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Ein neues Zuhause für Eloise

In einer Stadt, die niemals schläft, bleibt kaum Zeit für Erinnerungen. New York ist ständig auf der Suche nach dem Morgen. Was gestern war, interessiert hier kaum noch jemanden. Manchmal jedoch holt die Geschichte die New Yorker ein und zieht sie ganz in ihren Bann.

In einer Stadt, die niemals schläft, bleibt kaum Zeit für Erinnerungen. New York ist ständig auf der Suche nach dem Morgen. Was gestern war, interessiert hier kaum noch jemanden. Manchmal jedoch holt die Geschichte die New Yorker ein und zieht sie ganz in ihren Bann. Am Samstag ist wieder so ein besonderer Tag. Dann schließt das weltberühmte Plaza Hotel an der Fith Avenue für fast zwei Jahre seine Türen. Der 1907 eröffnete, 19stöckige Beaux Art Prachtbau direkt gegenüber dem Central Park soll umgebaut werden. Die israelische Immobiliengesellschaft Elad will aus dem Tempel der Erinnerungen 150 Luxus-Appartements und ein wesentlich kleineres Hotel machen.

Wo früher Marlene Dietrich, Greta Garbo, Salvador Dali und Ronald Reagan auf den Central Park blickten, sollen demnächst betuchte Wall-Street-Banker eine Wohnung mit Aussicht kaufen können. Unzählige New Yorker haben schon einmal im Palmengarten an ihrem Tee genippt oder wie Yoko Ono und John Lennon in der Oak Bar einen Whiskey geschlürft. Hier war es auch, wo Stalins Tochter Svetlana Alliluyeva mit dem Kommunismus brach und Cary Grant in Hitchcock's Film "Der unsichtbare Dritte" gekidnappt wurde. Kein anderes Hotel in New York vereinigt soviel Luxus und Glamour, so viel Prominenz und Weltgeschichte unter einem Dach. Selbst die Kinder Amerikas kennen das Plaza: wohnte doch die sechsjährige Kinderbuchheldin Eloise mit ihrer Schildkröte Skipperdee im Penthouse des Hotels.

Wenn so viel Geschichte auf dem Spiel steht, hält selbst New York den Atem an. Und nicht nur das. Die Welthauptstadt des Kapitalismus, die wie kein anderer Ort vom schnöden Mammon regiert wird, zeigt sich von ihrer sozialen Seite. Bürgermeister Michael Bloomberg persönlich hat sich dafür eingesetzt, dass die weltberühmten Schauplätze im Hotel erhalten bleiben. Er hat auch dafür gesorgt, dass 348 der 805 Hotelzimmer und 350 der 900 Arbeitsplätze gesichert werden. "Das (Plaza) ist ein Teil von New York", begründete Bloomberg seinen Eingriff in die harten Spielregeln des Immobilienmarktes.

Dass die neuen Eigentümer den Wünschen ohne allzu großen Widerstand zugestimmt haben, scheint auf den ersten Blick überraschend. Haben sie doch im vergangenen Jahr mit 675 Millionen Dollar einen stolzen Preis für das Plaza gezahlt und geben jetzt noch einmal 350 Millionen Dollar für den Umbau aus. Das rechnet sich nur, wenn sie möglichst viele Luxus-Appartements für einen Preis von zehn Millionen Dollar und mehr verkaufen. Amerika wäre jedoch nicht Amerika, wenn die Immobilienunternehmer aus der großen Anteilnahme nicht doch noch Kapital schlagen würden. So soll die Kinderbuchheldin Eloise nach der Wiedereröffnung 2007 wieder ein eigenes Zimmer erhalten - damit auch künftig kleine Mädchen ihre Eltern und Großeltern in den Prachtbau am Central Park lotsen. Das Plaza bleibt so in aller Munde und der Kapitalismus zeigt sein menschliches Gesicht.


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