Ein Test der 6 800er-Marke könnte anstehen
Dax-Ausblick: Abwarten und defensiv bleiben

Die US-Präsidentschaftswahlen sowie teilweise beunruhigende Wirtschaftsdaten verunsicherten in der vergangenen Woche die Märkte weltweit und besonders die High-Techs an der Nasdaq. Nach der ausgebliebenen Herbstralley keimen bei Händlern und Analysten berechtigte Zweifel, ob es überhaupt noch zum Jahres-Endspurt an den Weltbörsen kommen wird. Für den deutschen Aktienmarkt, dessen mittelfristiger Aufwärtstrend aber immer noch als intakt bezeichnet wird, heißt das: Ein Test der technischen Unterstützungslinie bei 6 800 Punkten könnte in den nächsten Tagen anstehen.

DÜSSELDORF. Analyst Achim Matzke von der Commerzbank hält es derzeit für nicht ratsam in den schwachen Markt hinein zu kaufen. "Abwarten und zunächst defensiv bleiben", so rät er Privatanlegern. Man erlebe zurzeit keine politische Börse, denn der endgültige Ausgang der US-Wahl würde die tatsächliche Lage an den Weltbörsen nur wenig beeinflussen. "Wir sehen derzeit noch keine Bodenbildung", sagt Matzke und befürchtet, dass selbst positive Unternehmensmeldungen keine Trendwende einleiten könnten. Die Kursverläufe von Siemens und Infineon nennt er als Begründung für eine aktuelle Regel: "Schlechte Nachrichten, große Kursverluste; gute Nachrichten, niedrige Kursabschläge."

Horst Frey von Kant Vermögensmanagent überschreibt seine kurzfristige Anlagestrategie mit "Too close to call" und gibt mit anderen Worten zu: "Der nächste US-Präsident wird wahrscheinlich George W. Bush heißen, aber wie die Börse die anstehende Zwischenzeit kurzfristig übersteht, wissen wir auch nicht."

Kein Kursfeuerwerk erwartet

Für den Aktienmarkt erwarten die meisten Analysten derzeit kein Kursfeuerwerk wie sie in den letzten Monaten vergangener Jahre erfolgten. So auch die Experten der GZ-Bank, die den Dax im Wochenausblick weiterhin in einer Tradingrange zwischen 6 600 und 7 200 Punkten sieht. "Der deutsche Aktienmarkt, der sich seit März in einer Seitwärtsphase befindet, wird kurzfristig kaum nennenswerte Impulse setzen", heißt es. Als Begründung dient weiterhin eine leichte Wachstumsabschwächung, gepaart mit hohem Ölpreis und starkem Dollar bzw. schwachem Euro. Bei einem US-Wahlsieg Sieg von Bush könnte sich zwar eine kurzfristige Ralley ergeben, von der man sich aber nicht täuschen lassen sollte. Auch weiterhin bestände die Gefahr, das Aktien fundamental überbewertet seien. Das Geldinstitut rät Anlegern, sich momentan in Aktien mit längerfristig soliden Fundamentaldaten sowie guten Wachstumsaussichten zu engagieren. Dazu gehörten bei den Dax-Werten unter anderem Linde und Schering.

Zeichen stehen auf Konsolidierung

Auch die Abteilung Wertpapier Research der DG Bank glaubt, dass in der nächsten Woche neben den Vorgaben von den US-Börsen vor allem technische Überlegungen den Markt bestimmen werden. Dabei stünden die Zeichen eher auf Konsolidierung. Ein starker Widerstand nach oben wird in der Dax-Marke von 7 250 Punkten gesehen, die wohl erst nach mehreren Anläufen zu überwinden sei. Auf ihre aktuelle Top-15-Liste der aussichtsreichsten Aktien jeweils einer Branche setzt die DG Bank mit Siemens derzeit nur einen Dax-Wert.

Kampf um die 7 000er-Marke

Dass der Dax in der nächsten Woche "im Kampf um die 7 000er-Marke" seitwärts pendeln wird, ist die Einschätzung von Analyst Karl-Heinz Homburg von der Bankgesellschaft Berlin. Er glaubt mit Sicht auf die mittelfristige Markttechnik (3 bis 6 Monate), dass der Aufwärtstrend des Dax intakt ist, hält aber einen Test der Marke von 6 800 ebenfalls für gut möglich. Das sei dann aber lediglich "eine negative Ausbuchtung" im längerfristig leicht nach oben gerichteten Indexverlauf. "Es fehlen einfach die klaren Vorgaben", so Homburg, der aufgrund abflachender Wachstumsprognosen, des hohen Ölpreises und des starken Dollar "keine gute Stimmung" am Markt ausmachen kann. Homburg sieht derzeit keine von den US-Wahlen beeinflusste politsche Börse, sondern macht "einen generellen Perspektivewechsel" für die jüngsten Kursturbulenzen verantwortlich. Er sagt, Analysten bewerteten vor allem High-Tech-Werte mit hohem KGV mittlerweile konventioneller, "weil die Wachstumsfantasie raus ist. Das ist die Phase, die jetzt auf alle Indizes ausstrahlt. Das ist auch der Grund für die ausgefallene Herbstralley."

Anlegern, die sich auf dem aktuell sehr niedrigen Niveau am Neuen Markt engagieren möchten empfiehlt Homburg grundsätzlich eher auf Index-Zertifikate zurückzugreifen als auf Einzelwerte. Abwärtspotenzial bestünde allerdings auch weiterhin sowohl im Nemax All Share wie auch im Nemax 50.

Als aktuelle Einschätzungen für verschiedene Dax-Werte liegen des weiteren folgende Empfehlungen vor:

Die Bankgesellschaft Berlin hat die Aktien der BASF AG nach Vorlage der Neun-Monats-Zahlen mit "Halten" eingestuft. In einer Kurzanalyse heißt es, das Ergebnis (EBIT) liege im Rahmen der Erwartungen, eine positive Überraschung sei lediglich im Pharmageschäft gelungen. Die Analysten von Goldmann Sachs sehen BASF als "Marketoutperformer" und erwarten für den Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr 2000 weiterhin 2,10 Euro. Für das kommende Jahr reduzierten sie ihre Gewinnschätzung von zuvor 3,35 auf nunmehr 3,00 Euro und für 2002 von 3,75 auf 3,40 Euro.

Die GZ-Bank sieht die Schering AG aufgrund ihrer gelungenen Strategie weiter auf Wachstumskurs und stuft den Titel weiterhin als "Outperformer" ein, auch wenn die Neun-Monats-Zahlen in einigen Teilberichen enttäuschten.

Die Hamburgische Landesbank stuft die Aktien des Automobilkonzerns Daimler-Chrysler weiterhin mit "Market Performer" ein. Dabei haben die Analysten ihre Gewinnschätzung je Aktie jedoch deutlich zurückgenommen. Statt 6,14 Euro pro Aktie erwarten sie jetzt nur noch einen Gewinn von 4,88 Euro pro Aktie. Die Lage auf dem amerikanischen Automobilmarkt werde sich im kommenden Jahr weiter verschärfen, heißt es.

Siemens

erhält von der Hypo-Vereinsbank die (gleichbleibende) Einschätzung "Outperformer". Der aktuelle Kurs der Aktie reflektiere die Zukunftsaussichten des Unternehmens nicht ausreichend., heißt es. Die Ergebnisschätzungen liegen für das laufende Geschäftsjahr bei 4,97 Euro und für 2001/2002 bei 6,07 Euro pro Anteilsschein. Nach Vorlage der Siemens-Jahresbilanz sagte Analyst Roland Pitz: "Die Zahlen waren sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis sehr gut."

Die Empfehlungen der Hessischen Landesbank im Überblick:

Hessische Landesbank

 

Gewinn je Aktie 00e

Gewinn je Aktie 01e

Empfehlung

Datum Empfehlung

Adidas

-Salomon
4,24,8Kaufen03.11.00
Allianz11,714,9Halten18.09.00

BASF

2,53,5Kaufen14.08.00

Bayer

2,42,6Halten18.08.00

BMW

1,92,8Halten01.08.00

Commerzbank

2,32,3Verkaufen04.10.00

DaimlerChrysler

4,65,2Halten28.07.00
Dt. Bank8,28,5Kaufen10.08.00
Degussa-Hüls2,32,7Halten17.08.00
Dresdner Bank2,12,7Halten30.11.99
Dt. Telekom0,050,14Kaufen23.10.00

Eon

3,23,8Halten06.09.00

Epcos

3,34,0Halten04.08.00

FMC

2,62,9Halten19.10.99

Henkel

Vz.
3,23,6Kaufen21.09.00
HypoVereinsb2,43,2Halten25.07.00

Infineon

2,262,56Halten (Kaufen)08.11.00
Karstadt Quelle1,22,1Kaufen24.10.00

Lufthansa

1,61,8Kaufen28.08.00

Linde

2,62,4n.a.28.08.00

MAN

2,22,5n.a.19.10.00

Metro

1,11,3Kaufen10.10.00
Münchner Rück.7,48,6Kaufen22.09.00
Preussag1,92,2Verkaufen (Halten)19.10.00

RWE

2,22,4Kaufen31.05.00

SAP

Vz.
2,73,3Kaufen19.06.00

Schering

1,82,2Halten03.11.00

Siemens

3,23,7Halten03.08.99
Thyssen Krupp0,91,3Halten31.05.00

Volkswagen

4,65,9Kaufen30.10.00
Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%