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Ein trauriger Dezember sagt sich an

Technologieaktien fallen und fallen. Der November war für die US-Wachstumsbörse Nasdaq der schlechteste Monat seit dem großen Crash im Jahre 1987. Neues Ungemach kündigt sich bereits an: Die US-Konjunktur schwächt sich offenbar nun endlich deutlicher ab.

Wann ist der Crash der Wachstumsaktien endlich vorbei? Eine sichere Antwort vermag kein Analyst zu geben. Schon zu oft haben sich die Gurus in letzter Zeit den Mund verbrannt und Fehlprognosen verbreitet. Nun senken sie erst einmal durch die Bank ihre Gewinnschätzungen für Tech-Werte. Bemerkenswert sind nicht nur die Revisionen selbst, sondern auch das Tempo und ihre Stärke. Solch eine starke Veränderung nach unten erlebten die Märkte zuletzt 1998, als die Schuldenkrise in Russland Anleger weltweit in Angst und Schrecken versetzte.

Kurzfristig konzentriert sich das Interesse der Profis vorerst auf immer neue Daten, die der Markt setzt. Derzeit ist dies zum Beispiel beim Nasdaq-Sammelindex, dem wichtigsten Barometer für Technologieaktien in der Welt, die Zahl 2600. Dort war der Index vor etwa anderthalb Monaten fast ein halbes Jahr hängen geblieben, bevor er diese Marke nachhaltig hinter sich ließ. Während der Talfahrt erweisen sich solche Verschnaufpausen als umso bedeutender, je länger sie waren. Aus dem ehemaligen Widerstand auf dem Weg nach oben wird eine bedeutende Unterstützung, die nach unten absichert, würden die technischen Analysten sagen. Zwar wurde diese Kursstütze Ende November während eines Handelstages deutlich unterschritten. Zum Handelsschluss landete der Index jedoch fast punktgenau auf 2600. Kein Zufall. Auch nicht, dass der Index am 1. Dezember sofort wieder bis auf 2700 Punkte anzog und etwas unter diesem Niveau schloss.

Bullen und Bären kämpfen bei 2600 mal wieder miteinander um die weitere Richtung des Marktes. Wer gewinnt und wer verliert, darüber entscheiden vielleicht die nächsten US-Konjunkturdaten, insbesondere die nächsten Arbeitsmarktdaten. Die vergangene Woche legte ja bereits nahe, dass die US-Wirtschaft zu einer sanften Landung ansetzt. Das heißt: Die hohen Wachstumsraten der letzten Jahre (vier Prozent und mehr) gehören erst einmal der Vergangenheit an. Realistischer wäre wohl eher das europäische Level (drei Prozent und weniger). Wie gewaltig diese Wachstumsverlangsamung sich an der Nasdaq auswirkt, zeigte Ende November die Gewinnwarnung des Computerherstellers Gateway. Die Kurs brach gleich um ein Drittel ein und zog die anderen Computerhersteller mit in den Keller. Denn es handelte sich hier nicht um Unternehmensprobleme, sondern um ein Branchenproblem. Sprich: der Absatz von Computern verlangsamt sich. Weniger Computer bedeutet tendenziell weniger Software. Kein Wunder, dass Zubehöranbieter wie Microsoft auch gleich mit unter die Räder kamen. Sollten sich Befürchtungen der Börse bestätigen, sind demnächst wohl weitere Gewinnwarnungen fällig. Manche Experten warnen auch bereits davor, die Firmen könnten ihre Einkäufe von Informationstechnologie drosseln. Das wäre sicher schlecht für die gesamte High-Tech-Branche und könnte eine neue Abwärtsspirale an der Börse in Gang setzen.

Vorsicht ist also angebracht - zumal noch nicht auszumachen ist, wo die Talfahrt der Nasdaq enden könnte. Erst wenn die Kurse längere Zeit um ein Niveau pendeln, ließe sich ein Urteil darüber fällen. Das bedeutet gleichzeitig: Nur sehr risikobereite Anleger decken sich jetzt schon neu ein. Es ist zwar etwas dran an der These, dass man den tiefsten Punkt sowieso nicht erwischt. Doch andererseits gilt: Je tiefer die Kurse noch fallen, um so länger und mühsamer wird auch der nächste Aufstieg. Bisher erleben die Wachtumsaktien in den USA ihr schlechtestes Jahr seit Mitte der siebziger Jahre. Die Bilanz des Novembers allein ist die übelste seit dem Aktiencrash im Jahre 1987 - rund 23 Prozent gab der Markt nach. Doch wer weiß schon, ob dem tristen November nicht auch noch ein trauriger Dezember folgt? Von der vielfach prognostizierten Herbstrally ist jedenfalls weit und breit nichts zu sehen. Entsprechende Hoffnungen müssen nun wohl erst einmal auf das Frühjahr verschoben werden.

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