"Ein Meer der Zwietracht"
Europäer setzen auf Dialog am Mittelmeer

Das Mittelmeergebiet sollte ein "Raum der Stabilität, des Friedens und des Wohlstands" sein. So hatten es sich die 15 Staaten der Europäischen Union und zwölf Anrainer des südlichen und östlichen Mittelmeers vorgenommen, als sie im November 1995 in Barcelona einen "Mittelmeer-Pakt" schlossen. Knapp sieben Jahre später ist von den hehren Vorsätzen wenig geblieben. Am Südrand des Mittelmeers kann von Frieden und Wohlstand keine Rede sein.

dpa MADRID. In kaum einer anderen Gegend der Welt schwelen in einem geographisch relativ kleinen Raum so viele Konflikte wie am Mittelmeer - vom Nahost-Konflikt über die Zypern-Frage bis hin zum Streit zwischen Marokko und Algerien um die Westsahara. "Das Mittelmeer ist kein Meer des Zusammenhalts, sondern noch immer ein Meer der Zwietracht", stellt der Staatssekretär im spanischen Außenministerium, Miquel Nadal, enttäuscht fest.

Die Außenminister der EU-Staaten und der südlichen Mittelmeer- Anrainer wollen nun bis zum Dienstag auf einer Konferenz in Valencia den fast in Vergessenheit geratenen "Barcelona-Prozess" neu beleben. Ihr Treffen in der spanischen Hafenstadt stand unter keinem guten Vorzeichen. Auf Grund der Lage im Nahen Osten sah es zeitweise so aus, als würde die Konferenz abgesagt. Nun gilt es schon als ein Erfolg, dass sie überhaupt stattfindet.

Erstmals seit der militärischen Offensive Israels in den besetzten Gebieten kommen in Valencia ranghohe Delegationen von Israelis und Palästinensern am Verhandlungstisch zusammen. Die Außenminister werden jedoch keine neue Friedensformel für den Nahen Osten präsentieren. Sie wollen vielmehr der Zusammenarbeit zwischen den Ländern auf beiden Seiten des Mittelmeers neuen Schwung verleihen. Für die spanische EU-Ratspräsidentschaft ist dies ein dringendes Anliegen. Der islamische Terror und die unkontrollierte Einwanderung in die EU könnten nur gestoppt werden, wenn im Mittelmeerraum eine Atmosphäre des Dialogs herrsche und die Länder am Südrand sich wirtschaftlich fortentwickelten, heißt es in Madrid.

Das Mittelmeer, im Altertum einst ein geopolitisches Zentrum und die Wiege der westlichen Zivilisation, ist heute zu einem tiefen Graben geworden, der zwei Welten voneinander trennt. Seit dem Barcelona-Übereinkommen wurde die Kluft noch tiefer. Die Staaten südlich des Mittelmeers fielen wirtschaftlich weiter zurück. Auf sie entfällt nur ein Prozent der Direktinvestitionen in aller Welt. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt nicht einmal ein Zehntel des EU-Niveaus. Fast täglich werden in Spanien, Italien oder Griechenland illegale Einwanderer aufgegriffen, die auf eigene Faust den "Graben" zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden überwinden wollen.

Die Spanier wollen verhindern, dass der Nahost-Konflikt auf dem Außenministertreffen alle anderen Fragen an den Rand drängt. Sie wollen vielmehr erreichen, dass die Minister einen "Aktionsplan" verabschieden, der in monatelangen Gesprächen ausgehandelt wurde. Danach sollen die Staaten auf beiden Seiten des Mittelmeers ihre Zusammenarbeit auf drei Ebenen ausbauen:

Erstens soll auf politischem Gebiet die Kooperation beim Kampf gegen den Terror und gegen die illegale Immigration intensiviert werden. Zweitens sollen im Bereich der Wirtschaft die Investitionsbedingungen südlich des Mittelmeers verbessert werden. Drittens wollen beide Seiten den Dialog zwischen den Kulturen intensivieren und eine Stiftung für den euro-mediterranen Kulturaustausch schaffen.

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