Ein Börsengang als „unglaubliche Chance“ – Die Partner sind auch Kunden
Symbian lehrt Bill Gates das Fürchten

Große Pläne hegt Psion-Chef David Levin mit Symbian. Das Software-Joint-Venture entwickelt einen neuen Standard für den Datenverkehr zwischen Handys und Computern. Schon ist der japanische Elektronikriese Sony als Lizenzpartner eingestiegen. Ärgster Widersacher bleibt Microsoft.

LONDON. Symbian soll ein "unglaubliches Unternehmen" werden. Und darum soll es an die Börse. Jedenfalls ist das die Überzeugung von David Levin, Chef des britischen Handcomputer-Herstellers Psion. Gegenüber dem Handelsblatt hat sich Levin für den Börsengang des Softwareunternehmens Symbian ausgesprochen, an dem Psion mit 28 Prozent den größten Anteil hält. Symbian ist das Joint Venture von Psion, den Handy-Größen Nokia, Ericsson und Motorola (je 21 %) sowie dem japanischen Elektronik-Konzern Matsushita (9 %). Vorrangiges Ziel von Symbian: Es soll einen Standard für das Betriebssystem der nächsten Generation von Handys und tragbaren Computern entwickeln, mit dem sich auch große Datenmengen problemlos mobil übertragen lassen. Wer das schafft, der besitzt gleichsam eine Lizenz, um Geld zu drucken.



Nach Ansicht von Levin gibt der Börsengang Symbian die Chance, Selbstständigkeit zu gewinnen und damit eine Unabhängigkeit, die für die weitere Entwicklung des Unternehmens fundamental sei. Schließlich brauche Symbian auch die Chance, neue Aktien auszugeben, um damit möglicherweise auch Übernahmen zu finanzieren.



Komplett werde sich Psion jedoch nicht von seinen Anteilen an Symbian trennen, empfiehlt Levin. Denn Symbian habe gerade erst damit begonnen, überhaupt eigene Umsätze zu erzielen. Wenn die ersten Softwareprodukte erfolgreich seien (woran Levin nicht zweifelt), dann werde sich Symbian in den kommenden 18 bis 24 Monaten allerdings zu einem wirklich "unglaublichen Unternehmen" entwickeln. Einen Zeitpunkt für den Börsengang nennt Levin jedoch nicht.



Symbian war erst 1998 gegründet worden, die guten Aussichten des Projekts hatten jedoch auch den Kurs von Psion im Frühjahr 2000 explodieren lassen. Dadurch bekam Psion Zutritt zum Londoner Aktienleitindex FTSE-100 - obwohl es mittlerweile aus dieser Liga wieder abgestiegen ist.



Analysten haben den Wert des Unternehmens mittlerweile auf 5 Mrd. Pfund geschätzt. Levin lässt durchblicken, dass er das eher für zu wenig hält. Er verweist auf die Börsen-Kapitalisierung des US-Konkurrenten Palm Corp., der mit derzeit knapp 21 Mrd. $ ungleich höher bewertet sei.



Dass sich die kleine britische Gesellschaft Psion, die 1980 von dem Südafrikaner David Potter gegründet wurde, überhaupt als größter Partner in einem Joint Venture mit Weltunternehmen wiederfindet, verdankt sie ihrer Stärke in Software. So baut die von Symbian entwickelte Software auf das Epoc-Betriebssystem von Psion auf.



"Wir sind in diesem Reigen die einzige reine Computerfirma. Wir wissen, wie man mit Daten arbeitet, die anderen konzentrieren sich auf Sprache", erläutert Levin.



Der PSion CEO weiß, was diese Stärke wert ist. "Vor einem Jahr haben die Analysten unseren Börsenwert zu 90% auf unseren Anteil an Symbian zurückgeführt." Mittlerweile schätzt der Unternehmenschef, seien es "nur" noch maximal 75 %. Derzeit liegt die Börsenkapitalisierung bei 4,2 Mrd. Euro.



Größter Konkurrent von Symbian ist in den Augen von Levin Microsoft mit seinem CE-System. Microsoft-Gründer Bill Gates hat Psion in einer bekannt gewordenen E-Mail als größte Gefahr für das Unternehmen bezeichnet. Auch wenn sich Psion geschmeichelt fühlt, ist Levin nicht gut auf Microsoft zu sprechen. Der Software-Riese verpflichtete einen Symbian-Entwickler. "Microsoft ist so aggressiv, weil wir einen Vorsprung haben", sagt Levin, von Haus aus Finanzfachmann.



Als großen Erfolg wertet er, dass Sony im April als Lizenzpartner für das Symbian-System gewonnen werden konnte. Er bestätigt, dass die Lizenzpartner bis zu 10 $ Gebühr je Gerät zahlen müssen: "Unser Geschäftsmodell ist sehr solide." Der Charme von Symbian bestehe darin, dass die bestehenden Partner auch gleichzeitig Kunden sein werden.



Dass sich der Hersteller von Taschencomputern nicht allein auf sein Symbian-Engagement konzentrieren wird, beweist die Übernahme des kanadischen Netzwerkspezialisten Teklogix für 242 Mill. Pfund. Große Hoffnungen setzt Levin auch auf das gemeinsam mit Motorola geplante mobile Gerät, das Computereigenschaften und Telefonfunktionen in sich vereinen soll. Gute Chancen werden auch bei der so genannten Bluetooth-Technologie gesehen, die schnurlose Verbindungen zwischen Handys und Computern ermöglicht. Nicht von ungefähr gehören die Branchenfürsten Compaq und Dell deshalb schon zu den Psion-Kunden.



Angesichts der permanenten Veränderungen bei Psion überrascht die Kursentwicklung nicht. Sie gleicht einer Berg- und Talfahrt. "Ich verfolge den Kurs nicht jeden Tag", räumt Levin ein. Seine Aufgabe sei es, die richtigen strategischen Entscheidungen zu treffen. "Ich möchte sicherstellen, dass die Psion-Aktionäre in den kommenden drei bis fünf Jahren einen riesigen Wertzuwachs verbuchen können."

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