Ein Stück Unternehmen für alle
Landesregierungen unterstützen jetzt Mitarbeiterbeteiligungen

Wer Stock Options sagt, meint New Economy. In der traditionellen Industrie heißt dieses Instrument der Mitarbeiterbeteiligung Genussschein. Oder Belegschaftsaktie. Daimler-Chrysler hat sie, Thyssen-Krupp hat sie, selbst der Versandhändler Otto gibt sie an die Belegschaft aus. In mittelständischen Unternehmen sind Mitarbeiterbeteiligungen jedoch noch selten vertreten.

DÜSSELDORF. In Nordrhein-Westfalen gibt es beispielsweise 120 Unternehmen, die ihre Mitarbeiter materiell beteiligen; 70 davon sind Klein- und Mittelständler (KMU). Um diese Zahl zu steigern, hat Arbeitsminister Harald Schartau im Frühjahr die Initiative "Einkommen der Zukunft" gestartet, um KUMs die Themen Mitarbeiterkapitalbeteiligung und betriebliche Altersversorgung schmackhaft zu machen.

Auf einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft e.V. - einem Serviceverband für Fragen der Mitarbeiterbeteiligung - sagte Schartau vergangenen Mittwoch in Düsseldorf: "Die Mitarbeiterbeteiligung hat viele Vorteile. Die Unternehmer kommen an zusätzliches Eigenkapital und verbessern ihre Fähigkeit, weitere Kredite aufzunehmen. Außerdem kann über die finanzielle Beteiligung der Mitarbeiter der Generationenwechsel in vielen Unternehmen gemeistert werden." Fehlt nämlich in einem Familienbetrieb ein Nachfolger, kann die Belegschaft über ihre Kapitalbeteiligung einspringen.

Mitunternehmer identifizieren sich stärker mit dem Unternehmen

Wer als Angestellter zum Mitunternehmer wird, identifiziert sich stärker mit seinem Unternehmen, fühlt eine höhere Verantwortung und ist bereit, mehr Leistung zu bringen, sagt Michael Lezius, Geschäftsführer der AGP. Mehr noch: Wer weiß, dass höhere Kosten ,seinen? Gewinn schmälern, wird beispielsweise sparsamer mit Kopierpapier, Telefonaten oder Reiseanträgen umgehen. In Sachsen hilft die Sächsische Aufbaubank Unternehmen, durch das komplexe Thema Mitarbeiterbeteiligung durchzublicken. Das Land sieht hierin ein geeignetes Instrument, Unternehmen und hochqualifizierte Mitarbeiter zu halten.

In 240 Unternehmen hat die Bank bisher geholfen, die Mitarbeiter am Firmenerfolg zu beteiligen. "Unsere Unternehmen nutzen das Beteiligungsmodell in erster Linie zur Bindung ihrer Mitarbeiter. Schließlich sind die Gehälter noch nicht so hoch wie in anderen Regionen", sagt Bankdirektor Stephan Reber.

Skepsis ist nach wie vor groß

Trotzdem stehen Unternehmer im Osten wie Westen der Mitarbeiterbeteiligung noch skeptisch gegenüber: "Es gibt Unternehmertypen, die sich einfach nicht mit einer Beteiligung anfreunden können", erklärt Rainer Schätzle, Beteiligungsexperte beim Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen. Firmenchefs, die sich ihre Existenz über viele Jahre aufgebaut haben und heute eine Belegschaft von vielleicht sechs, sieben Leuten haben, lassen sich nicht gerne in die Karten gucken. Viele empfinden es als Zumutung, sich dann auch noch vom 20-jährigen Gesellen sagen zu lassen, wie sie ihr Geschäft zu führen hätten.

Diese emotionale Hemmschwelle sehen Experten als größtes Problem an. Mitarbeiterbeteiligung fange schließlich bei der Unternehmenskultur an. Unkenntnis über die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen kommen hinzu. In dieser Komplexität finden KUMs sich häufig nicht zurecht. "Aufklärung ist sehr wichtig, sowohl unter den Unternehmern als auch den Angestellten", sagt Reber von der Sächsischen Aufbaubank. Dabei, so der Landesbanker, soll die Bundesregierung helfen: "Wir brauchen mehr staatliche Förderung."

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