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ein höllischer Spaß

Das Johannisfest in Brasilien zur Jahresmitte ist inzwischen ähnlich populär wie der Karneval. Im brasilianischen "Winter" wird dann gerösteter Mais gegessen, Likör getrunken und nächtelang "Forro" getanzt.

Das Johannisfest in Brasilien zur Jahresmitte ist inzwischen ähnlich populär wie der Karneval. Im brasilianischen "Winter" wird dann gerösteter Mais gegessen, Likör getrunken und nächtelang "Forro" getanzt. Das ist eine Art Polka, zur Musik von Trommel, Triangel und Akkordeon. Es gibt dabei aber auch Bräuche, deren Beliebtheit nicht einfach zu verstehen ist. In Cruz das Almas, einem Dorf im Nordosten Brasiliens, findet in diesen Tagen eine besondere Form des Johannis-Festes statt: "Der Krieg der Schwerter". Das "Schwert" ist dabei ein armlanges und -dickes Stück Bambusrohr, das mit einer Mischung aus Schwarzpulver, Lehm und Eisenschnipseln gefüllt wird. An der Lunte angezündet - und fertig ist das Schwert. Vergnügt bekriegen sich die Einwohner und die zahlreichen Zugereisten mit den hausgemachten Feuerwerkskörpern: Sie bewerfen sich mit den kiloschweren Bombentrichtern, hauen sich die Feuerschweife um die Ohren oder schmeissen sie in die vollen Bars, dass die darin Tanzenden unter den Tischen, im Klo oder durch die Fenster Zuflucht suchen. Im Ortszentrum ist ein zentraler Platz mit Netzen abgespannt, die einzige sichere Zone für Schutzsuchende, wie Kinder und Alte. Spaßvögel versuchen gerne, ihre Espadas dort rein zu werfen. Die Raketen fliegen oft im Luftsog der Flüchtenden noch einige Meter mit, bevor sie explodieren. "Man muss flink sein und auch beim Tanzen immer aufpassen, dass man so ein Ding nicht plötzlich abbekommt", sagt ein Freundespaar - sie Kindergärtnerin, er Steuerberater - das jedes Jahr mit ihrer Clique zum Dorfkrieg anreist, "weil es höllisch Spaß macht!" Es muss ein Kitzel wie das Stiertreiben in Pamplona sein. Nur viel gefährlicher: Letztes Jahr starben sechs Leute während des dreitägigen Festes und 500 Menschen erlitten zum Teil schwere Verbrennungen. Dieses Jahr regt sich erstmals Protest gegen das gewalttätige Fest. Die Umweltschützer aus der Gegend beschweren sich, dass wegen der jährlich steigenden Beliebtheit des "Kriegs der Schwerter" die Bambusvorkommen in der Region bedrohlich reduziert würden.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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