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Ein schlimmes Börsenhalbjahr

Bilanz zum Halbjahr gefällig? Oder lieber wegschauen und an etwas anderes denken? Die gute Nachricht: Auch unter High-Tech-Aktien finden sich ein paar ansehnliche Gewinner. Die schlechte: Die meisten Aktien sind gnadenlos weiter verprügelt worden.

Völlig zum Verzweifeln sind die Daten des ersten Halbjahres noch nicht. Unter den großen Nasdaq-Werten (100er Index) schafften es immerhin drei Aktien, ihren Wert zu verdoppeln. Unter den dreien: Ebay. Relativ weit vorne dabei waren auch ein paar Schwergewichte: Microsoft, Apple und Dell. Hier hat sich die Wende zum Besseren offenbar vollzogen. Es sind die Riesen, die den Trend vorgeben und erste Hinweise auf eine generelle Wende erahnen lassen. Es sind die Riesen, die aus der ganzen Malaise wohl gestärkt hervorgehen könnten.

Und es sind die Kleinen, die am meisten leiden müssen. Selbst unter den Schwergewichten an der Nasdaq verloren noch einmal zehn Werte in den letzten sechs Monaten zwischen 70 und 90 Prozent. Darunter so bekannte, ehemalige Hoffnungsträger wie Palm und Juniper Networks.

Unter dem Strich sank der Nasdaq-100-Index im ersten Halbjahr um 20 Prozent. Er hielt sich damit wesenlich besser als der Neue Markt. Der hat sich mittlerweile von seinem Schrittmacher an der Wall Street abgekoppelt - ins Negative. Bis Ende Juni schafften die mehr als 300 Titel des deutschen Wachstumssegmentes immerhin ein Minus von rund 45 Prozent. Auch das ist noch nicht völlig zum Verzweifeln, weil immerhin über 40 Aktien im Plus gelandet sind. Ein winziger Hoffnungsschimmer bloß, aber immerhin. Nicht jede Neue-Markt-Aktie ist eine Pleite.

Vorsicht ist angebracht

Das gilt - ein wenig eingeschränkter noch - auch für das Blue-Chip-Segment dieses gebeutelten Hoffnungsträgers der neuen Aktiengeneration. Im Sog der SAP-Aktie schoss SAP SI im Halbjahr den Vogel ab. Fünf weitere Papiere schafften ebenfalls ein Plus. Das war es dann aber auch. Der Nemax-50-Index verlor knapp 50 Prozent und hat mittlerweile einen Doppelboden ausgebildet. Das könnte bedeuten, dass zumindest das Ende der Verlustserie eingeläutet ist. Ob es jetzt wieder kräftig nach oben geht, steht dagegen auf einem völlig anderen Blatt. Angesichts der täglichen Horrormeldungen ist weiter Vorsicht angebracht. Der Markt braucht dringend eine Bereinigung. Die Penny Stocks sollten am besten sofort wegfallen. Das klappt in den USA viel besser als hierzulande. Und der Rest des Marktes muss erst einmal durch Fusionen und Übernahmen gesäubert werden.

Außerdem sollten Anleger sehr kritisch mit jeglichen Gewinnprognosen für Neue-Markt-Firmen umgehen. Nur weil viele Aktien weiter extrem gefallen sind, heißt das nicht, dass sie nun billig wären. Unternehmen und Analysten liefern beinahe täglich Beispiele, wie fehlerhaft ihre Prognosen waren. Bis hier wieder Vertrauen eingekehrt ist, wird noch viel Wasser den Rhein herunterfließen.

Für Genießer noch eine letzte Zahlenkolonne: In den letzten zwölf Monaten hat keine einzige Aktie im Nemax-50-Index im Plus geschlossen. Schon ab Position 10 waren Verluste von mehr als einem Drittel an der Tagesordnung. Ab Position 14 war es bereits die Hälfe und ab Position 19 zwei Drittel des Kurswertes. Den Vogel schossen drei Aktien ab, die alles andere als unbekannt sind: Intershop, Brokat und EM-TV. Alle drei verloren rund 96 Prozent ihres Wertes. Bessere Argumente, die Finger vom Neuen Markt zu lassen, gibt es eigentlich nicht. Oder?

Wider alle diese Zahlen sei dennoch festgehalten: Börse ist ein spannendes Geschäft. Und gerade in Phasen, wo alles trist und grau erscheint, lohnt sich die Beschäftigung mit Aktien. Wenn die Baisse bei Tech-Aktien eines lehrt, dann dies: Wenn man vom Markt eines Besseren belehrt wird, gibt es nur eins - schnell raus. Nur wer seine Verluste schnell begrenzt, bleibt dauerhaft auf der Sonnenseite der Börse.

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