Ein steiniger Weg
Mehr junge Manager drängen ins Ausland

Viele Nachwuchskräfte suchen ihr Glück jenseits der Grenzen. Doch nur wenige von ihnen schaffen es bis ganz nach oben.

Der Stier hat den Kölner Jörg Herlyn gelockt. Nicht der lebendige, kampfeslustige, mit dem es irgendwann in einer spanischen Arena ein blutiges Ende nimmt. Sondern der immer formgleiche, tiefschwarze, von dem exakt 90 Stück an Spaniens Autobahnen und Landstraßen stehen.

Der Stier ist das Logo des spanischen Sherry, Brandy- und Weinunternehmens Osborne. Der deutsche Manager Herlyn arbeitet dort als Länderchef für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der 37-Jährige hat fast sein gesamtes Berufsleben im Ausland verbracht: In Belgien, den USA, den Niederlanden, Frankreich und Kanada.

"Einen stärkeren Trend, ins Ausland zu gehen, gibt es im Wesentlichen bei jungen Managern", sagt Christoph Netta, Deutschlandchef der Personalberater Heidrick & Struggles. Im Vergleich zu früheren Generationen hätten diese an den Hochschulen schon wesentlich internationaler studiert. "Erstmals haben wir in Deutschland einen Pool von Kandidaten, die fähig sind, sich international zu behaupten."

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine aktuelle Analyse von Pricewaterhouse-Coopers (PwC). Obwohl die schlechte Konjunktur bei allen Unternehmen zu hohem Kostendruck führt, erwartet ein Großteil weltweit, dass die Anzahl ihrer im Ausland tätigen Mitarbeiter in den nächsten Jahren steigt.

Die Berater befragten Manager in 273 Unternehmen aus 17 Ländern mit über 70 000 entsandten Mitarbeitern. Das Ergebnis: 39 Prozent der Befragten prognostizieren, dass die Anzahl der langfristig nach Europa entsandten Mitarbeiter in den kommenden zwei Jahren steigen wird. 36 Prozent rechnen mit vermehrten Entsendungen in die USA, Kanada und China. Die Mehrheit der im Ausland tätigen Mitarbeiter arbeitet derzeit in Europa - die USA und Kanada stehen mit 19 Prozent an zweiter Stelle.

Weltweit und natürlich auch in Deutschland gibt es immer mehr Manager, die für einige Jahre im Ausland arbeiten. Nur wenigen gelingt es aber, bei ausländischen Konzernen in die oberen Führungsetagen vorzudringen. Das Handelsblatt stellt ab heute jeden Montag einen der Erfolgreichen vor in der neuen Serie "Karriere ohne Grenzen".

Für Jürgen Steinemann ist große Offenheit für Neues ein wichtiger Grund, in den Niederlanden zu arbeiten. Der Vorstandschef des Futtermittelriesen Nutreco rät deshalb sogar: "Deutsche Unternehmen sollten Mitarbeiter für einige Zeit nach Holland schicken."

Was muss ein Manager mitbringen, um im Ausland Karriere zu machen? Neben guten Sprachkenntnissen sollte er belastbar sein, flexibel, offen gegenüber anderen Kulturen und die nötige Souveränität mitbringen, sich in einem weniger strukturierten Umfeld zu behaupten. So fasst Peter Franklin, Professor für Interkulturelle Wirtschafts- und Managementkommunikation an der Fachhochschule Konstanz, die Anforderungen zusammen.

Nur wenigen gelingt der Aufstieg ganz nach oben. Das liegt nicht nur an eventuell mangelnden Fähigkeiten. "In Frankreich ist es allein wegen des dichten Netzes von Absolventen der Eliteschulen besonders schwer für deutsche Manager", berichtet Wilhelm Friedrich Boyens, Chef der Personalberatung Egon Zehnder International in Düsseldorf. Eine Ausnahme von der Regel ist Frank Esser, der es auf den Chefsessel der französischen Mobilfunkgesellschaft Cegetel geschafft hat.

Viele, die sich auf den Weg machen, haben Probleme mit ungewohnten Konzernstrukturen, wie Professor Franklin aus Trainings mit Managern weiß. "Die Hierarchien können wesentlich steiler sein, als es in Deutschland häufig der Fall ist", berichtet er. Da sei ein anderer Führungsstil erforderlich, weniger Kooperation, mehr Anweisung.

Oft stehen den deutschen Managern je nach Land gerade die Fähigkeiten im Wege, die sie eigentlich auszeichnen: technisches Wissen und Können, ausgeprägtes Planungs-, Struktur- und Prozessorientierung sowie Gründlichkeit.

Viele, die es dennoch schaffen, kehren nach Deutschland auch später nicht mehr zurück. Vielleicht, weil sie sich zu sehr von der hiesigen Kultur und Denkweise abgekoppelt haben. Oder sie wollen Probleme vermeiden, die manchen belasten, der zum Beispiel von der Auslandstochter wieder zum Mutterkonzern zurückkehrt. Die Hierarchien in der Zentrale seien nach der Rückkehr aus einer kleineren Organisation "häufig schwerer zu akzeptieren" als vor dem Auslandsaufenthalt, stellt Elke Ickenstein vom Chemieriesen Bayer fest.

Egon-Zehnder-Chef Boyens wird noch deutlicher: "Ich habe Leute erlebt, die dann in der Zentrale gescheitert sind."

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