Ein Punkt zum Titel fehlt nun noch
Schumacher fährt sich frei

Das Formel-1-Rennen in Indianapolis war tubulent - aber nicht turbulent genug, um Michael Schumacher auf seiner Fahrt zum sechsten Weltmeister-Titel zu stoppen. Jetzt fehlt dem Kerpener nur noch ein Punkt zur Verteidigung des WM-Titels.

HB INDIANAPOLIS. Der Ferrari-Pilot holte am Sonntag beim Großen Preis der USA seinen sechsten Saisonsieg in der Formel 1 und führt zwei Wochen vor dem letzten Grand Prix in Suzuka mit 92 Punkten vor dem Finnen Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes, der als Zweiter jetzt neun Zähler Rückstand hat. Bei Gleichstand geben Schumachers mehr errungene Siege den Ausschlag.

"Es hätte fast nicht besser gehen können. Unsere Reifen waren unglaublich bei diesen Bedingungen", sagte Schumacher, der sich im Reifen-Lotto als Gewinner fühlen durfte. Dabei musste er nur eine Runde nach dem ersten Boxenstopp die Slicks wechseln, was sich als Glücksfall erweisen sollte. "Wir sind unserem Ziel ein großes Stück näher gekommen. Es war wichtig, in diesem Stadium zu gewinnen."

Nach dem Meilenstein Richtung sechstem Titel, mit dem Schumacher Juan Manuel Fangio überrunden würde, wird die Weltmeisterschaft zum 14. Mal in einem Zweikampf entschieden. Zuletzt stritten Eddie Irvine und Mika Häkkinen 1999 um die Krone der Formel 1. Michael Schumacher, dem in Japan ein achter Platz reicht, war bei drei Herzschlag-Finals zwei Mal der Dumme. Nur 1994 nicht, als er Damon Hill hinter sich ließ. "Wir haben eine sehr gute Ausgangsposition", sagte Schumacher. "Aber man weiß nie, was passiert. Erst muss ich ins Ziel kommen."

Räikkönen hat den Titelkampf noch nicht aufgegeben. "Vielleicht wird das Rennen schwierig, dann kann alles passieren", so der Finne. "Eine kleine Chance bleibt", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Wir kämpfen weiter." Juan Pablo Montoya (Williams-BMW) schied als Sechster aus dem Titelrennen aus. Dritter wurde der Mönchengladbacher Heinz-Harald Frentzen, der wie sein Team-Kollege Nick Heidfeld als Fünfter ein großartiges Rennen fuhr. "Wir hatten eine schwierige Saison. Heute waren perfekte Bedingungen für uns", sagte Frentzen.

Schon der Start hätte Schumacher kaum besser gelingen können. Während er sich von Platz sieben auf vier verbesserte, fiel Konkurrent Montoya von vier auf sieben zurück. Der Dritte im WM- Bunde, Kimi Räikkönen, baute von der Pole Position seine Führung zunächst kontinuierlich aus. Da auch der zweite Ferrari mit Rubens Barrichello vor Montoya fuhr, schien alles nach Plan für Chef- Taktiker Ross Brawn zu laufen. Bis zur dritten Runde, als Montoya, beim Versuch Barrichello zu überholen, den Brasilianer ins Kiesbett drückte. Die Renn-Kommissare berieten; und Montoya musste zur Strafe durch die Boxengasse fahren.

Für den fünfmaligen Weltmeister lief aber auch nicht alles nach Plan. Regen bremste den Kerpener aus und ließ ihn in der sechsten Runde von Rang drei auf sechs zurückfallen. Bis zu zwölf Sekunden betrug bisweilen der Rückstand auf Räikkönen. Hinzu kam eine Fehlentscheidung, die das Rennen schon früh hätte entscheiden können. Denn als Michael Schumacher in der 20. Runde an die Box fuhr, hieß es bei Ferrari: "Regenreifen? Nein danke." Nur wenige Meter später begann es freilich abermals zu regnen. Das Flaggschiff der "Scuderia" musste in der 21. Runde nochmals Kurs Richtung Box nehmen.

Ein Wechselbad durchlebte während dessen Ralf Schumacher. Aus der Boxengasse setzte er sich an die Spitze - und musste seinen BMW - Williams nur eine Runde später nach einem Ausritt ins Grüne abstellen. "Ich glaube nicht, dass ich mich da vorne einmischen musste", hatte der Wahl-Österreicher schon vorher angekündigt. Als Bruder und Montoya-Teamkollege stand er zwischen den Fronten und konnte deshalb seinem Ausscheiden zumindest ein Gutes abgewinnen.

Sein Bruder startete unterdessen die Verfolgung, die in Runde 27 mit dem Überholen von Räikkönen einen ersten Höhepunkt hatte. Mit dem Überrunden des bestraften Montoya auf Platz zehn setzte sich der Erfolgsweg nur fünf Kilometer später fort. Nach der Hälfte der Distanz war er - zumindest theoretisch - am Ziel seiner Träume. Da setzte sich der 34-Jährige an die Spitze; Raikkönen war in Runde 37 Vierter; Montoya Neunter.

Einen denkwürdigen Zwischenstand gab es in der 48. Runde, als drei Deutsche das Feld anführten. Frentzen, der mit seinem Sauber-Petronas nur ein Mal an die Box musste und damit zu den wenigen Gewinnern der Regenlotterie zählte, führte vor Schumacher und Heidfeld. Nach den Boxenstopps ging Schumacher aber wieder in Front - und "verlor" sechs Runden später trotzdem den WM-Titel. Räikkönen setzte sich vor Frentzen auf Platz zwei und machte mit 92:83 Punkten das Titelrennen zu einem Zweikampf. Montoya blieb außen vor.

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