Ein junger Prinz als Retter
William Clay Ford Jr. ist neuer Chef der Ford Motor Company

Ein Sprössling der Familie Ford soll den US-Konzern aus der Krise führen. William Ford hat zwar Visionen, ist aber im Tagesgeschäft noch unerfahren.

"Die Leute sagen immer, ich bin reich, da kann ich machen, was ich will", sagte William Clay Ford Jr. einmal. "Das, was ich hier mache, ist genau das, was ich will."

Der 44-jährige Lieblings-Sohn aus Amerikas ältesten Industriellenclan hätte wahrlich genug Geld, um sich ein Leben voller Parties, Villen und Affairen zu leisten. Stattdessen hat sich Bill Ford für eine Karriere im Familien-Betrieb entschieden. Mitten in der Krise des Ford-Konzerns löst er Jacques Nasser als Vorstandsvorsitzenden ab und übernimmt das Steuer. Eine Aufgabe, die ohnehin schon schwer ist. Seine Herkunft macht sie fast noch schwerer.

Immer wieder hatten in der Vergangenheit externe Manager den Mitgliedern der Ford-Familie die Wagenschlüssel wegnehmen müssen, um den zweitgrößten Autokonzern der Welt vor größeren Unfällen zu bewahren. So hatte der damalige Amtsinhaber Alex Trotman 1999 versucht, die Ernennung von "Prinz William" zum neuen Aufsichtsrats-Vorsitzenden zu verhindern. "Ich hatte die Wahl, mich entweder in eine Schlammschlacht zu begeben oder zu gehen", erinnert sich Ford. Er entschied sich für den Nahkampf und blieb.

Jetzt hat er allein das Sagen. Ford legt die strategische Linie fest und ist für das Tagesgeschäft verantwortlich. Schafft er das? "Wenn er genügend gute Leute um sich hat, kann es gelingen", glaubt Autoanalyst David Littman von der Comerica Bank in Detroit. "Ford kann mit seiner Ernennung vor allem wieder für ein besseres Image sorgen."

Ein junger Prinz als Retter. Bills Eltern William Clay Ford Sr. und seine Mutter Martha, eine geborene Firestone, wollten ihn nicht als typisches Millionärs-Kind aufwachsen lassen. So fuhren sie ihn regelmäßig vom wohlhabenden Detroiter Vorort Grosse Pointe zum Hockey Spiel in das Arbeiter-Viertel St. Clair Shores.

Nach dem Studium an der Elite-Universität Princeton fing William sofort im Konzern an. Der damals 22-Jährige soll zu der Zeit öfter in den Gewerkschafts-Räumen gesehen worden sein als in den Vorstands-Etagen. Viele seiner Vorgesetzten wussten ohnehin nicht so recht, was sie mit dem Ford-Sprössling anfangen sollten.

Über die Jahre hat sich William Ford ein Image als Visionär mit konservativen Werten geschaffen. Vor allem dem Umweltschutz hat er sich verpflichtet. Er will die Autos sauberer machen, und das ausgerechnet bei einem Konzern, der seine höchsten Gewinnmargen mit Benzin schluckenden Sport-Geländewagen erzielt. Seit Bill Ford sich stärker in die Geschäfte einmischt, verpflichtete sich der Konzern, die Motoren der Groß-Vehikel bis 2005 um 25 Prozent sparsamer zu machen. Er ging damit weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.

Bill Ford hat sich auch für Belegschaftsbelange stark gemacht. So hat er durchgesetzt, dass jeder Fabrik-Arbeiter einen Computer bekommt und daran ausgebildet wird. "Wir können eine großartige, traditionsreiche Firma in ein lebendiges, modernes Modellunternehmen verwandeln, sagte er kürzlich. "Doch das ist ein laufender Prozess, da gibt es vielleicht gar keinen Sieg."

Derzeit lässt das Tagesgeschäft allerdings wenig Platz für solche Visionen. Zum zweiten Mal hintereinander meldet der einst solide Ford-Konzern einen Quartals-Verlust. Und nach der 2,6 Milliarden Dollar teuren Reifen-Rückruf-Aktion hat Ford erstmals die Dividende gekürzt. Das mag der Ford-Familie, die noch immer zwei Fünftel der Stimmrechte besitzt, den Rest gegeben haben.

Bill Ford besitzt zwar kaum Praxiserfahrung, aber ein Träumer ist er nicht. Das unterstreicht er auch privat. Mit seiner Frau Lisa und den vier Kindern wohnt er in einem bescheidenen Einfamilienhaus und fährt einen gelben Ford Escape.

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