Ein Toter und mindestens 200 Verletzte bei Ausschreitungen in Genua
Krawalle drückten G-8-Gipfel den Stempel der Gewalt auf

Massenproteste von Globalisierungsgegnern und blutige Krawalle mit einem Toten und Hunderten Verletzten haben dem G-8-Gipfel in Genua den Stempel der Gewalt aufgedrückt und die Gespräche der Staats- und Regierungschefs überschattet. Gegen den Polizisten, der einen Demonstranten erschoss, leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein. Die Polizei nahm dutzende Personen fest, denen zum Teil versuchter Mord vorgeworfen wird. In Deutschland gab es vereinzelte Solidaritätskundgebungen für die Demonstranten.

ap GENUA. Nach zwei blutigen Tagen in Folge durchsuchte die italienische Polizei am frühen Sonntagmorgen das Hauptquartier der Globalisierungsgegner in Genua. Polizeisprecher Mario Viola sagte, die Razzia sei eine Reaktion auf die von Globalisierungsgegnern ausgegangene Gewalt in den vergangenen beiden Tagen gewesen. Eisenstangen, Baseball-Schläger und Ziegelsteine, mit denen Demonstranten sich tags zuvor bewaffnet hatten, wurden den Angaben zufolge beschlagnahmt. Ein Polizist sei mit einem Messer angegriffen worden, doch unverletzt geblieben. Bei der Razzia wurden den Angaben zufolge 40 Deutsche, 15 Italiener, 13 Spanier sowie Schweizer, Amerikaner, Briten und andere Ausländer festgenommen.

Am Freitag war ein italienischer Demonstrant von einem Polizisten erschossen worden. Der 23-jährige Carlo Giuliani aus Genua hatte sich zusammen mit anderen Demonstranten einem Polizeifahrzeug in den Weg gestellt. Fotos wenige Augenblicke vor den tödlichen Schüssen zeigen ihn, wie er einen Feuerlöscher mit beiden Händen über dem Kopf hält. Der Vater des Toten erklärte, sein Sohn sei harmlos gewesen und habe jede Art von Ungerechtigkeit verabscheut. Ein Polizeisprecher sagte hingegen, Carlo Giuliani sei bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten, es sei um Waffen und Drogen gegangen.

Am Samstag wurden bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei über 220 Menschen verletzt, darunter 73 Polizisten und mehrere Journalisten. Mehrere hundert gewalttätige Demonstranten lösten sich am Samstagnachmittag aus einem Protestzug von mindestens 100 000 Globalisierungsgegnern und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Die Ausschreitungen begannen, als der Protestzug die Stelle erreichte, an der tags zuvor der Demonstrant erschossen wurde. Viele in der Menge riefen `Mörder, Mörder".

Zunächst setzten etwa 150 vermummte Demonstranten Autos in Brand, warfen Steine auf Polizisten und zerschlugen Fensterscheiben. Später beteiligten sich mehrere hundert weitere Demonstranten an den Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein.

Vereinzelte Proteste in Deutschland

In Deutschland protestierten mehrere hundert Menschen gegen die Polizeigewalt auf dem G-8-Gipfel. In Berlin zogen 350 Menschen, in Frankfurt am Main 80 und in Köln 150 zu Kundgebungen vor die italienischen Vertretungen. Proteste wurden auch aus Göttingen, Bielefeld und Kiel gemeldet.

Wiederholt kam es auch zu Ausschreitungen: In Hamburg wurden in der Nacht zum Sonntag bei Banken Scheiben eingeworfen und Müllcontainer in Brand gesetzt. In Magdeburg wurden bei einer Spontandemonstration der linken autonomen Szene Beamte mit Steinen beworfen und insgesamt 13 Personen festgenommen. In Berlin drang eine Gruppe von etwa 20 Menschen in ein ZDF-Gebäude ein.

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