Ein Betriebsgewinn ist frühestens 2002 möglich.
Grundig auf der Suche nach einer Strategie

Das Jahr hat schlecht begonnen für den Elektronik-Hersteller: Der Umsatz im ersten Quartal ging um zehn Prozent zurück. Dem neuen Vorstandschef Hans-Peter Kohlhammer bleibt bei den schlechten Zahlen nicht viel Zeit, Grundig umzubauen.

jojo/HB NÜRNBERG. Hans-Peter Kohlhammer tritt ein schweres Erbe an. Der neue Vorstandsvorsitzende der Grundig AG muss den angeschlagenen Elektronik-Geräte-Hersteller schnell in die schwarzen Zahlen zurück bringen: Die Finanzlage der Nürnberger ist angespannt und der geplante Konzernumbau schlägt allein in diesem Jahr mit 100 Millionen Mark zu Buche.

Das meiste Geld wird Kohlhammer wohl für den Stellenabbau in Deutschland ausgeben: 900 Jobs werden hier zu Lande gestrichen, die Fernsehproduktion vom Stammwerk im Nürnberger Süden nach Wien verlagert.

Die wichtigste Aufgabe von Kohlhammer ist allerdings, Grundig am Markt neu zu positionieren. "Das Ziel kann nicht Billigware sein", sagte der Manager gestern an seinem ersten Arbeitstag bei Grundig auf der Bilanzpressekonferenz. Ob er Grundig zu einem Luxus-Hersteller umbauen werde, lies der 54-Jährige allerdings offen. Der fränkische Konkurrent Loewe konzentriert sich ganz auf den Nobel-Bereich und verdient damit prächtig.

"Wir müssen auf der Internationalen Funkausstellung erste spürbare Änderungen zeigen", versprach der Kohlhammer Erfolge bereits zu der Messe im August in Berlin. Grundig hatte schon vor einigen Wochen angekündigt, seine Produktvielfalt einzuschränken. Im Kern besinnt sich die Firma nun auf die Sparten Fernseher, HiFi, Autoradios und Satellitenempfangstechnik. Die Fernseher werden dabei ausschließlich in Wien gefertigt und nicht mehr in Nürnberg wie bisher.

"Grundig bleibt ein Produktionsunternehmen", versprach Grundig-Besitzer Anton Kathrein. Dem Chef der Kathrein-Antennen-Werke in Rosenheim gehören 89% der Anteile, auf die restlichen 11% besitzt Kathrein eine Option. "Ich bin nicht angetreten, die Firma platt zu machen", versuchte der bayerische Unternehmer die Nürnberger zu beruhigen, die in den letzten 20 Jahren einen Arbeitsplatzabbau bei Grundig von mehr als 40 000 auf gegenwärtig weltweit noch 5900 miterleben mussten.

Für Kohlhammer machte gestern Herbert Bruch Platz, der nach 37 Jahren bei Grundig in den Aufsichtsrat wechselt. Neben Finanzchef Günter Moissl und Kohlhammer seien derzeit noch vier weitere Vorstandsstellen zu besetzen, sagte Kathrein.

Die Zahlen für das Jahr 2000, die Bruch zum Abschied präsentierte, waren alles andere als positiv. Die Franken verkauften zwar Geräte für 2,84 Milliarden Mark - ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 6,3 %. Auf der letzten Bilanzpressekonferenz hatte Bruch allerdings noch ein Umsatzwachstum von 10 % angekündigt. Der Jahresüberschuss lag bei 1,9 Millionen DM, im Vorjahr waren es noch 15,4 Millionen DM. Schwarze Zahlen konnte Bruch wie im vergangenen Jahr nur deshalb in der Bilanz ausweisen, weil er unter anderem nicht mehr benötigte Rückstellungen von 77 Millionen Mark auflöste. Der Betriebverlust kletterte um 20 auf 75 Millionen DM.

In diesem Jahr sieht es nicht wesentlich besser aus, im ersten Quartal fiel ein Betriebsverlust von 20 bis 25 Millionen Mark an. "Im laufenden Geschäftsjahr kann noch kein operativer Gewinn erzielt werden", kündigte Moissl an. Nächstes Jahr sei möglicherweise ein kleiner Betriebsgewinn zu erwarten.

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