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Ein Küsschen und vier Kerzen für Freund Wladimir

Demonstrativ privat sollte der Besuch Putins bei Familie Schröder in Hannover aussehen. Die beiden Staatsmänner pflegten ihre Duzfreundschaft.

rtr HANNOVER. Zum Abschied gibt es für Wladimir Putin ein Küsschen von der Kanzlergattin. Zwei Stunden war Russlands Präsident bei den Schröders in Hannover zu Besuch. Ein Arbeitsbesuch, aber so privat wie möglich, lautete der Auftrag für das Protokoll des Kanzleramtes. Seit Tagen herrschte im so genannten Zoo-Viertel rund um die Privatwohnung des Kanzlers die höchste Sicherheitsstufe. Ausdrücklich hatte Gerhard Schröder seinen russischen Duzfreund für dieses sonntägliche Arbeitsessen zu sich nach Hause eingeladen. Ähnlich wie Schröder auf der Rückkehr von seiner Asien-Reise mit seinem Abstecher in Moskau schaute jetzt Putin auf dem Rückflug von einem Griechenland-Besuch bei seinem Freund Gerhard vorbei.

Beide Staatsmänner demonstrierten von Beginn an ihre Vertrautheit. Noch etwas müde, aber betont leger mit offenem Hemdkragen und ohne Krawatte erschien Schröder am Vormittag am Flughafen Hannover-Langenhagen. "Mir ist gesagt worden, der Präsident habe keine Krawatte um. Deshalb trage ich auch keine", gestand Schröder umstehenden Journalisten. Ein gut gelaunter Putin im dunklen Strickhemd stieg wenig später aus der Präsidenten-Iljuschin 96. Es folgen eine kurze Umarmung am Fuße der Gangway, ein Händeschütteln für die Journalisten und dann gelöstes Lachen auf der Rückbank der schwarzen Nobelkarosse.

Seit dem Besuch des Ehepaares Schröder im Januar bei den Putins anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfestes einschließlich eine Schlittenfahrt zu viert, zelebrieren der Präsident und der Kanzler ihr Verhältnis zunehmend als deutsch-russische Männerfreundschaft. Zu Gute kommt dem, dass der 49-jährige Putin nahezu fließend Deutsch spricht.

Seit Tagen wurde in den lokalen Medien Hannovers gerätselt, was Doris Schröder-Köpf dem Gast aus Russland wohl servieren werde. Einer der besseren Köche Hannover habe bei der Vorbereitung geholfen, ist aus dem Umfeld des Protokolls zu hören. "Ansonsten kann dieses Treffen gar nicht privat genug sein", sagt ein Mitarbeiter aus Berlin.

Die seit Anfang der Woche von russischer Seite vorsichtshalber angemietete Präsidenten-Suite des Maritim Grand Hotels in Hannover bleibt an diesem Sonntag leer. Rund 40 Angehörige der russischen Botschaft hatten dort - einschließlich abhörsicherer Telefonleitungen - alles für den Fall herrichten lassen, dass ihr Präsident sich während seines kurzen Hannover-Besuchs doch mal zurückziehen möchten.

"Ich muss hervorheben, dass die Familie Schröder sehr bescheiden lebt", sagt der Gast aus Russland anschließend in einer kurzen Pressekonferenz. "Die Wohnung ist bescheiden, aber sehr gemütlich." Und damit es noch ein bisschen heimeliger sei, habe Schröders Ehefrau am zweiten Adventssonntag gleich alle vier Kerzen angezündet. Über die Ergebnisse ihrer Gespräche berichten Putin und Schröder indessen nur spärlich. Die Botschaft der kurzen Stippvisite ist: Russland und Deutschland pflegen dank des guten Kontaktes ihrer beiden Spitzenpolitiker zu den weltpolitischen Konfliktthemen Afghanistan und Nahost bisher und auch künftig einen kurzen Draht.

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