Ein Kurs für Newbies
Die Computerwelt hat ihre eigene Sprache

Wer sich im Internet tummelt, braucht umfassende Sprachkenntnisse: Die Netz-Gemeinde benutzt ein Kauderwelsch aus Englisch und Abkürzungen.

Lars Petersen steht die Hilflosigkeit ins Gesicht geschrieben: Der Angestellte hat eine Mail bekommen, die er beim besten Willen nicht entziffern kann. Gespickt mit Abkürzungen und Fachbegriffen wirkt sie wie die schlecht übersetzte Bedienungsanleitung eines koreanischen Haushaltsgeräts. Dabei ist sie vollkommen korrekt geschrieben. Sie bedient sich jedoch einer vollkommen neuen Kommunikation: Computer-Englisch.

Nicht nur Neulingen - in Fachkreisen auch Newbies genannt - fällt es schwer, sich in der Computer-Welt zurechtzufinden. Auch Kenner der information technologie (IT) stoßen immer häufiger auf unverständliche Codierungen. Denn die IT-Sprache ist ein oft kryptisches Gemisch aus Englisch und verschiedensten Abkürzungen. Die Erklärung dafür ist zwar einfach - die gemeinsame Sprache Englisch folgt dem Trend der Globalisierung und für lange Worte fehlt schlichtweg die Zeit. Doch der Nachteil dieser Entwicklung liegt auf der Hand: Das Computer-Kauderwelsch erschließt sich nur noch Insidern. Allen anderen bleiben nur Fachwörterbücher oder Glossare im Internet (www.networds.de, netlexikon.de, computerlexikon.com oder interlexikon.de). Dort gibt es neben Übersetzungen auch Hintergrundinformationen zu Begriffen von A wie Avatar (virtuelles Wesen im Internet) bis Z wie ZIP (Datei-Endung, die ein komprimiertes Format anzeigt).

Der Unterschied zwischen Qwertz- und Qwerty-Keyboard

Aber es gibt auch spezielle Sprachkurse, die entnervten Arbeitnehmern wie Lars Petersen die Welt der Computer-Sprache öffnen. Dort lernen sie dann die Bezeichnungen der Geräte an ihrem Arbeitsplatz kennen - dass sich hinter einem high-resolution screen (hochauflösender Monitor) oder einem LCD-screen (liquid crystal display) ein hochqualitativer Bildschirm verbirgt, und dass sämtliche Zusatzgeräte wie Drucker, Scanner oder Modem als peripherals bezeichnet werden. Und steigen auch noch tiefer in die Materie ein. Denn die meisten Anwender wissen zwar, was es heißt, per mouseclick und cursor über eine website zu scrollen - doch Hand aufs Herz: Wissen Sie, ob Sie mit einem Qwertz- oder einem Qwerty-Keyboard arbeiten? Dabei ist die Antwort ganz leicht: Sie erschließt sich mit einem Blick auf die Tastatur: Exemplare aus dem angelsächsischen Sprachraum zeigen die Buchstabenfolge q,w,e,r,t,y..., während nach deutscher Fertigung die Reihenfolge q,w,e,r,t,z... lautet.

Schon im täglichen Umgang mit unserem Computer lauern Fallen. Beim Kauf lockt als Werbeslogan das berühmte plug & play. Doch was steckt dahinter? Plug steht für den Stecker, das nachfolgende play - Spiel - betont irreführend, dass Computerarbeit mit Spaß verbunden ist. Dass dem nicht so ist, davon zeugt die bei Anwendern häufig zu hörende Abwandlung: Plug & Pray (Einstecken und Beten). Wenn sich die verschiedenen Komponenten wider Erwarten untereinander verständigen können, loben wir ihre compatibility. Ein Wort, das auch den zwischenmenschlichen Bereich zu erobern droht. So zeigt ein Beziehungsstreit mitunter, dass die Partner nicht wirklich kompatibel sind.

Das Interface verbindet Mensch und Maschine

Schnitt- und Reibungspunkte sind am interface auszumachen, das wiederum die Verbindung zwischen Mensch und Maschine kennzeichnet. Ein graphical user interface (GUI) hilft Nicht-Fachleuten durch grafische Menüs bei der Bedienung komplexer Programme. Das human interface (HI) macht die Technik anhand von Bedienungskomponenten menschentauglich (oder umgekehrt). Doch bevor uns die vielfältigen Computerprogramme ihren Dienst erweisen, müssen wir sie zum Laufen bringen. Wird die Software auf den PC gespielt, spricht man von installation. Die Erweiterung durch andere Funktionen heißt implementation. Einzelne Komponenten kommen per compilation zu einem ausführbaren Programm dazu. Erst wenn alles sitzt und passt, ist die Software einsatzfähig.

Dann beginnt die Arbeit, und die dient in vielen Unternehmen der Informationsbeschaffung und-übermittlung. Hierzu bedienen diese sich offener oder geschlossener Netze. So zum Beispiel verfügen viele Firmen über ein intranet (geschlossenes Unternehmensnetz), ein extranet (ein Intranet, das auch Kunden, Partner oder Lieferanten nutzen können) oder ein virtual private network (Privates Netz innerhalb des Internet, bei dem Leitungen zu entfernten Unternehmensstandorten gemietet werden, um die Kosten interner Kommunikation zu senken).

Knigge für den Cyberspace

Wichtigstes Medium der One-to-One-Kommunikation ist die e-mail. Und wie in allen zwischenmenschlichen Beziehungen herrschen auch in der elektronischen Welt gewisse Höflichkeitsregeln. Den Knigge des cyberspace bezeichnet man auch als netiquette. Zwar wird jedem User ein Recht auf freie Meinungsäußerung, Vertraulichkeit und Schutz des Urheberrechts zugesprochen, doch es gilt als unfein, andere User mit unnötigen oder zu langen E-Mails zu belästigen. Anzüglichkeiten verbieten sich von selbst, wozu auch das Schreiben in CAPS (Großbuchstaben) fällt, da es als Symbol für Schreien verstanden wird. Das Verschicken von Massensendungen, auch spam oder bulkmail genannt, gilt nicht nur als unfein, sondern wird sogar strafrechtlich verfolgt. Verschickte Dateianhänge, die auf dem Zielrechner nicht geöffnet werden können oder gar zu Systemstörungen führen, kursieren unter dem Namen blue bomb (blaue Bombe; gemäß dem blauen Bildschirm, den man sieht, wenn nichts mehr geht). Sie gelten als erhebliches Ärgernis, da sie zu downtimes (Ausfallzeiten) oder idle-times (Leerlaufzeiten) führen.

Die Geheimcodes der E-Mail-Gemeinde

Wie viele abgeschlossene Gemeinschaften hat auch die E-Mail- und Chat-Gemeinde Geheimcodes entwickelt. Nutzer der neuen Medien sollten diese kennen, wollen sie nicht verständnislos in ihren elektronischen Briefkasten starren. Die zahlreichen Kürzel sorgen für knappe Mail-Texte und kennzeichnen den Verfasser auch noch als Kenner der Szene. So fragt der Mail-Autor mit ptmm (please tell me more) nach mehr Informationen, vergewissert sich mit kwim (know what I mean) allseitigen Verständnisses oder verkündet mit nrn (no reply necessary), dass Antworten unnötig ist. Kleinigkeiten werden mit nbd (no big deal) abgetan, Meinungen als pov (point of view) gekennzeichnet und der eigene Kenntnisstand mit afaik (as far as I know) unterstrichen. Verfällt der Verfasser ins Ironische, taucht schon mal ein imho (in my humble opinion), ein ohdh (old habits die hard) oder ein gigo (garbage in, garbage out) auf. Der Hinweis ga (go ahead) gilt als zustimmende Handlungsaufforderung, während asap (as soon as possible) auf baldige Ergebnisse drängt. Wer überhaupt keine Zeit mehr findet, verfällt auf qad-Lösungen (quick and dirty) und weist Anfragen mit einem unziemlichen rtfm (read the fucking manual) von sich, weil er sich belästigt fühlt und der Schreiber erst einmal das Benutzerhandbuch studieren sollte. Kurz vor dem Wochenende taucht häufig ein tiefer Seufzer in den Mails auf: tgif (Thank God It's Friday). Der kiss in der E-Mail steht leider nicht für einen schriftlichen Kuss, sondern lediglich für eine Aufforderung zur Einfachheit (keep it simple, stupid). Wer etwas Dummes oder Falsches von sich gibt, erntet ein lol (laughing out loud) oder gar ein ausgelassenes rotflbtc (rolling on the floor laughing, biting the carpet) als Antwort.

Emoticons bringen eine persönliche Note ins Spiel

Leider können E-Mails immer noch kein Face-to-Face-Gespräch ersetzen. Eine persönliche Variante, um dem Kommunikationspartner auch auf schriftlichem Wege den Wink einer vielsagenden Mimik zukommen zu lassen, sind die Emoticons. Wer sich unter :-) nichts vorstellen kann, sollte seinen Kopf um 90 Grad nach links drehen und entdeckt - mit ein wenig Fantasie - ein lächelndes Gesicht. Kaum eine E-Mail kommt noch ohne diese Smilies aus. Auf diese Weise unterstützen ;-) Augenzwinkern, :-( bitterböse Mine oder :-D lautes Lachen die geschriebene Aussage. Manchmal verraten die kleinen Symbole auch noch mehr vom Anderen. Mit wenigen Zeichen outen sich auf dem data highway die %-) Überarbeiteten, die (-: Linkshänder, die 8-) Sonnenbrillenträger, die :-)(:)) Schwangeren, die : * ) Betrunkenen und die o:-) Heiligen. Es ist eben genau wie irl (in real life), wie im richtigen Leben. Und vom "normalen" Menschen zum netizen (Kombination aus net=Internet und citizen=Bürger) braucht es meist nur einen Mausklick.

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