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Ein neues Buch über die Flick-Familie

Jede Woche finden Sie hier Rezensionen aus der Handelsblatt-Redaktion.

Thomas Ramge: Die Flicks - Eine deutsche Familiengeschichte über Geld, Macht und Politik. Campus Verlag, Frankfurt 2004, 288 Seiten, 24,90 Euro.

Einen besseren Zeitpunkt hätte sich der Campus-Verlag gar nicht aussuchen können. Thomas Ramges Buch über "Die Flicks" platzt mitten in die Diskussion um die große Flick-Kunstsammlung, die am 22. September in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Die Schau ist als "Friedrich Christian Flick Collection" geplant. In der vergangenen Woche hatte sich Dagmar Ottmann, die Schwester des Milliardärs und Sammlers Friedrich Christian Flick, in einem offenen Brief für eine Verschiebung der Ausstellung ausgesprochen. Die Auseinandersetzung zeigt, wie schwierig auch fast sechzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs der Umgang mit dem Familiennamen ist. Autor Thomas Ramge geht zu den Wurzeln des "Flick-Mythos" zurück. Großvater Friedrich Flick machte mit den Nazis gemeinsame Sache. Er war Hitlers größter Rüstungslieferant. Er beutete Zwangsarbeiter aus und profitierte von der Enteignung jüdischen Besitzes. 1947 wurde er in einem der Kriegsverbrecherprozesse verurteilt. Nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis baute er den Konzern wieder auf und war schon 1960 wieder einer der reichsten Männer Deutschlands. Heute ringen die Enkel um Akzeptanz - mit einem Familiennamen, der gelegentlich zur Belastung wird, wie Ramge eindrucksvoll schildert. Christoph Moss

Dieter Brandes: Alles unter Kontrolle? Campus Verlag, Frankfurt 2004, 180 Seiten, 24,90 Euro.

Wie man mit minimalen Mitteln Riesenerträge produziert, hat Dieter Brandes als Geschäftsführer beim Discounter Aldi bewiesen. Jetzt ist er Strategieberater und schreibt Bücher. In seinem neuesten nimmt er sich die Kontrolle vor. Sein Befund: Keiner will gern kontrolliert werden, keiner kontrolliert gern. Mit der Folge, dass jede Menge Fehler passieren. Weil Chefs ihren Mitarbeitern blind vertrauen. Oder weil sie hinter jeder Tür einen Feind wittern. Brandes weist mit Akribie nach, dass Kontrolle auch den Kontakt zwischen Führung und Angestellten befördern kann. Wer zeigt, dass er sich für die Arbeit seiner Leute interessiert, erzeugt dadurch Vertrauen. Wenn Kontrolle also als Interesse und Zuwendung, als echte Kommunikation daherkommt, so Brandes, wird sie sogar zum Motivationsfaktor. David Selbach

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