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Ein Lauf mit dem Tod: Pamplonas legendäres StiertreibenDPA-Datum: 2004-07-06 10:00:02

Pamplona/Madrid (dpa) - Mehr als 40 Jahre lang hatte Fermín Etxeberría regelmäßig an den berühmten Stiertreiben in seiner Geburtsstadt Pamplona teilgenommen. Er galt als einer der erfahrensten Läufer und kannte die Strecke im Schlaf.

Pamplona/Madrid (dpa) - Mehr als 40 Jahre lang hatte Fermín Etxeberría regelmäßig an den berühmten Stiertreiben in seiner Geburtsstadt Pamplona teilgenommen. Er galt als einer der erfahrensten Läufer und kannte die Strecke im Schlaf.

Am 8. Juli vorigen Jahres wurde der 62-jährige Gastwirt von einem der Bullen überrannt, erlitt einen Schädelbruch, fiel ins Koma und starb zehn Wochen später im Krankenhaus. Etxeberría war das 14. Todesopfer in der Geschichte eines uralten Spektakels, das jeden Juli Hunderttausende Menschen in die nordspanische Stadt lockt. An diesem Mittwoch ist es wieder soweit: Bis zum 14. Juli werden jeden Morgen pünktlich um 08.00 Uhr jeweils sechs Kampfstiere und sechs Leitochsen auf einer 825 Meter langen Strecke durch die Altstadt bis in die Arena getrieben, wo sie abends dann von den Toreros getötet werden. Bis zu 3000 waghalsige junge Männer, die «mozos», rennen dabei vor den Tieren her. Als einzige «Waffe», um die 600-Kilo-Kolosse von sich fern zu halten, ist eine zusammengerollte Zeitung erlaubt.

Der Tod Etxeberrías sollte den Teilnehmern auch als Mahnung dienen: Allen Vorkehrungen zum Trotz bleibt die Hatz lebensgefährlich. Das gilt insbesondere für unerfahrene Touristen - von den Einheimischen werden sie als «patas» (Trottel) verspottet. Nicht selten wagen sie sich nach einer durchzechten Nacht auf die Strecke, unterschätzen im Adrenalinrausch das Risiko. Besonders gefährlich ist es, wenn die Möchtegern-Toreros die Stiere am Schwanz packen oder gar zu reiten versuchen: Die Bullen werden dadurch abgelenkt und gehen gezielt auf einzelne Läufer los. 427 Verletzte gab es im vergangenen Jahr.

Für die echten «mozos» ist die durch Ernest Hemingways Roman «Fiesta» (1926) weltberühmt gewordene Stierhatz dagegen eine richtige Kunst. Sie sind in Vereinen organisiert und bereiten sich das ganze Jahr auf den kaum mehr als zweieinhalb Minuten langen Lauf vor. Dieses Jahr hat Pamplona (185 000 Einwohner) sich das Fest zu Ehren des Schutzheiligen San Fermín 2,7 Millionen Euro kosten lassen. Abgesehen von den Stiertreiben («encierros») gibt es auch 132 Konzerte und andere Veranstaltungen. Den Auftakt bildet am Dienstag (6. Juli) der Abschuss einer Rakete vom Rathausbalkon, genannt der «chupinazo». Was folgt sind «204 Stunden Fiesta nonstop».

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