Ein Jahr Praxistest
Bahn lehnt Nachbesserungen am Preissystem ab

Die Deutsche Bahn hat Nachbesserungen an ihrem neuen Preissystem knapp eine Woche vor dem Start abgelehnt. Das neue System werde am kommenden Sonntag so eingeführt, wie es konzipiert sei, sagte Marketingvorstand Hans-G. Koch am Montag in Berlin.

HB/dpa BERLIN. Ob die neuen Preise schlecht oder falsch sind, sollte ein einjähriger Praxistest zeigen. Erst dann solle geprüft werden, ob es Nachbesserungsbedarf gebe. Die Nachfrage nach den neuen Rabatt- Tickets und Bahncards sei hoch. "Es gibt bisher keinerlei Einbruch beim Vorverkauf", sagte Koch.

Zuvor hatte sich der Fahrgastverband "Pro Bahn" den Kritikern des neuen Preissystems angeschlossen und Nachbesserungen gefordert. Für flexible Alleinreisende sowie Wochenendpendler und Vielfahrer ergäben sich Nachteile. "Wer die Bahn ähnlich flexibel nutzen möchte wie das Auto, zahlt drauf", kritisierte die Kundenvereinigung, die 10 000 Protest-Unterschriften an das Bundesverkehrsministerium übergab und damit die Beibehaltung der alten Bahncard-Konditionen forderte.

Die Bahn will künftig Frühbucher mit Preisnachlässen zwischen zehn und 40 Prozent belohnen. Rabatte werden auch für Gruppen und Familien gewährt. Hinzu kommen Ermäßigungen auf alle Preisnachlässe mit der neuen, verbilligten Bahncard, auf die aber nur noch 25 statt 50 Prozent Rabatt gewährt werden. Generell werden Grundpreise bei langen Fernfahrten ab 180 Kilometer laut Bahn um bis zu 25 Prozent billiger, auf kürzeren Fernfahrten dagegen um bis zu zehn Prozent teurer.

Die Umwandlung von Interregio-Zügen in Intercitys führe zu Preiserhöhungen von bis zu 100 Prozent, kritisierte "Pro Bahn": "Die bisherigen Interregios erhalten einen neuen Namen und neuen Lack. Sonst ändert sich nichts." Sowohl Pendler als auch Gelegenheitsfahrer seien betroffen. Nachbesserungsbedarf gebe es auch bei Kunden zwischen 14 und 26 Jahren. Mit dem Aus für die Bahncard junior und dem Twen- Ticket fielen die letzten Angebote für diese Zielgruppe weg.

Flexible Alleinreisende zahlen nach Angaben von "Pro Bahn" künftig im Fernverkehr zwischen 15 und 35 Prozent mehr. "Auch die gesenkten Grundpreise auf langen Strecken helfen nicht jedem Fahrgast." Die durchschnittliche Reiseweite im Fernverkehr betrage etwa 220 Kilometer. Dem widersprach Bahn-Manager Koch. Vielmehr seien es 280 Kilometer, bei Senioren im Schnitt 300 Kilometer.

Pro Bahn verwies darauf, dass mit einer bis zum 14. Dezember gekauften "alten" Bahncard mit 50 Prozent Rabatt einige Härten noch ein Jahr gemildert werden könnten. Die Bahn widersprach Darstellungen, wonach es einen Ansturm auf die alte Bahncard gebe. Nach Kochs Worten hat eigentlich auch die Bahn damit gerechnet. "Wir erleben aber keinen Run." Die neue Bahncard sei bisher an 60 000 Kunden verkauft worden. Bei der alten stagniere die Zahl seit Jahren bei drei Millionen. Insofern seien die 10 000 Protest-Unterschriften eine geringe Zahl.

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