Ein „Geschmäckle“ bleibt: Gerhard Goll verlässt die EnBW

Ein „Geschmäckle“ bleibt
Gerhard Goll verlässt die EnBW

Richter, Ministerialrat, Regierungssprecher, Banker, Strommanager - eins kann dem scheidenden Chef des Energie-Konzerns EnBW, Gerhard Goll (60), nicht vorgeworfen werden: Dass er sich auf irgendeinem seiner Posten ausgeruht hätte.

HB/dpa KARLSRUHE. Bei dem schnauzbärtigen Schlaks mit dem gebückten Gang und der monotonen Stimme, der die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) in diesen Tagen verlässt, paart sich ein ausgesprochen breiter Fundus beruflicher Erfahrung mit jeder Menge strategischem Geschick.

Auch mit dem plötzlichen Abgang bei Deutschlands drittgrößtem Energie-Konzern blieb der schwäbische Jurist seiner wechselvollen Linie treu. Allerdings könnte ein "Geschmäckle" bleiben: Nicht wenige legen seinen Rückzug als Flucht vor den erdrückenden Schwierigkeiten der EnBW aus. Der Gang an die Börse musste verschoben werden, die defizitäre Tochter Salamander ist noch immer nicht komplett verkauft und die Billigstromtochter Yello ("Strom ist gelb") hat dem Konzern laut "Handelsblatt" inzwischen Verluste von 500 Millionen Euro beschert.

Goll gilt als gewiefter Stratege - knorrig bisweilen, aber doch zu unkonventionellen Ideen neigend. Maßgeblich bestimmte er das Aussehen und die Privatisierung der 1997 gegründeten EnBW, von der Gründung bis hin zum Einstieg von Europas größtem Stromerzeuger, der Electricité de France (EdF), als Großaktionär bei dem Karlsruher Unternehmen. Für Furore sorgte Goll mit der Gründung der Billig- Tochter Yello-Strom und dem Millionen schweren Werbegag "Strom ist gelb".

In seiner Freizeit fordert er sich gern mit Trekking-Touren durch Tibet selbst heraus. In der Karlsruher Konzern-Zentrale der EnBW hat er sich den Ruf eines fairen und ausgesprochen bescheidenen Chefs ohne jede Allüren erworben, der seinen Mitarbeitern schon mal die Tür aufhält.

Seine berufliche Karriere startete der gebürtige Stuttgarter mit 29 Jahren als Richter am Landgericht seiner Heimatstadt. Als Strommanager trieb Goll dann die Fusion der beiden großen baden- württembergischen Stromkonzerne (Badenwerk AG und Energieversorgung Schwaben AG) zur EnBW voran. Das brachte ihm schließlich den Chefposten ein. Der 60-Jährige räumt ihn, wie er selbst sagt, aus Altersgründen - zu einem Zeitpunkt, den er selbst bestimmt hat.

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