Ein Rundgang über die Photokina auf der Suche nach analogen Widerstandsnestern
Der Film, das ungeliebte Kind

Die Digitaltechnik hat die Photokina voll im Griff. Bei den Kameraproduzenten verwundert das nicht, doch selbst Filmhersteller verleugnen ihre analogen Wurzeln. In Nischen hat der Film aber überlebt und feiert sogar eine Renaissance.

KÖLN. Beschaulich war?s auf der Photokina bis die Digitaltechnik kam. Man hatte wenig zu zeigen, denn das Foto steckte in der Kamera, aus der es erst das Labor entließ. Nun ist das Bild entfesselt. Auf nahezu jedem Stand leuchten Monitore mit Bildverarbeitungs-Software, projizieren Beamer die gerade erst geschossenen Aufnahmen an die Wand oder drucken Tintenstrahldrucker die Werke sofort aus. Für den Film, der zum gemächlichen Fotografieren zwingt, scheint in der hektischen Digitalwelt der Photokina kein Platz mehr.

Auf den Ständen der großen Fotokonzerne fristen die analogen Kameras dann auch ein Schattendasein. Selbst die Neuvorstellung eines Spitzenmodells - vor Jahren ein riesiges Ereignis - geht unter. So geschehen beim analogen Spiegelreflex-Flagschiff von Nikon, der F6. Unternehmen wie Sony, Sanyo oder Casio, die erst mit der Digitalwelle zum Foto kamen, haben mit Film ohnehin nichts am Hut.

Sogar die Filmhersteller verleugnen den Film. Kodak, Agfa und Schwarz-Weiß-Spezialist Ilford schmücken sich mit Fotodrucker-Papieren, digitalen Kameras oder den neuesten Digitalmaschinen fürs Fotolabor. Ihre Wurzeln - die Filme - haben sie in spartanisch ausstaffierte Vitrinen an den Rand der Messestände abgeschoben. Das Publikum geht ob der lieblosen Präsentation achtlos an den Schaukästen vorbei. Genauso wie bei Polaroid, dem das "digitale Sofortbild" den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Star auf dem Messestand ist eine Digitalkamera für Passbildstudios, die den Minidrucker gleich eingebaut hat.

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