Ein neues Debakel ist nicht zu befürchten
Viele Fragezeichen um Hedge Funds

Die Veränderung der Weltordnung nach den Attentaten in den USA wird sich kurzfristig stark auf das Finanzmarkt-Geschehen auswirken. Nachdem die Tragweite der gegen die freie Welt gerichteten Anschläge bisher nur in Ansätzen erkennbar ist, zeichneten Beoabachter gestern erste Krisen-Szenarien. Dabei wurde auch über die Auswirkungen auf die Versicherungsbranche und über mögliche Zusammenbrüche großer Kapitalsammelstellen, vor allem die Hedge Funds, diskutiert.

FRANKFURT/M. Die von Finanzmarkt-Akteuren geführten Gespräche drehten sich auch um die Frage, ob das Chaos in New York in irgendeiner Form negativ auf die Hedge Funds wirken könnte. Diese hatten zuletzt enormen Einfluss auf den globalen Finanzmärkten gewonnen. Größere Zusammenbrüche wie im Falle von LTCM im August 1998 werden jedoch nicht erwartet. "Es gibt keine Indikationen für eine von Hedge Funds ausgehende Finanzmarktkrise", sagt Dr. Alexander Schweickhardt, Vorstand der Schoeller Capital Management AG in Wien.

"Die Attacken waren nicht nur gegen die USA gerichtet, sondern sind auch als Angriff gegen die Globalisierung und den Kapitalismus zu verstehen", so Wolfgang Stolz, Vorstand der UBS Warburg AG in Frankfurt. Hedge Funds seien nun einmal die Instrumente des Kapitalismus schlechthin, da sie weltweit Kapital transferieren und politische sowie ökonomische Ineffizienzen in den verschiedenen Regionen und Ländern aufzeigen und ausnutzen.

Das im New Yorker Finanzdistrikt herrschende Chaos lasse eine detaillierte Bestandsaufnahme derzeit noch nicht zu, sagte Stolz. Man müsse abwarten, ob einzelne Hedge-Fund-Manager durch die Kriegserklärung von Terroristen in persönliche und/oder finanzielle Schwierigkeiten geraten seien. Zudem sei derzeit noch nicht konkret darstellbar, ob sich etwa aus Kredit-Verpflichtungen von zu Schaden gekommenen Häusern in einer Kettenreaktion Verluste ergäben.

Gegenreaktion der Wall Street möglich

Das Wohl und Wehe der Branche sei eng mit der Zukunft der Aktienbörsen verbunden. Eine Gegenreaktion der Wall Street hält Hans-Jürgen Klisch vom Finanzhaus Raymond James & Associates für möglich. Diese könne eintreten, wenn die von Experten aufgezeigten Horror-Szenarien militärischer Rückschläge der USA ausbleiben, wenn die Situation in Nahost nicht weiter eskaliere und der Ölpreis seinen Höhenflug nicht fortsetze. Der erfahrene Analyst Ralph Bloch vom gleichen Finanzhaus zieht vergleichbare Krisen zurate. Im Fall von Pearl Harbor, bei der Kuba-Krise und beim Attentat auf John F. Kennedy habe die Wall Street kurzzeitig mit Verlusten reagiert; danach seien die Kurse aber kräftig gestiegen. Käme es auch in der jetzigen Phase so, dürften viele Akteure auf dem falschen Fuß erwischt werden. Dies gelte auch für Hedge Funds. Am Dienstag waren auf Aktien-Strategien ausgerichtete Hedge Funds an den Märkten kaum aktiv, da klare Indikationen über die zu erwartende Preisbildung von US-Aktien fehlten.

Bekanntlich können die wenig regulierten und meist von Steueroasen aus operierenden Geldpools an den Märkten auf steigende und fallende Kurse spekulieren. Jene Hedge Funds, die beim oben geschilderten Szenario gegenwärtig auf ein weltweites ökonomisches Desaster und auf eine Börsen-Baisse spekulieren, könnten bei einer Gegenreaktion der Börsen arg in Bedrängnis kommen, so Klisch.

Auswirkungen nicht absehbar

"Die Auswirkungen auf die Branche der Hedge Funds sind derzeit allerdings nicht exakt absehbar", sagt Markus Hampel von der Commerzbank. Er verweist darauf, dass es sich bei diesem Industriezweig wegen der unterschiedlichen Strategien und Märkte um keine homogene Branche handele. Der eine oder andere Fondsmanager dürfte wohl auf dem falschen Fuß erwischt werden. Doch seien die Risiken bei Hedge Funds geringer als bei traditionellen Investmentfonds. "Es liegt in der Natur der Sache, dass Hedge Funds mit Long/Short-Strategien bei Aktien mit großer Wahrscheinlichkeit besser abschneiden, als Investmentfonds mit reiner Long-Strategie", sagt Schweickhardt.

"Keiner unserer Hedge-Fund-Manager hatte sein Büro im World Trade Center", so Markus Hampel. Im übrigen habe man bei der Auswahl der Geldverwaltungs-Unternehmen für die Hedge-Fund-Dachfonds der Commerzbank großen Wert auf das Thema Sicherheit gelegt. Jeder Manager habe einen Plan vorlegen müssen, der Maßnahmen hinsichtlich der Datensicherung und der Fortführung der Geschäfte im Katastrophenfall beinhaltet.

"Unsere New Yorker Mitarbeiter lecken zunächst ihre Wunden", hieß es in der für die Hedge-Fund- Produkte verantwortlichen Abteilung der Deutschen Bank. Die US- Mitarbeiter des Instituts würden ihre Arbeit zunächst über Mobilfunk koordinieren. Ein detaillierter Überblick über das Hedge-Fund-Geschäft der Deutschen Bank AG, das inzwischen ein beachtliches Volumen erreiche, könne erst in einigen Tagen gegeben werden.

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