Archiv
Ein kleines Dorf als Vorbild für den Frieden

Eine Jüdin und ein Palästinenser schreiben über das Zusammenleben in Israel

An der Autobahn zwischen Tel Aviv und Jerusalem liegt ein Dorf. Es ist ein besonderes Dorf, denn hier leben fünfzig jüdische und palästinensische Familien Tür an Tür. "Oase des Friedens" heißt die Siedlung in der deutschen Übersetzung. Im Original trägt sie den hebräisch-arabischen Doppelnamen "Neve Shalom - Wahat al-Salam".

Diese "Oase des Friedens" haben Evi Guggenheim und ihr Mann Eyas Shbeta zum Thema eine Buches gemacht. Guggenheim ist Jüdin, geboren 1955 in Zürich und nicht verwandt mit der berühmten Kunstsammlerfamilie. Mit 19 Jahren wanderte sie nach Israel aus. Dort lernte sie den Palästinenser Eyas kennen, geboren 1956 in Taibe, einem palästinensischem Dorf in Israel.

Aus jeweils wechselnder Perspektive schreiben die beiden über ihre Beziehung und über den Ort, an dem sie seit zwanzig Jahren mit ihren drei Kindern leben. Ihre Botschaft: Juden und Palästinenser können friedlich miteinander leben - wenn man sie nur lässt. "Das Problem des Nahen Ostens ist ein Problem von zwei Völkern, die nach unserer Ansicht weiterhin einen gerechten Anspruch auf dieses Land haben", sagt Evi Guggenheim im Gespräch mit dem Handelsblatt.

1972 hatte der französische Dominikanerpater Bruno Hussard die "Oase des Friedens" gegründet. Er wollte Sprachen und Religionen an einem Ort vereinen. Kultureller Mittelpunkt des Dorfes ist eine Schule, in der 300 jüdische und arabische Kinder zweisprachig unterrichtet werden. Der größte Teil von ihnen stammt aus dem Umland. Der israelische Staat hat die "Friedensschule" offiziell anerkannt und übernimmt ein Drittel der anfallenden Kosten. Der Rest muss durch Elternbeiträge und Spendengelder finanziert werden. "Wir wollen Kinder für den Frieden erziehen. Aber die Spirale der Gewalt macht es fast unmöglich, für die jeweils andere Seite um Verständnis zu werben", sagt Guggenheim.

Schwierig wird das Zusammenleben vor allem in Extremsituationen. Vor einigen Jahren verunglückte ein junger Mann aus dem Dorf bei einem Einsatz in der israelischen Armee. Seine jüdischen Eltern wollten einen Gedenkstein für ihn errichten. Die arabischen Bewohner lehnten dies ab. Sie gehen nicht zur Armee. Die Debatte wurde leidenschaftlich geführt. Am Ende einigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss. Am Sportplatz des Dorfes steht nun eine Gedenktafel mit seinem Namen.

Als Palästinenserführer Jassir Arafat im November starb, sandten die beiden Volksgruppen eine gemeinsame Delegation zum Trauerzelt nach Gaza. "Mit Arafat ist ein Symbol für den Freiheitskampf der Palästinenser gegangen", sagt Guggenheim. Wie viele andere empfinde sie gemischte Gefühle, aber auch die Hoffnung, "dass nun eine neue Ära beginnen kann und dass in die festgefahrene Politik in Palästina eine neue Bewegung kommt". Einer politischen Partei gehört Evi Guggenheim nicht an. "Aber die ,Oase des Friedens?", sagt sie, "das ist ein politisches Projekt."

Evi Guggenheim-Shbeta, Eyas Shbeta: Oase des Friedens, Heyne Verlag 2004, 320 Seiten, 20 Euro

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%