Ein Rundgang durch Polens Hauptstadt
Wo Chopin flanierte, komponierte und spielte

Manchmal kratzt er an den Wolken, der 234 Meter hohe Kulturpalast. Mitten in Warschau steht dieser Koloss. Er hat graue Mauern, tausend kleine Fenster, und er ähnelt den Moskauer Hochhäusern im Zuckerbäckerstil. Leicht lässt sich seine Eingangstür aus massivem Holz öffnen, langsam dreht sich die zweite Tür aus Glas. Säle mit Marmorsäulen und Kristall-Leuchtern grenzen an das Foyer.

WARSCHAU. Als Ausgangspunkt für Stadtbesichtigungen sei der Kulturpalast gut geeignet, heißt es in Warschau. Im Übrigen ist der Turm heftig umstritten. Denn als "Geschenk der Völker der Sowjetunion" wurde er in den Jahren 1952 bis 1955 gebaut. "Bitte einsteigen!", ruft die rothaarige Frau in blauer Uniform, die auf einem Drehstuhl im Lift des Kulturpalastes sitzt, und drückt auf einen schwarzen Knopf. Blitzschnell saust der Aufzug hinauf zur Aussichtsterrasse in der 30. Etage.

Eiskristalle glitzern am Balkongitter. Es ist kalt, so kalt, dass beim Ausatmen kleine Dampfwolken aufsteigen. Schnee liegt in den Ecken des Bogengangs, der den Kulturpalast umrundet. 114 Meter tiefer erstreckt sich das winterliche Warschau: Graue Wohn- und Büroblocks, dazwischen das Kaufhaus Galeria Centrum, die Halle des Zentralbahnhofs, die Weichsel - und ein Dutzend neuer Wolkenkratzer aus Stahl und Glas, wie zum Beispiel die Bank Austria und das Inter-Continental Hotel. Wegen dieser modernen Türme beherrscht der Kulturpalast das Warschauer Stadtbild nun weniger stark. Eine Veränderung mit Symbolcharakter.

Wieder hinunter auf der Erde joggen im Lazienki-Park an diesem kalten Sonntagmorgen nur Unentwegte an einem vorbei. Wie Puderzucker liegt der Schnee auf Allee- Bäumen, auf Stegen und auf den antikisierenden Tempeln. Auch die Bronzestatue, die an den Komponisten Fryderyk Chopin erinnert, trägt eine weiße Mütze. An den Säulen und auf den Balkonen des "Palastes auf der Insel" kuscheln sich Pfauen aneinander.

Ein paar Straßen weiter beginnt die Innenstadt mit zahlreichen bekannten Restaurants. In der Künstlerküche (Qchnia Artystyczna), einer Gaststätte im Schloss Ujazdów, servieren Kellnerinnen neu interpretierte polnische Gerichte. Junge, erfolgreiche Warschauer sitzen an den Tischen. Von der Terrasse aus sind der zugefrorene Piaseczynsi- Kanal und der Lazienki-Park zu sehen. Das Restaurant Pod Samsonem" in der ulica Freta 3/5, nördlich der Stadtmauer und des Neustädter Tors gelegen, pflegt eine polnisch-jüdische Küche. Cafés sowie Mode- und Kosmetikläden säumen die ulica Nowy Swiat (Neue Welt), in der sonn- und werktags viele Menschen flanieren.

Das Café Blikle in der Nowy Swiat 33 erwarb sich Anerkennung seit 1869 vor allem durch seine "paczkis", eine Art Berliner Pfannkuchen. Das Café Nowy Swiat in der gleichnamigen Straße mit der Hausnummer 63 lässt den Gast hingegen wegen seiner hohen Räume, bequemen Sessel und eines Tisches voller Tageszeitungen an Wiener Kaffeehäuser denken. Mercer's, ein amerikanischer Coffee Shop (Nowy Swiat 25), öffnet täglich schon um sieben Uhr früh.

Vorbei gehts an Kirchen, Denkmäler und Adelsresidenzen zum Warschauer Stadtschloss. Die Universität, das Hotel Bristol sowie der Präsidentenpalast säumen den Königsweg von der ulica Nowy Swiat zur alten Königsresidenz. Im Zweiten Weltkrieg zerbombt und gesprengt, wurde sie in den Jahren 1971 bis 1984 mit Hilfe von Spenden wieder aufgebaut. Sehenswert sind vor allem die königlichen Gemächer, der Rittersaal und der Canaletto-Saal mit 22 Landschaftsbildern.

Auf dem bekannten Altstädtischen Marktplatz erwarten den Besucher alte Droschken. Hufe scharren, Dampf quillt aus den Nüstern der Pferde. Cafés und Kunstgalerien haben sich in den angrenzenden wieder aufgebauten Kaufmannsäusern mit den pastellfarbenen Fassaden eingerichtet. Fast die gesamte nördliche Häuserzeile beherbergt das "Historische Museum der Stadt Warschau". Ein Dokumentarfilm, der dort läuft, zeigt die Zerstörung der polnischen Hauptstadt während des Zweiten Weltkriegs.

Ganz in der Nähe erinnern seit 1989 am plac Krasinskich Skulpturen von Kämpfern, die Barrikaden verteidigen und in die Kanalisation einsteigen, an den Warschauer Aufstand von 1944. Ein weiteres Monument, das "Denkmal der Helden des Ghettos", steht auf dem weiten Platz an der ulica Zamenhofa - an der Stelle, wo die schwersten Kämpfe zwischen jüdischen Bewohnern und deutschen Besatzern während des Ghetto-Aufstandes im April und Mai 1943 tobten. Vor diesem Denkmal kniete Willy Brandt im Dezember 1970 nieder. Ein neuer Gedenkstein, nur wenige Schritte entfernt in der Nordwest-Ecke des Platzes, ehrt den damaligen deutschen Bundeskanzler für jene symbolische politische Tat.

Auskunft: Polnisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 71, 10709 Berlin, Telefon 030/210092-0. Internet: www.polen-info.de

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