Ein verlässlicher Partner?
US-Medien: Schröder muss "Reparaturarbeiten" vornehmen

Kaum jemals ist eine deutsche Bundestagswahl in den USA auf ein so breites Interesse gestoßen - und hat so viel Wirbel um den Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen erzeugt.

ddp WASHINGTON. Nach dem äußerst knappen Wahlerfolg von Rot-Grün mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Außenminister Joschka Fischer (Grüne) an der Spitze stellten am Montag alle großen US-Tageszeitungen den Sieg in einen direkten Zusammenhang zu einem beschädigten deutsch-amerikanischen Verhältnis, das dringend der "Reparaturarbeiten" bedürfe.

"Keine (andere) deutsche Nachkriegsregierung hat bisher eine Position vertreten, die so absolut im Gegensatz zur US-Außenpolitik steht", schrieb "USA Today" und verwies darauf, dass Schröder mit seiner Antikriegshaltung gegenüber dem Irak, die er im Wahlkampf auch für den Fall eines UN-Mandats aufrecht zu erhalten versprochen habe, "das Weiße Haus total wütend gemacht" habe.

Deutschland habe jetzt "viel Arbeit vor sich, um seinen Ruf in Washington und bei seinen europäischen Partnern wieder zu reparieren", zitiert die "New York Times" Ronald Amus, früher Mitarbeiter des US-Außenministeriums und jetzt des German Marshall Fund - einer einflussreichen Stiftung, die unter anderem deutsch-amerikanische Austauschprogramme fördert.

"Wir dachten, dass Deutschland seine Vergangenheit überwunden hat. Aber jetzt gibt es da ein großes Fragezeichen", schildert Amus die allgemeine Einschätzung in politischen Kreisen in Washington. Freunde und Partner würden sich erneut die Frage stellen, ob Deutschland in der Sicherheitspolitik wirklich "ein verlässlicher Partner" sei. Nicht nur die USA, sondern auch die Europäer stellten sich diese Frage.

Die "Washington Post" unterstrich ebenfalls, wie sehr "die anti-amerikanische Rhetorik" die Bush-Regierung verärgert habe. Das Weiße Haus habe davor gewarnt, dass Schröders Wahlkampfreden "über die Grenzen dessen hinausgehen, was als Meinungsverschiedenheit zwischen Verbündeten akzeptabel" sei. Selbst wenn das politische Verhältnis zum Zweck der Öffentlichkeitswirkung irgendwie gerade gerückt würde, sei "das persönliche Band" zwischen Schröder und US-Präsident George W. Bush äußerst beschädigt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen ungenannten Regierungsbeamten. Das Arbeitsverhältnis zwischen beiden Ländern könne möglicherweise während der Amtszeit beider Regierungschefs "nicht mehr voll wiederaufgebaut werden", hieß es.

Die "New York Times" wies wie auch andere US-Medien darauf hin, dass Außenminister Fischer, der zwar im Wahlkampf auch eine Antikriegs-Haltung gegenüber dem Irak vertreten habe, aber "in seiner Sprache immer sehr viel vorsichtiger" als Schröder gewesen sei, bei den Reparaturarbeiten "eine Schlüsselrolle" zukomme. Von Deutschland werde jetzt allgemein erwartet, dass es "mehr Truppen für den Balkan" anbietet, die Führung der internationalen Sicherheitstruppen in Afghanistan übernimmt. Zudem müsse die in den USA wegen eines angeblichen Hitler-Bush-Vergleichs heftigst unter Beschuss gekommene Justizministerin Herta Däubler-Gemlin (SPD) aus der Regierung ferngehalten werden.

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