Ein Viertel des Marktes verloren: Talfahrt der Musikindustrie

Ein Viertel des Marktes verloren
Talfahrt der Musikindustrie

Die deutsche Musikindustrie hat ein Viertel ihres Marktes eingebüßt, seitdem CDs mit einem Computer kopiert werden können. In den vergangenen beiden Jahren beschleunigte sich der Abschwung nochmals.

HB/dpa HAMBURG. "Wir haben zum zweiten Mal ein zweistelliges Minus", sagte Gerd Gebhardt, der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, am Mittwoch in Hamburg. "Das geht uns an den Lebensnerv." Die Umsätze der Branche reduzierten sich im vergangenen Jahr um 11,3 Prozent. Wurden im Jahr 1997 noch 2,59 Milliarden Euro mit Musik umgesetzt, so waren es 2002 nur noch 1,97 Milliarden Euro. In den vergangenen beiden Jahren hätten Handel und Industrie rund 3000 Arbeitsplätze gestrichen.

Zumindest im laufenden Jahr erwartet die Musikindustrie keine durchgreifende Besserung ihrer Lage. "Wenn wir Glück haben, bleibt das Minus einstellig", sagte Gebhardt. Dass spektakuläre Pleiten bislang in der Branche ausgeblieben sind, sei auf das professionelle Management der Firmen zurückzuführen. Es sei allerdings schwer, unter den aktuellen Bedingungen schwarze Zahlen zu schreiben. "Das ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein kulturelles Problem", sagte Gebhardt. Unter den Zwängen sinkender Umsätze und Erträge könnten viele Firmen die Mittel nicht mehr aufbringen, um die Produktionen neuer und unbekannter Künstler zu finanzieren.

Auch in den anderen großen Industrieländern gehen die Umsätze der Musikbranche zurück. "Die Entwicklung verläuft jeweils parallel zur Verbreitung der CD-Brenner", sagte Verbands-Geschäftsführer Peter Zombik. In Deutschland verkaufte die Branche rund 166 Millionen CD-Alben, sechs Millionen weniger als im Jahr zuvor. Gleichzeitig wurden 486 Millionen unbespielte CD-Rohlinge verkauft, von denen nach Schätzungen 267 Millionen mit Musik bespielt wurden. Das sind rund 100 Millionen mehr, als reguläre Musik-CDs gekauft wurden. "Musik ist nachgefragt wir nie zuvor", sagte Gebhard. "Leider wird immer seltener dafür bezahlt."

Ihre Hoffnungen setzt die Branche nun auf die Novelle des Urheberrechts, die gegenwärtig in Berlin vorbereitet wird. Dann hätte die Musikwirtschaft eine Handhabe gegen Hersteller von Kopier- Software sowie Zeitschriften, die Anleitungen zum Umgehen des Kopierschutzes veröffentlichen. Außerdem will die Branche noch im ersten Halbjahr 2002 eine Gemeinschaftsplattform im Internet einrichten, bei der legal für Geld Musikstücke geladen werden können. Eine positive Entwicklung zeichne sich zudem für Musik-DVDs ab, wenn auch noch auf niedrigem Niveau.

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