Ein Stück Sportpolitik
Asienreise soll neue Märkte schaffen

Trotz langfristiger Beziehungen ist die Partie der beiden A-Nationalmannschaften Deutschlands und Japans am Donnerstag eine Premiere – und ein Stück Sportpolitik.

häg YOKOHAMA. Der Übervater des japanischen Fußballs ist ein Deutscher. Dettmar Cramer, der kleine Fußball-Professor, der in der Bundesliga unter anderem Bayern München trainierte, stellte 1965 die Japan Soccer League (JSL) auf die Beine, eine Profiliga für die Betriebsmannschaften der großen Konzerne. Am Erfolg der 1993 gegründeten Nachfolgeorganisation J-League, die weltweit als Muster für professionelle Fußballentwicklung gilt, haben fast ein Dutzend Vertreter der Bundesliga mitgewirkt - Spieler wie Pierre Littbarski und Uwe Bein und Trainer wie Horst Köppel und Holger Osieck. Doch oft drehte es sich nur um kurze Gastspiele; als Einziger verschaffte sich Guido Buchwald richtig Zugang in die Herzen der Japaner. "Guido-san" haben sie schon im Trikot der Urawa Red Diamonds geliebt. In seinem ersten Trainerjahr hat er den Meistertitel mit Japans populärster Mannschaft erst im Elfmeterschießen verpasst.

Angesichts solch langfristiger Beziehungen wundert es schon, dass die Partie der beiden A-Nationalmannschaften am Donnerstag eine Premiere ist - und ein Stück Sportpolitik. Die Weltmeisterschaft 2006 findet nämlich nur deshalb in Deutschland und nicht in Südafrika statt, weil die vier asiatischen Exekutivmitglieder geschlossen für den DFB gestimmt haben beim legendären 12:11 vom 4. Juli 2000 in Zürich. Ein überglücklicher Franz Beckenbauer hat damals zwei jener Wahlmänner, Chung Mong Joon aus Südkorea und Worawi Makudi aus Thailand, zum Dank spontan ein Gastspiel der Nationalelf zugesagt. Schon bald begannen die Bundesliga-Manager zu grummeln über die strapaziöse Fernost-Tour während der Winterpause - sie war nicht mit den Klubs abgestimmt worden.

Etliche Verantwortliche beim DFB plagte deshalb das schlechte Gewissen. Kaiserliche Präsente lassen sich nun mal nicht zurückziehen. Außerdem wären die alten Freunde aus Japan beleidigt gewesen, wenn die Deutschen auf ihrer ersten Asienreise Tokio links liegen gelassen hätten. Aus der Bredouille ihrer Gefühle sind die DFB-Granden durch einen Anruf vom FC Bayern München befreit worden. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge hatten gerade einen Vertrag mit der Adidas-Niederlassung von Japan geschlossen. Wie fast alle europäischen Topklubs möchten auch die Münchner auf den asiatischen Markt.

Mit den wirtschaftlichen Argumenten vom Branchenführer wurden Daten und Ziele der Reise umgeschrieben. Erste Priorität genießt jetzt Japan. Und dort werden nicht nur OK-Boss Franz Beckenbauer für sein WM-Turnier und Adidas-Chef Herbert Hainer für Fußballprodukte made in Germany werben. DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und DFL-Präsident Werner Hackmann wollen in Tokio über Partnerschaften und einen gemeinsamen Wettbewerb reden. Möglichst schon 2005. Das ist in Japan nämlich das Jahr der Deutschen.

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