Ein schiefer Gegensatz
Mit Growth und Value zum Anlageerfolg

Kopf oder Wappen - Growth oder Value? Welche Anlagestrategie verspricht Erfolg? Viele Investmentfonds, Anlagemanager, auch manche Strategiezertifikate lassen sich einer der beiden "Stilrichtungen" zuordnen, einige bevorzugen Mischformen.

Growth steht für Wachstum und Technik, Value für niedrige Bewertung und Tradition. Je nach Marktphase schneiden sie unterschiedlich ab: Im Börsenboom, der bis in das Jahr 2000 währte, versteckte sich eine Schwächephase der Traditionswerte, entsprechend schlecht schnitten Value-Fonds ab. In der anschließenden Börsenschwäche verloren Growth-Depots besonders stark, während einige Value-Manager sich sogar oberhalb der Nulllinie halten konnten.

Wie sollen Anleger sich nun in dieser zweigeteilten Welt bewegen? Eine Möglichkeit wäre, auf Fonds zu setzen, die beide Strategien kombinieren oder wechseln. Die Gefahr ist, dass der Fonds dabei jeweils gerade aufs falsche Pferd setzt. Einen konsequenteren Risikoausgleich erreicht man durch eine ausgewogene Mischung möglichst klar ausgerichteter Fonds oder Zertifikate aus beiden Lagern.

Aber gehen wir noch einmal einen Schritt zurück und stellen die Frage: Verhalten sich der Growth- und der Value-Ansatz wirklich spiegelbildlich zueinander? Oder handelt es sich um eine schiefe Alternative?

Zwei Strategien unter der Lupe

Zunächst fällt auf: Der Value-Ansatz lässt sich relativ klar definieren. Es geht darum, Aktien mit einer zu hohen Bewertung auszusortieren und die mit einer zu niedrigen Bewertung gezielt höher zu gewichten. Dazu gibt es unterschiedliche Verfahren mit verschiedenen Ergebnissen. Aber es ist klar, dass die Bewertung grundsätzlich einer Expertenanalyse zugänglich ist. Ebenso klar ist, dass Bewertungen an der Börse häufig durch Stimmungen und Modetrends verzerrt werden und sich weit von rational nachvollziehbaren Niveaus entfernen.

Kern des Value-Ansatzes ist die Vorstellung, dass sich die Kurse in absehbarer Zeit mit höherer Wahrscheinlichkeit den rationalen Niveaus nähern als sich davon zu entfernen. Und wichtig: Diese Strategie lässt sich nicht durch den simplen Kauf eines Index-Zertifikates oder-Fonds ersetzen. Denn es gibt keinen Index, bei dem zu teuer gewordene Aktien automatisch aussortiert werden.

Und Growth? Bei diesem Stil geht es darum, gezielt Unternehmen zu finden, die ein besonderes Wachstum erwarten lassen. Aber nach welcher Methode? Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder es wird auch untersucht, welche Unternehmen, gemessen an ihrem Wachstum, niedrig bewertet sind. In diesem Fall sind Growth und Value aber kein echter Gegensatz, sondern laufen beinahe auf dasselbe hinaus. Die andere Methode besteht darin, weitgehend unabhängig von der Bewertung die großen Wachstumsbringer von Morgen entdecken zu wollen. Aber dafür gibt es kein rationales Verfahren - eher Glück und Geschick. Viele Marktsegmente, auf die sich Growth-Anlagemanager konzentrieren, lassen sich zudem gut durch Indizes oder Teilindizes abbilden, etwa die US-Tech-Börse Nasdaq oder das Segment der Biotechnik.

Hinter den aktiven Growth-Ansatz wäre also ein Fragezeichen zu setzen. Zumindest für die großen Marktsegmente ist eine Überlegenheit der so gemanagten Fonds über passive Indexpapiere nicht unbedingt plausibel. Der Value-Ansatz funktioniert hingegen nur aktiv; er sollte dann aber konsequent durchgeführt werden, so dass zum Beispiel auch niedrig bewertete Tech-Titel gekauft werden und nicht nur reine Traditionswerte.

Eine Aufteilung des Aktiendepots könnte im Bereich der großen Titel daher so aussehen: ein Teil Indexpapiere, die im Börsenboom gut laufen, ein anderer Teil gute Value-Fonds als Risikopuffer für schwächere Börsenzeiten.

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