Ein Inder und viele Chinesen
Noch nie wurde so viel Stahl produziert wie 2004

Die Stahlhersteller können sich die Hände reiben. Der schier unersättliche Stahlhunger Chinas hat für einen selbst von Experten in diesem Ausmaß nicht erwarteten Nachfrageschub gesorgt. Noch nie wurde innerhalb eines Jahres so viel Stahl produziert wie 2004. Anfang dieser Woche wurde erstmals die magische Marke von einer Milliarde Tonnen übertroffen.

HB DÜSSELDORF. 2004 ist ein Ausnahmejahr für die Branche. Viele Unternehmen würden gern mehr produzieren, wenn sie könnten. Aber wichtige zur Stahlproduktion benötigte Rohstoffe wie Koks, Kohle, Eisenerz und Schrott sind ebenfalls knapp. Immerhin können die Stahlhersteller wegen des Rohstoffmangels steigende Kosten leichter an die Kunden weitergeben. Den Vorwurf der Preistreiberei weisen die Unternehmen zurück. "Die Rekordgewinne in diesem Jahr", behauptet Arcelor-Chef Guy Dollé, "sind das Ergebnis interner Effizienzsteigerungen."

Die Manager der Stahlindustrie stehen vor einer großen Herausforderung: Entweder es gelingt ihnen, den aktuellen Boom zu nutzen, um noch profitabler und krisenfester zu werden. Oder es droht ein Rückfall in vergangene Zeiten, in denen jedem Aufschwung ein mindestens so langes Tief folgte. Entscheidend dafür, dass der Stahlindustrie der Wandel gelingt, sind weitere Firmenzusammenschlüsse. Verglichen mit ihren wichtigen Lieferanten, sind die Stahlhersteller nämlich Leichtgewichte. Die die drei Größten von ihnen kontrollieren nur gut zwölf Prozent des Weltmarktes. Dagegen teilen BHP Billiton, Rio Tinto und CVRD 70 Prozent des weltweiten Erze-Handels untereinander auf.

Der aus Indien stammende und in England lebende Milliardär Lakshmi Mittal hat im Oktober das Übernahmekarussell angestoßen: Er kauft den drittgrößten Stahlhersteller der USA, die International Steel Group (ISG). Die von Mittal und seiner Familie kontrollierte Unternehmensgruppe steigt damit zum neuen Branchenprimus auf und verdrängt Arcelor auf Platz zwei der Weltrangliste. Arcelor selbst ist ebenfalls das Ergebnis einer Fusion, allerdings einer rein europäischen aus dem Jahr 2002. Damals schlossen sich Arbed aus Luxemburg, Aceralia aus Spanien und Usinor aus Frankreich zusammen.

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