Parkhochhauses filmen zu lassen. "So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen", sagte Kameramann John Brotherton später. BBC-Journalisten und Angestellte sowie Anwohner umliegender Häuser konnten von der Polizei rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Programme wurden unterbrochen.

"Die Wucht der Explosion war erheblich"

Der diensthabende Redakteur Laurie Margolis fühlte sich an Szenen in Beirut, Ex-Jugoslawien und Nordirland erinnert. "Die Wucht der Explosion war erheblich. Der Feuerball erstreckte sich über die ganze Straße. Autos brannten, das Gebäude wurde erschüttert", sagte er am Sonntag. Er und seine Kollegen hätten 90 Sekunden Zeit gehabt, den Notanweisungen über das Lautsprechersystem zu folgen und sich in Sicherheit zu bringen. In der Zentrale von White City im Stadtteil Shepherds Bush sind außer dem Auslands-Rundfunksender BBC World Service alle Fernseh- und Rundfunkprogramme des Senders untergebracht.

Die Terrorgruppe "Wahre IRA", die sich von der Haupt-IRA abgespalten hat und gegen das nordirische Friedensabkommen kämpft, zeichnet für die schlimmsten Anschläge der vergangenen Jahre verantwortlich. Der Bombenanschlag von Omagh in Nordirland vom August 1998, bei dem 30 Menschen starben, geht auf ihr Konto. Ebenso eine Reihe von Anschlägen in London im letzten Jahr, darunter ein Raketenangriff auf die Zentrale des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 im letzten September. Fry befürchtet eine Fortsetzung der Anschläge.

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