Ein Wechselbad für Anleger
Neue Dimensionen

Viele Analysten finden: Porsche ist ein Muss für Fans von Automobilaktien. Doch wegen der hohen Bewertung sollte man nicht gerade jetzt zukaufen, sagen andere.

HB DÜSSELDORF. Ein Wechselbad für Anleger: Erst jubelt die Presse, weil Porsche womöglich schon zum Jahresende in den MSCI-Index, das weltweit anerkannte Kursbarometer von Morgan Stanley Capital International, aufgenommen wird. Dann der Schock: Das Renommierunternehmen wird künftig vermutlich aus dem MDax, dem Index der 70 größten Nebenwerte, herausfallen. Die Börse will ihn ausschließen, weil Porsche-Chef Wendelin Wiedeking die seit kurzem zur Pflichtübung vorgesehenen Quartalsberichte ablehnt. Sollen Anleger die Aktie jetzt kaufen oder abstoßen?

Die meisten Analysten sehen Porsche nach wie vor positiv; Verkaufsempfehlungen gibt es aktuell keine. Allerdings plädieren manche Experten derzeit für "Halten" und nicht für Zukauf, hauptsächlich wegen der aktuell hohen Bewertung des Titels. Doch auch diese fundamental orientierten Analysten sind langfristig optimistisch - ebenso wie Kollegen, die den Kurschart analysieren. Als Hauptargument für erwartete Kurszuwächse wird die zu Beginn 2002 bevorstehende Einführung des Geländewagens Cayenne genannt; ohnehin ernten die Stuttgarter mit ihrer Modellpolitik großes Lob.

Sebastian Stein, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, etwa ist "hochzufrieden" mit der Modellpolitik des Unternehmens. Normalerweise habe ein Modellzyklus in der Automobilindustrie nach zwei bis drei Jahren den Höhepunkt erreicht, und nach weiteren zwei Jahren sänken die Absatzzahlen deutlich. Bei Porsche aber sei das anders. Die Baureihe 911 laufe mittlerweile in der fünften Generation. Und die Nachfrage - die Vorbestellungen - in Bezug auf den Cayenne sei geradezu "gigantisch". Allerdings hält Stein die Porsche-Aktie aktuell für fair bewertet und rät daher kurzfristig nur zum Halten; doch mittelfristig sollten bis zu 12 % Kursplus im Jahr möglich sein. Auch die Hypo-Vereinsbank lobt die "geschickte Modellpolitik". Innerhalb der Baureihe 911 etwa trügen die Modelle Turbo und GT2 zu einer Verbesserung der Erlösstruktur bei.

Exklusivität der Marke bleibt bestehen

Nach der Einführung des Cayenne werde der Gesamtabsatz von Porsche im Geschäftsjahr 2002/2003 vermutlich auf 76 800 Fahrzeuge steigen, ist BHF-Bank-Analyst Erik Burgold überzeugt; das wäre gegenüber dem laufenden Geschäftsjahr ein Plus von rund 50 %. Burgold: "Porsche wird in neue Dimensionen hineinfahren." Er nennt ein 12-Monats-Kursziel von 480 Euro und rät zum Kauf. Auch Christian Breitsprecher, Analyst bei der Deutschen Bank, stützt seine positiven Prognosen für Porsche insbesondere auf den zu erwartenden Erfolg des Cayenne: Er sieht Porsche am Jahresende bereits bei 500 Euro.

Bis auf wenige Ausnahmen rechnen die meisten Analysten damit, dass die Erträge trotz der Entwicklungs- und Produktionskosten für den Geländewagen kräftig zunehmen werden. Die Hypo-Vereinsbank rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Plus von 18 % auf 16,20 Euro beim Ergebnis je Aktie. Für das Geschäftsjahr 2001/2002, das am 1.8. beginnt, prognostizieren die Experten 20,50 Euro, für das Folgejahr 31 Euro. Mit einer operativen Rendite, die 2002/2003 über 14 % liegen dürfte, bleibe Porsche "die Benchmark in der weltweiten Automobilindustrie".

Dabei dürften die geplanten Absatzsteigerungen der Exklusivität der Marke nicht schaden, sagt Burgold. Die meisten Geländewagen könnten vermutlich in Nordamerika veräußert werden. Der Markt für sportliche Geländewagen in den USA dürfte dann 3,7 Mill. Fahrzeuge umfassen, so dass die Absatzmenge von Porsche kaum zu einer Marktsättigung führen werde. Zwar versuchten auch andere Automobilkonzerne wie Mercedes, in das Geschäft mit Edelsportwagen einzusteigen. "Sie werden Porsche zwar mit Sicherheit Konkurrenz machen, aber die Stuttgarter sind mit Abstand am besten positioniert und müssen den Wettbewerb nicht fürchten", sagt Burgold.

Fazit: Porsche-Aktien sind attraktiv

Positiv bewerten Beobachter auch, dass Porsche zu hohe Fixkosten vermeidet: Analyst Breitsprecher betont, dass ein Großteil der Produktionsarbeit für den Cayenne von VW übernommen werde - Porsche lässt sich Komponenten liefern. Daher sei beim Produktions- bzw. Montageprozess nicht viel Kapital gebunden. Abgesehen davon schädige die schwache Wirtschaft in den USA das Unternehmen per saldo nicht. Zwar sei beim Boxter in den USA eine Nachfrageschwäche festzustellen. Doch dafür griffen die Käufer beim 911 Turbo zu. Da sie für den Turbo etwa 260 000 DM bezahlen müssten, für den Boxter aber nur 80 000 DM, sei klar, dass der Turbo einen wesentlich höheren Deckungsbeitrag erbringe.

Fazit: Die meisten Analysten halten Porsche für langfristig attraktiv. "Es ist zwar schade, dass das Unternehmen aus dem MDax ausscheiden dürfte", sagt Stein. Dies sei aber nur ein "optisches" Manko. Nur wenige Fonds bildeten den MDax nach und zählten daher zu potenziellen Verkäufern des Titels. Dagegen seien Kurszuwächse infolge der MSCI-Aufnahme zu erwarten.

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